Detroit Auto Show: Ein VW Passat für die USA

Aus Detroit berichtet Tom Grünweg

Als hätte es nie eine Krise gegeben: Die Absatzzahlen der Autoindustrie steigen wieder, und das Messejahr beginnt mit einer großen Party in Detroit. Vor allem die deutschen Hersteller geben in Motown den Ton an - und die zuletzt siechen US-Marken stecken wieder voller Selbstvertrauen.

Detroit Motor Show: Deutsche Hersteller im Aufwind
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Tom Grünweg

Detroit ist zurück. Mit einem rigiden Sparkurs haben sich die großen Drei - General Motors, Ford, Chrysler - stabilisiert, der US-Markt legte im vergangenen Jahr um elf Prozent zu - auf knapp zwölf Millionen Zulassungen. Barron Meade, Chef der Detroit Autoshow, sagt: "Die Branche feiert eine Wiederauferstehung." Die Messestände seien wieder größer geworden, die Hallen voller, der Applaus lauter und die Shows bunter - und es gibt endlich wieder jede Menge neuer Autos.

Auch von den US-Herstellern, die mit einem knappen Dutzend Neuheiten aufwarten. Etwa dem elektrisch angetriebenen Ford Focus, dem neuen Chrysler 300 oder einem vom Opel Astra abgeleiteten Buick, und dazu Studien wie einem kleinen Geländewagen von Ford. Den Ton aber geben in Motown die deutschen Marken an. Rein zahlenmäßig spielen sie in den USA eine Nebenrolle: Zusammen kommen Audi, BMW, Mercedes, Porsche und VW auf knapp 900.000 US-Zulassungen, was einem Marktanteil von 7,6 Prozent entspricht. Allein die Toyota-Gruppe verkauft in den USA rund doppelt so viele Autos.

Dennoch herrscht gute Stimmung bei den deutschen Managern. Audi feiert einen Absatzrekord und hat erstmals die 100.000er-Marke geknackt, VW-USA-Statthalter Jonathan Browning freut sich über ein Plus von 20 Prozent und Daimler-Chef Dieter Zetsche feiert 15 Prozent Verkaufszuwachs. Die Aufmerksamkeit ist den Autos made in Germany vor allem wegen ihrer exponierten Stellung sicher. Von VW einmal abgesehen, engagieren sich BMW & Co. vor allem im Premium-Markt.

Alt neben neu bei Mercedes

Daimler-Chef Dieter Zetsche etwa strotzte beim Neujahrsempfang am Vorabend der Messe nur so vor Zuversicht. Er spricht von den aufmunternden Zahlen des vergangenen Jahres und entwirft eine rosige Prognose für 2011. Neben ihm auf der Bühne steht übrigens nicht, wie sonst so oft, ein nagelneues Auto. Im Gegenteil: Dort parkt der älteste Benz der Welt - der Motorwagen von Carl Benz, dessen Patentanmeldung sich am 29. Januar zum 125. Mal jährt und damit den Geburtstag des Automobils markiert.

Eine Neuheit präsentiert Zetsche dann aber auch noch. Untermalt von der Stimme der Grammy-Gewinnerin Cobie Callait, wird die überarbeitete Mercedes C-Klasse enthüllt. Laut Vertriebsvorstand Joachim Schmidt sei das Modell nun sparsamer, sicherer und schöner als der Vorgänger und würde angesichts von etwa 2000 neuen Teilen bei anderen Herstellern "glatt als neues Auto durchgehen". Mercedes bleibe trotzdem dabei, bei der Neuauflage handle es sich um ein so genanntes Facelift, sagt Schmidt, "aber es war das tiefgreifendste, das wir bislang gemacht haben."

Das wohl wichtigste neue deutsche Auto in Detroit kommt von VW. Die Niedersachsen enthüllen den viel beschworenen New Midsize Sedan, für den in Chattanooga eigens eine US-Fabrik gebaut wurde. Für Konzernchef Martin Winterkorn ist der Wagen der Eckstein der amerikanischen Wachstumsstrategie, die sich das Unternehmen rund vier Milliarden Dollar kosten lässt. Das Auto ist ganz auf den US-Geschmack zugeschnitten, und zur Premiere serviert VW Burger, Pommes und Hotdogs. Das Auto wird übrigens, für Europäer ganz vertraut, Passat heißen. Obwohl die Limousine das hiesige Modell um fast zehn Zentimeter überragt, anders aussieht, andere Motoren erhält, dürfte es kaum mehr kosten als hierzulande ein gut ausgestatteter Golf.

