Spritsparen mit Lowtech: So wird der Verbrenner zum Sparmeister

Aus Detroit berichtet

Spritsparen mit Lowtech: Neun Gänge gegen den Durst Fotos
Tom Grünweg

Der Elektroauto-Hype ist vorbei, der Verbrennermotor noch lange nicht tot. Vor allem, weil in ihm noch gewaltiges Sparpotential schlummert. Deutsche Zulieferer zeigen auf der Detroit Auto Show, wie man bis zu 15 Prozent Sprit sparen kann - mit vergleichsweise einfachen, günstigen Techniken.

CAFE mögen viele Angehörige der amerikanischen Autoindustrie nicht so gern. Sie denken bei CAFE nicht an ein koffeinhaltiges Heißgetränk, sondern an die Corporate Average Fuel Economy. Der Fachbegriff steht für den Flottenverbrauch, also den Durchschnittsverbrauch aller Neuwagen eines Herstellers. Und den will die US-Regierung in den kommenden Jahren drastisch senken.

Für das Jahr 2016 schreibt die Umweltbehörde EPA einen Wert von 34,5 Miles per Gallon (mpg) oder umgerechnet 6,9 Liter auf 100 Kilometer vor, und bis 2025 müssen es 54,5 mpg oder 4,4 Liter sein. Das ist der Grund, weshalb in den USA mehr über Hybrid- und Elektrofahrzeuge debattiert wird als sonstwo auf der Welt.

Weil aber alternative Antriebe aufwendig und teuer und darum nur schwer verkäuflich sind, suchen die US-Autobauer nach anderen Lösungen, um die CAFE-Vorgaben zu erfüllen. Fündig werden sie womöglich bei deutschen Zulieferern. Auf der Auto Show in Detroit zeigen Unternehmen wie die Schaeffler-Gruppe oder ZF Detailverbesserungen für den Antriebsstrang, mit denen auch konventionell motorisierte Fahrzeuge die neuen Normen einhalten können. Bis zu 15 Prozent Verbrauchreduktion seien möglich, vermelden die Firmen.

Auch beim Verbrennermotor gibt es noch gewaltiges Sparpotential

An wie vielen Spritsparschrauben sich drehen lässt, zeigt Schaeffler mit einem Konzeptfahrzeug auf Basis des neuen Ford Escape, der hierzulande demnächst als Kuga angeboten wird. "Akribische Detailarbeit bietet auch beim Verbrenner noch beachtliche Potentiale zur Verringerung von Verbrauch und Emissionen", sagt Schaeffler-Forschungschef Peter Gutzmer. So lasse sich selbst bei einem nagelneuen, modernen SUV wie dem Escape der Verbrauch um bis zu 15 Prozent senken.

Um das zu erreichen, setzen die Franken bei dem Technologieträger, der im US-Entwicklungszentrum nahe Detroit gebaut wurde, vor allem auf drei Bausteine:

- eine Allrad-Trennkupplung, die immer dann den Kraftschluss mit der Kardanwelle unterbricht, wenn eine angetriebene Achse für den Vortrieb reicht. Nur bei sportlicher Fahrweise oder schlechtem Grip schließt sich die Kupplung. Das allein drückt den Spritverbrauch um bis zu zwei Prozent.

- ein neues Start-Stopp-System, das mit einem "permanent eingespurten Starter" das Wiederanlassen des Motors schneller erledigt als bisherige Systeme. Dazu kommt ein Druckspeicherventil, in dem Hydraulikdruck gespeichert wird, deren Energie ein schnelleres Anfahren nach einem Motorstopp ermöglicht. Das führt vor allem bei Autos mit Automatikgetrieben, die auf dem US-Markt dominieren, zu einem "spürbaren Komfort-Plus", wie Schaeffler mitteilt. Vor allem aber kommt ein SUV wie der Escape mit dieser Technik dem CAFE-Standard um rund sechs Prozent näher.

- ein Modul zum Thermomanagement, das über spezielle Schieber den Temperaturhaushalt des Motors regelt. Bei einem Kaltstart etwa wird der Wassermantel um den Motor komplett gesperrt, so dass die Maschine in kürzester Zeit die optimale Betriebstemperatur erreicht. Spritersparnis: bis zu vier Prozent.

Addiert man noch ein paar Kleinigkeiten wie eine reduzierte Reibung im Riementrieb für Nebenaggregate wie Lichtmaschine oder Wasserpumpe, eine wälzgelagerte Ausgleichswelle für Vierzylindermotoren (statt einer gleitgelagerten) oder verbesserte Radlager dazu, werden die genannten rund 15 Prozent Einsparpotential erreicht.

