Deutsche Hybridautos in Detroit: Wir haben's kapiert

Aus Detroit berichtet

Deutsche Hybridautos in Detroit: Wir haben's kapiert Fotos
Tom Grünweg

Diesel, Diesel, Diesel: Jahrelang versuchten deutsche Hersteller, den Amerikanern den Dieselantrieb als Spritsparmaßnahme anzudrehen - ohne Erfolg, die US-Kunden kauften stattdessen Hybridautos. Jetzt lenken Mercedes, BMW und VW endlich ein.

Es war ein lustiger Kampf, der da in den letzten Jahren zwischen den deutschen Autoherstellern auf der einen und den amerikanischen Kunden auf der anderen Seite ausgetragen wurde. Mit viel Energie versuchten die deutschen Manager, dem Dieselantrieb in den Staaten zum Durchbruch zu verhelfen, aufwendig wurde die Selbstzündertechnik als das physikalisch und wirtschaftlich klügere Konzept des Spritsparens beworben.

Doch die US-Kunden blieben stur, Diesel blieben in den USA gemessen an der Größe des Marktes beinahe unverkäuflich. Und die deutschen Autohersteller verpassten ob ihrer Diesel-Euphorie den Hybrid-Hype. Die US-Zulassungszahlen des vergangenen Jahres sprechen Bände: Während kaum 100.000 Autos mit Dieselmotor verkauft wurden, waren es beinahe dreimal so viele mit Hybridantrieb.

Ja, darunter waren auch einige wenige Modelle deutscher Herkunft, doch die Hybridvarianten von Mercedes S- oder M-Klasse, von BMW 7er oder X6, vom VW Touareg oder den Porsche-Typen Cayenne und Panamera sind sehr teuer, können zum Teil nicht rein elektrisch fahren und sind jedenfalls keine Autos für den Massenmarkt wie etwa Toyota Prius oder Ford Escape Hybrid.

Endlich elektrisch

Genau dieses Manko beseitigen die deutschen Hersteller gerade auf der Autoshow in Detroit. Mercedes, BMW und VW stellen dort neue Hybridmodelle vor, die massentauglich sind. Am deutlichsten wird das am VW Jetta. Von der Stufenhecklimousine setzten die Niedersachsen im vergangenen Jahr rund 150.000 Exemplare in den USA ab - und künftig gibt es den Wagen auch mit elektrischem Hilfsantrieb.

Der 27 PS starke Elektromotor wird kombiniert mit einem 1,4 Liter großen TSI-Benziner, der 150 PS entwickelt. Die elektrische Energie wird in einem Lithium-Ionen-Akku im Heck gespeichert. Die E-Maschine unterstützt den Ottomotor beim Anfahren und kann das Auto auch rund zwei Kilometer weit selbständig, abgasfrei und nahezu lautlos voranbringen. Zudem schaltet die Elektronik den Benziner beim lässigen Cruisen auf dem Highway so oft wie möglich ab - die Techniker sagen, das Auto segle dann.

Resultat dieser Spritsparbemühungen ist ein Durchschnittsverbrauch von 45 "miles per gallon" (mpg) oder umgerechnet etwa 5,2 Liter. "Das sind 20 Prozent weniger als bei einem konventionell angetriebenen Fahrzeug in dieser Klasse", sagt VW-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg. Im Stadtverkehr könne der Verbrauchsvorteil sogar auf 30 Prozent steigen.

BMW nutzt den Hybridantrieb für einen sportlichen Auftritt

Auch BMW steht in Detroit unter Strom. Die Bayern zeigen zwei neue Autos mit Akku im Kofferraum, für die sie große Absatzerwartungen haben. Es handelt sich um die Hybridversionen von BMW 5er und 3er. Letztere Baureihe macht mehr als ein Drittel des US-Geschäfts der bayerischen Autobauer aus - davon soll auch die Hybridversion profitieren.