Ein Passat für die USA

"VW gehört seit über 50 Jahren zu Amerika", sagt der US-Chef der Marke, Jonathan Browning mit Blick auf viele Millionen Käfer und Bulli, New Beetle und Golf zwischen New York und Los Angeles. "Doch vor einigen Jahren hatten wir unseren Weg verloren." Weil man sich auf das Wachstum in Europa und Asien fokussierte, sei der US-Markt aus dem Blick geraten. Mit dem neuen US-Passat sei damit jetzt Schluss.

Die Vorpremiere des US-Passat feierte VW im alten "Firehouse" direkt gegenüber dem Messestandort Cobo-Hall. Hier trumpften früher Daimler und Chrysler groß auf. Mercedes quittierte die Übernahme der einst eigenen Bühne mit einem Gruß von gewaltiger Größe: Ein 48 Meter hohes Plakat des Mercedes-Flügeltürers hing an der Fassade des längst geschlossenen Pontchartrain-Hotels. Das Extrem-Plakat ist bereits Stadtgespräch.

Auch Audi und BMW fahren in Detroit groß auf. Die Ingolstädter feiern auf der Messe die Weltpremiere des neuen Audi A6; BMW enthüllt das 6er Cabrio und die Mini-Studie Paceman. Mit einem Knalleffekt wartet auch Porsche auf: Nachdem die Schwaben der Messe in Detroit viele Jahre lang die kalte Schulter gezeigt hatten, melden sie sich nun spektakulär zurück: Mit dem 918 RSR, einer Coupé-Version des Hybrid-Supersportwagens 918 Spyder, der in Zukunft auf der Rennstrecke für Furore sorgen soll.

Zwar spielen die Hersteller in Motown in diesem Jahr kräftig auf, und keiner macht dort lauter Musik als die Deutschen. Doch lange wird Detroit den Ton wohl nicht mehr angeben, sagt Analyst Nick Margetts, der Deutschlandchef des Marktbeobachters Jato Dynamics: "Andere Märkte entpuppen sich als zunehmend spannender. Die Weltmusik der Branche klingt deshalb eher nach Peking-Oper als nach Country and Western."