Solche Lösungen sind gewiss weniger spektakulär als ein Hybrid- oder gar ein Elektroantrieb. Aber sie haben zwei große Vorteile, sagt Schaeffler-Sprecher Jörg Walz. "Sie sind quasi serienreif und vergleichsweise preiswert."

Pro einem Prozentpunkt Spritersparnis müsse man nicht einmal 40 Dollar ins Auto investieren, sagt Jeff Hemphill, der Chef des amerikanischen Schaeffler-Entwicklungszentrums. Ein Auto wie der Ford würde also umgerechnet um rund 600 Euro teurer, der Durchschnittsverbrauch aber sinke um gut einen Liter.

Auch eine Neungang-Automatik soll den Spritdurst zügeln

Schaeffler ist mit diesem Sparkurs auf der Messe in Detroit nicht allein. Auch der Getriebehersteller ZF aus Friedrichshafen stellt schnell verfügbare Spartechnik vor. Etwa ein Neungang-Automatikgetriebe für Pkw mit Quermotor und Frontantrieb, das den Verbrauch im Vergleich mit den heute noch weitverbreiteten, sechsstufigen Automatikgetrieben um zehn bis 16 Prozent drosselt.

Der Prototyp mit den Spritspar-Innovationen von Schaeffler fährt zwar bereits durch Michigan, die Messebesucher in Detroit jedoch bekommen das Auto nicht zu sehen. Sie müssen mit einem futuristischen Modell und ein paar Videoprojektionen vorliebnehmen. Unternehmenssprecher Walz beteuert, das Auto funktioniere zwar tadellos, passe aber leider nicht durch die Türen zu dem Konferenzsaal im Obergeschoss der Messehalle, wo Schaeffler die Neuheiten präsentiert.

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insgesamt 201 Beiträge
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1. optional
wakaba 17.01.2013
Witzig, Zuschaltbarer 4x4 gibts schon ewig. Warum das jetzt mit Elektronik sparsamer sein soll... Automaten sind Säufer - schön gespreiztes 4 Gang Getriebe spart, haltbar, leise. Offene, leichte Autos mit Bikinitop und schon spart man sich die 2l auf 100km für die Klimaanlage. Thermomodul - nennt sich heute Thermostat - funktioniert rein mechanisch, kostet 5 Euro zu tauschen und gibts schon ewig und machts perfekt. Elektrische Wasserpumpe gibts auch schon ewig und macht ziemlich viel aus - wird trotzdem nicht verbaut...Neu? Und der Brüller: 30/70/90 Limit - schon wär die Welt gerettet. Viel heisse Luft aus Detroit - nichts wirklich intelligentes dabei..ist auch nicht zu erwarten - in der Autoindustrie sind nur noch drittklassige Ings. und Hinterbänkler BWler am werken.
2. Was nützt es,
Mo2 17.01.2013
wenn die Motoren immer feister werden? Wo lag noch mal die Durchschnittsleistung von Neuwagen in D, um die 140 PS meine ich. Gefahren werden die dann meist als hätten sie nur 20... Die meisten Verkehrsteilnehmer sind im Vergleich zu ihren Fähigkeiten bzw. zu ihrem Fahrstil monströs übermotorisiert. Da gibt`s das eigentliche Spritsparpotenzial. Schleicht es sich eigentlich besser im Stadtverkehr mit 60 statt 160 PS?
3. meinte
Mo2 17.01.2013
Zitat von Mo2wenn die Motoren immer feister werden? Wo lag noch mal die Durchschnittsleistung von Neuwagen in D, um die 140 PS meine ich. Gefahren werden die dann meist als hätten sie nur 20... Die meisten Verkehrsteilnehmer sind im Vergleich zu ihren Fähigkeiten bzw. zu ihrem Fahrstil monströs übermotorisiert. Da gibt`s das eigentliche Spritsparpotenzial. Schleicht es sich eigentlich besser im Stadtverkehr mit 60 statt 160 PS?
natürlich 160 statt 60 ,-)
4. Allgemeines Spritsparen...
artusdanielhoerfeld 17.01.2013
...finde ich gut, dann bleibt mehr für mich übrig.
5. Noch was ...
Steppke_R 17.01.2013
Und wenn sich die Schaefflers noch etwas im eigenen Konzernumfeld (Continental...) umgeschaut hätten, wären sie darauf gekommen, daß sie mit passenden Spritsparreifen noch ein paar Literchen sparen könnten...
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