Anders als VW aber positioniert BMW das Hybridmodell nicht als Knauser, sondern als Sportskanone. Der E-Motor leistet 54 PS und beim Verbrenner handelt es sich um einen drei Liter großen Sechszylinder. Beide Motoren zusammen leisten 340 PS und machen das Auto damit zum bislang stärksten Typen der neuen 3er-Reihe. Der Durchschnittsverbrauch liegt nach BMW-Angaben bei 6,4 Liter je 100 Kilometer.

Mercedes nimmt sich in ähnlicher Weise des Hybridthemas an. Das Modell E 400 Hybrid mit einem V6-Benziner kommt ebenfalls auf insgesamt 340 PS. Der Verbrauch dieses Autos liegt bei 27 mpg oder umgerechnet 8,7 Liter je 100 Kilometer - von einem Sparmodell muss man da natürlich nicht mehr sprechen. Audi zeigt in Detroit zwar kein neues Hybridmodell, plant aber, im Laufe des Jahres das SUV-Modell Q5 sowie die Limousinen A6 und A8 jeweils mit Hybridantrieb auf dem US-Markt zu platzieren.

In Deutschland fahren Hybridautos hinterher

"Die neuen Hybridmodelle auf der Autoshow sind wie maßgeschneidert für den US-Markt", sagt Professor Franz-Rudolf Esch, Automobilmarketing-Fachmann an der European Business School in Oestrich-Winkel. In Deutschland hingegen dürften die Autos allenfalls in homöopathischen Stückzahlen verkauft werden. Die Hybridskepsis der heimischen Kundschaft ist ein Grund, weshalb die deutschen Hersteller die Technik eher stiefmütterlich behandeln: Das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg registrierte in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres lediglich 11.358 Neuzulassungen von Hybridautos.

Vielleicht finden die europäisch-amerikanischen Vorlieben - also Dieselmotor und Hybridantrieb - demnächst doch noch zusammen. Denn nach Peugeot und Citroën hat nun auch Mercedes entdeckt, dass man noch mehr sparen kann, wenn man den E-Motor mit einem Diesel zusammenspannt. Neben den auf den US-Markt zugeschnittenen E 400 Hybrid steht deshalb in Detroit auch der E 300 Bluetec Hybrid, der bei 233 PS auf einen Verbrauch von 4,2 Litern kommt. Das macht den Wagen in den Augen von Entwicklungschef Thomas Weber "zur sparsamsten Business-Limousine der Welt".

