Streetscooter Elektrisches Postauto ist mit giftigem Schwermetall belastet

Der strombetriebene Vorzeigetransporter der Deutschen Post trägt ein hässliches Geheimnis in sich: Cadmium. Das Schwermetall sitzt in einem Hochvoltladegerät. Das Unternehmen findet das offenbar nicht weiter schlimm.

Streetscooter der Post in Rostock
DPA

Streetscooter der Post in Rostock

Von


Lange Zeit schien es so, als hätte die stolze deutsche Autoindustrie die elektronische Revolution in der Antriebstechnik verschlafen. Schlimmer noch: Ein kleines Start-up aus Aachen führte die Konzerne auch noch vor: mit einem praktischen, umweltfreundlichen Transporter, dessen Kraft aus einer Batterie stammt, den Streetscooter. Die Deutsche Post stieg bei der Firma ein und machte daraus einen Imagecoup für sich. Schnell sprang die Bundesregierung mit auf - und präsentierte das klimafreundliche Gefährt, wo sie nur konnte.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 33/2018
Wie der Reisende zerstört, was er liebt

Doch jetzt bekommt die Erfolgsgeschichte ein nicht ganz so glänzendes Kapitel hinzugefügt. In dem Pakettransporter stecken nach Informationen des SPIEGEL giftige Schwermetalle: Nach einem Bauteil mit hohem Bleigehalt stießen die Zulassungsbehörden auf ein Hochvoltladegerät, das Cadmium enthält. Die Konzentration ist so hoch, dass eine normale Typgenehmigung des Streetscooters nicht möglich ist. Bislang hatte die Post die Zulassung einer sogenannten Kleinserie mit 2000 Scootern beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) veranlasst; verschiedene Bundesländer erteilten zudem Einzelgenehmigungen.

In beiden Verfahren muss der Hersteller nicht nachweisen, dass keine unzulässigen Schwermetalle verbaut sind. In der Bundesregierung ist man irritiert darüber, dass die entsprechenden Bauteile verwendet wurden. Ein Sprecher der Post erklärte, man halte sich bei den Streetscooter-Elektrofahrzeugen an "die gesetzlichen Anforderungen". Bei dem cadmiumhaltigen Ladegerät handelt es sich um das gleiche Bauteil, das auch in 124.000 Elektroautos aus dem VW-Konzern verbaut ist. Hier wird das KBA nach SPIEGEL-Informationen wohl einen amtlichen Rückruf anordnen.

Cadmium wurde lange Zeit wegen seiner Eigenschaft unter anderem als leicht formbares Metall als Legierung verwendet. Auch in Speziallacken war es untergemischt. Doch die EU-Kommission hat die Verwendung von Cadmium in den allermeisten Fällen verboten. Denn das Metall ist sehr giftig und steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Es sammelt sich im Organismus an und kann so zu einer schleichenden Vergiftung führen. Entsprechend der EU-Verordnungen wurde Cadmium auch in die deutsche Altfahrzeugverordnung als ein Stoff aufgenommen, der in Fahrzeugen ab einer bestimmten Konzentration nicht verwendet werden darf.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.



insgesamt 147 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gesell7890 10.08.2018
1. Nicht zustellen können,
keinen Service haben, dauernd die Preise erhöhen und die Umwelt vergiften: Herr Appel scheint ein großartiges Manager zu sein!
besserbescheidwisser 10.08.2018
2. Der Nächste bitte.
Nach den ganzen Negativberichten über Tesla ist nun also der nächste erfolgreiche E-Autohersteller dran, der durchs Dorf gejagt wird. Aber ich befürchte, dass das ähnlich erfolglos sein wird wie bei Tesla. Die E-Mobilität lässt sich mit solchen Berichten nicht mehr aufhalten.
nesmo 10.08.2018
3. Viele Fragen offen
Warum darf VW 124.000 der Teile in Serie bauen und beim Postauto wird es erst moniert. Es ist das selbe cadmiumhaltige Teil, und bei VW muss es eine allgemeine Erlaubnis dafür gegeben haben. Bei der Post gab es ja nur eine Ausnahmegenehmigung und da fällt es komischerweise auf. Kriegt VW leichter Genehmigungen? Wie groß ist das Risiko, dass das Cadmium austritt? Welche Schäden sind ggf. zu erwarten? Gibt es überhaupt eine Technologie ohne Cadmium und heißt dies anderenfalls, dass E-Automobile nicht gebaut werden können? Wie groß ist der Cadmiumanteil in anderen PKW? Viele Fragen sind da offen.
M. Michaelis 10.08.2018
4.
Hysterischer Unsinn. Mir ist niemand bekannt der E-Auto Lader zum Frühstück in sein Müsli bröckelt. Werden diese Bauteile irgendwann sachgerecht recycelt ist ds Cadmium überhaupt kein Problem.
tobi-b 10.08.2018
5. Was meint hier giftig?
Soll giftig heißen, im Normalbetrieb dünsten Gase aus, die gesundheitsgefährdend sind? Oder meint dies, dass bei Unfällen gefährliche Elemente freigelegt werden können? Oder sind die „sich im Körper anlagernden Stoffe“ nur gefährlich wenn sie direkt in den Organismus kommen (sprich, gegessen werden)?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.