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insgesamt 12 Beiträge
keoki 10.01.2011
So günstig wie ein gutausgestatter Golf. Wann merken wir endlich das wir bei der Preisgestaltung in Deutschland nur veralbert werden ???
So günstig wie ein gutausgestatter Golf. Wann merken wir endlich das wir bei der Preisgestaltung in Deutschland nur veralbert werden ???
smarty79 10.01.2011
Während sich in Deutschland nahezu alle Autozeitschriften vom VAG-Konzern kaufen lassen und halb Deutschland das Lobeslied auf die achso hohe Qualität der wolfsburger Produkte mitsingt, steht VW in den USA hauptsächlich für [...]
Während sich in Deutschland nahezu alle Autozeitschriften vom VAG-Konzern kaufen lassen und halb Deutschland das Lobeslied auf die achso hohe Qualität der wolfsburger Produkte mitsingt, steht VW in den USA hauptsächlich für Unzuverlässigkeit und hohe Preise. Da helfen dann auch keine achso wertigen Softlacke und Spaltmaße. Was Audi angeht bin ich ebenfalls kritisch. Audi hat in D so schnell Marktanteile von Mercedes und BMW gewinnen können, weil Audi bis Mitte des letztes Jahrzehnts designtechnisch weit vorne war. Mercedes und BMW haben hier mächtig aufgeholt und brauchen dafür nicht mal Autos, die alle gleich aussehen.
Josarian 10.01.2011
... oekonomisch betrachtet in den USA - bekannter Weise auch ein Hochlohnland - einen VW Passat mit annaehernd Vollausstattung fuer ca. 16TEUR verkaufen und in Deutschland liegt der Einstieg fuer ein vergleichbares Modell mit [...]
... oekonomisch betrachtet in den USA - bekannter Weise auch ein Hochlohnland - einen VW Passat mit annaehernd Vollausstattung fuer ca. 16TEUR verkaufen und in Deutschland liegt der Einstieg fuer ein vergleichbares Modell mit vergleichbarer Ausstattung bei 28TEU? Globalisierung? Wohl weniger. Entwicklungskosten im VW Konzern zu Lasten des Stammhauses und nicht auf den US-Kaeufer umgelegt?
Quadrat10 10.01.2011
Das meistverkaufte VW Modell in den 90er und 2000er Jahren war in den USA der VW Jetta (in Deutschland auch als "Bora" bekannt). Da in Mexico hergestellt konnte der Jetta nie die hohen Qualitätsansprüche der US-Kunden [...]
Zitat von smarty79Während sich in Deutschland nahezu alle Autozeitschriften vom VAG-Konzern kaufen lassen und halb Deutschland das Lobeslied auf die achso hohe Qualität der wolfsburger Produkte mitsingt, *steht VW in den USA hauptsächlich für Unzuverlässigkeit und hohe Preise*. Da helfen dann auch keine achso wertigen Softlacke und Spaltmaße. ...
Das meistverkaufte VW Modell in den 90er und 2000er Jahren war in den USA der VW Jetta (in Deutschland auch als "Bora" bekannt). Da in Mexico hergestellt konnte der Jetta nie die hohen Qualitätsansprüche der US-Kunden an ein deutsches Auto erfüllen. Dasselbe Problem hatte auch der VW New Beetle, der in Mexico produziert in Europa verkauft wurde - aber nicht diesselbe Qualität wie der baugleiche VW Golf aus Wolfsburg erreicht hat. http://de.wikipedia.org/wiki/Volkswagen_de_Mexico Hoffentlich wiederholt VW USA nicht denselben Fehler, auch der erste VW Ausflug in den 1970er Jahren mit eigener Produktion in den USA endete im Desaster - die US-Golf ("Rabbit") Modelle waren von mieser Qualität. http://findarticles.com/p/articles/mi_m1038/is_n6_v35/ai_13246858/
smarty79 10.01.2011
Ich würde das aber nicht am Fertigungsstandort festmachen: Die Limousine vom 3er Golf war der bis 1997 gebaute Vento und der wurde m.E. wie der Golf in D (oder vielleicht Bratislava) gebaut. Und der Golf IV, auf dem der Bora [...]
Zitat von Quadrat10Das meistverkaufte VW Modell in den 90er und 2000er Jahren war in den USA der VW Jetta (in Deutschland auch als "Bora" bekannt). Da in Mexico hergestellt konnte der Jetta nie die hohen Qualitätsansprüche der US-Kunden an ein deutsches Auto erfüllen. Dasselbe Problem hatte auch der VW New Beetle, der in Mexico produziert in Europa verkauft wurde - aber nicht diesselbe Qualität wie der baugleiche VW Golf aus Wolfsburg erreicht hat.
Ich würde das aber nicht am Fertigungsstandort festmachen: Die Limousine vom 3er Golf war der bis 1997 gebaute Vento und der wurde m.E. wie der Golf in D (oder vielleicht Bratislava) gebaut. Und der Golf IV, auf dem der Bora basierte, war auch aus deutscher Fertigung ein Desaster, was die Langzeithaltbarkeit angeht. Man möge hier z.B. mal nach runterfallenden Fensterscheiben oder DUU- und DUW-Getrieben googlen. Auch der aktuelle 6er Variant (sowie der 5er davor) wird in Mexico gebaut und zeigt keine offensichtlichen Quailtätsunterschiede. Hier sehe ich auch den Hauptgrund für den Erfolg von VW: Durch eine hohe Anfassqualität wird ein Gefühl von Qualität vermittelt, das sich in der Haltbarkeit nicht widerspiegelt. Und hier ist das Problem bei "dem" Ami: Der hat lieber eine robuste Plastikwüste als tolle Spaltmaße. ---Zitat--- Hoffentlich wiederholt VW USA nicht denselben Fehler, auch der erste VW Ausflug in den 1970er Jahren mit eigener Produktion in den USA endete im Desaster - die US-Golf ("Rabbit") Modelle waren von mieser Qualität. ---Zitatende--- Also der Passat soll dort ja (was hier nicht im Artikel stand) deutlich entfeinert werden. Ob irgendeiner die Karre kauft, wenn Sie Unzuverlässigkeit eines VW mit der Anfassqualität eines Dacia vereint, stelle ich einmal als fraglich hin.
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  • Montag, 10.01.2011 – 09:33 Uhr
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