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1.
Crom 11.01.2012
Gemessen an der Gesamtzahl verkaufter Autos in den USA sind sowohl Hybrid als auch Diesel eher Fliegenschiss.
2. Solange man einen PKW als Penisverlängerung...
mirmidorn 11.01.2012
Zitat von sysopDiesel, Diesel, Diesel: Jahrelang versuchten deutsche Hersteller, den Amerikanern den Dieselantrieb als Spritsparmaßnahme anzudrehen - ohne Erfolg, die US-Kunden kauften stattdessen Hybridautos. Jetzt lenken Mercedes, BMW und VW endlich ein Deutsche Hybridautos in Detroit: Wir haben's kapiert - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,808528,00.html)
vergöttert, wird der E-Antrieb schon mangels des maskulinen Geräuschs keine Zukunft haben. Wer in der Mukkibude aus Potenzgehabe 200 kg an der Bank drückt, will doch nicht mit einem Prius nach Hause fahren, sondern mit einem Hummer oder sonst einem überflüssigen Gefährt. Sonst fänd ihn sein Dummchen ja nicht mehr toll.... Man stelle sich jetzt mal den Hummer mit E-Antrieb vor... ;) Das würde den Sinn und die Philosophie dieses Fahrzeugs doch ad absurdum führen. Aber mal im Ernst. Die tun ja gerade so,als ob der E-Antrieb die Lösung der Zukunft wäre. Dass dieser eine miserable Ökobilanz hat, interessiert keine Sau. EIne einzige Ladung mit Strom entspricht dem vielfachen Schadstoffausstoss eines vergleichbaren Benzinmotors. Der Strom wächst ja schließlich nicht auf einem recycelbarem Bio-Bambusbaum.
3. Diesel?
LeToubib 11.01.2012
Wenn Dieselöl in den U.S.A. angeblich beinahe unverkäuflich sein soll, warum bekommt man es denn dann an jeder Tankstelle? Übrigens hat der große Ford-F-150-Truck meiner Freundin (sie braucht das Monster für ihre Ranch) einen - was wohl? - Dieselmotor natürlich. Und selbst die Motorräder der U.S.-Army fahren mit - was wohl? - Diesel natürlich ...
4.
priusfan 11.01.2012
Zitat von mirmidornvergöttert, wird der E-Antrieb schon mangels des maskulinen Geräuschs keine Zukunft haben. Wer in der Mukkibude aus Potenzgehabe 200 kg an der Bank drückt, will doch nicht mit einem Prius nach Hause fahren, sondern mit einem Hummer oder sonst einem überflüssigen Gefährt. Sonst fänd ihn sein Dummchen ja nicht mehr toll.... Man stelle sich jetzt mal den Hummer mit E-Antrieb vor... ;) Das würde den Sinn und die Philosophie dieses Fahrzeugs doch ad absurdum führen. Aber mal im Ernst. Die tun ja gerade so,als ob der E-Antrieb die Lösung der Zukunft wäre. Dass dieser eine miserable Ökobilanz hat, interessiert keine Sau. EIne einzige Ladung mit Strom entspricht dem vielfachen Schadstoffausstoss eines vergleichbaren Benzinmotors. Der Strom wächst ja schließlich nicht auf einem recycelbarem Bio-Bambusbaum.
Genau und deshalb gibt es seit 13 Jahren den regulären Prius Vollhybrid ( seit 2009 in der 3.Generation ), den man noch nicht aufladen muss, aber der trotzdem nur 3,9 Liter Benzin ( zur Zeit selbst 5,0 Liter ) braucht :-) Besser erst mal richtig lesen und informieren ! Bevor der Strom nicht zu mindestens 50 % aus erneuerbaren Energien erzeugt wird, bringt ein reines Elektroauto auch recht wenig. Für die nächsten 10 Jahre ist dieser Vollhybrid daher die beste Lösung. Ab Mitte 2012 auch als Yaris mit 3,0 Litern Benzin.
5. Kann ich nur zustimmen.
spon-1317319864453 11.01.2012
Zitat von priusfanGenau und deshalb gibt es seit 13 Jahren den regulären Prius Vollhybrid ( seit 2009 in der 3.Generation ), den man noch nicht aufladen muss, aber der trotzdem nur 3,9 Liter Benzin ( zur Zeit selbst 5,0 Liter ) braucht :-) Besser erst mal richtig lesen und informieren ! Bevor der Strom nicht zu mindestens 50 % aus erneuerbaren Energien erzeugt wird, bringt ein reines Elektroauto auch recht wenig. Für die nächsten 10 Jahre ist dieser Vollhybrid daher die beste Lösung. Ab Mitte 2012 auch als Yaris mit 3,0 Litern Benzin.
Vor allem die technisch Einfachheit beeindruckt: Keine Lichtmaschine. Kein Anlasser. Einfaches Planetengetriebe, daher keine Kupplung. Lineares Automatikgetriebe. Kein Keilriemen. Klimakompressor, Wasserpumpe, Lenkhilfe elektrisch betrieben. Insgesamt weniger Verschleiss usw. Sondern Elektromotor 80 PS und ein Einfacher Motor 100 PS im Atkinsonbetrieb. Es wurde nicht irgendwo ein besser Scheibenwischermotor schnell mal hingepappt.
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