Deutsche Rennfahrer: Helden der Geschwindigkeit

Mut und Draufgängertum - aus dieser Mixtur entstehen meist Narren, manchmal aber auch Helden. Im Motorsport sind diese Eigenschaften unverzichtbar, wenn aus einem PS-Piloten ein Champion werden soll. Das Buch "Deutsche Rennfahrer" versammelt hundert von ihnen.

"Pferdelose Wagen aller Art" waren zur allerersten Automobil-Wettfahrt zugelassen, die 1894 auf der Strecke von Paris nach Rouen stattfand. Es war die Geburtsstunde einer neuen Sportart, die rasch zahlreiche Anhänger fand und deren Protagonisten schon bald als Helden verehrt werden sollten: die Autorennfahrer.

In Deutschland, wo das Auto erfunden worden war, kam die Raserei zwar etwas langsamer in Gang als in Frankreich. Dafür wurde sie später jedoch umso intensiver betrieben und gar zur nationalen Ehrensache hochstilisiert - es war während der Nazi-Zeit, als unter anderem deutsche Fahrer und deutsche Automarken auch beim schnellen fahren im Kreis die allerbesten sein sollten.

Das Buch "Deutsche Rennfahrer - Porträts, Bilder und Erfolge aus 100 Jahren" erzählt die Geschichte von deutschen Vollgas-Helden der vergangenen hundert Jahre. Es beginnt mit Carl Joerns, der nach 350 Siegen bei Fahrrad-Wettfahrten ab 1903 hinters Lenkrad wechselte und fortan für Opel aufs Gas trat. Berühmt wurde er spätestens durch den dritten Platz beim Kaiserpreis im Taunus, den er 1907 errang.

Ein Jahr später beginnt für viele Motorsportfans die eigentliche deutsche Erfolgsstory im Rennsportzirkus. 1908 jagte Christian Lautenschlager in einem 140 PS starken Mercedes als erster über den Zielstrich beim Großen Preis von Frankreich, in der Nähe von Dieppe. Es war der erste Grand-Prix-Sieg eines Deutschen, und Lautenschlager hatte ihn souverän herausgefahren; sein Vorsprung auf den Zweitplatzierten nach 769 Rennkilometern betrug knapp neun Minuten.

Von solchen Anekdoten und Erinnerungen wimmelt das Buch, das in acht chronologisch aufeinander folgenden Kapiteln die Biografien der besten deutschen Rennfahrer aneinanderfügt. Vor allem aber sind es die Bilder, die dem Betrachter eine beeindruckende Zeitreise ermöglichen. Viele der Bilder sind recht unbekannt - etwa jenes, dass den noch sehr jungen Michael Schumacher auf einer seiner ersten Autogrammkarten von Sauber-Mercedes zeigt.

Viele der Rennsport-Idole starben im Cockpit

Viele der kurzen Geschichten enden, für ein solches Genre wohl typisch, mit dem jähen Unfalltod des Protagonisten. Ob Bernd Rosemeyer, Wolfgang Graf Berghe von Trips, Jochen Rindt, Rolf Stommelen oder Stefan Bellof - sie alle kamen bei tödlichen Unfällen auf der Rennstrecke um.

Die Autoren liefern ein tolles Panorama des Motorsports und seiner wichtigsten Akteure aus deutscher Sicht - flott geschrieben und reichhaltig bebildert. Leider wurde aber etwas Wesentliches versäumt: Es gibt kein Register mit allen Namen und den entsprechenden Seitenzahlen, so dass der Band als Rennfahrerlexikon unbrauchbar ist. Zum Blättern und Schmökern in rennsportfreier Zeit ist das Buch allerdings prima geeignet.


Michael Behrndt, Jörg-Thomas Födisch und Matthias Behrndt: "Deutsche Rennfahrer - Porträts, Bilder und Erfolge aus 100 Jahren"; Heel-Verlag, 200 Seiten, 265 Abbildungen, 39,90 Euro.

jüp

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