Neue Studie Die Zahl der Lkw-Auffahrunfälle steigt

Auf Deutschlands Autobahnen gibt es immer häufiger schwere Lastwagenunfälle an Stauenden. Das zeigt nun auch eine Studie mehrerer Bundesländer.

Ein Auffahrunfall
DPA/ NEWS5

Ein Auffahrunfall


Schwere Auffahrunfälle durch Lkw an Stauenden werden immer häufiger. Das zeigen laut Informationen der "Frankfurter Allgemeinen" Untersuchungen der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Bayern, die in den letzten Jahren genau diese Art von Lkw-Unfällen untersucht haben.

So registrierte NRW im Jahr 2013 noch 135 schwere Lastwagenunfälle an Stauenden, 2017 dagegen 194. In Baden-Württemberg erhöhte sich die Zahl solcher Unfälle im selben Zeitraum nach Angaben des Innenministeriums von 149 auf 191.

Allgemein allerdings sinkt die Zahl der Toten, die bei Unfällen mit Beteiligung eines Lasters sterben. Die Zahl der Getöteten pro gefahrenen Kilometern sank von 4,6 Toten auf eine Milliarde Fahrzeugkilometer im Jahr 2013 auf 4,2 im Jahr 2016.

Gegenläufige Unfall-Trends

Trotzdem stieg laut der "Frankfurter Allgemeinen" die Anzahl tödlich verunglückter Lasterinsassen im vergangenen Jahr vermutlich um rund ein Fünftel, das wären 30 Tote mehr als im Vorjahr. Diese Zahlen gehen aus vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Ein Grund dafür ist ganz sicher der immer stärker werdende Verkehr.

  • 2013 lag die durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke auf deutschen Autobahnen bei 47.600 Kraftfahrzeugen in 24 Stunden.
  • Sie stieg auf 51.100 Fahrzeuge je 24 Stunden im Jahr 2016.
  • Die Fahrleistung mautpflichtiger Lkw auf deutschen Autobahnen betrug 2013 27 Milliarden Kilometer.
  • Bis 2016 stieg sie auf 32 Milliarden Kilometer.

Fast alle Unfälle vermeidbar

Wenn bei steigendem Verkehrsaufkommen die Zahl der Toten bei allgemeinen Unfällen mit Lkw sinkt, die Zahl der Toten nur bei Auffahrunfällen aber so dramatisch steigt, wirft das Fragen auf. "Die meisten Auffahrunfälle wären mit der heute verfügbaren Technik vermeidbar oder würden glimpflicher ablaufen", erklärte Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung des Branchenverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in der Donnerstagsausgabe der Zeitung.

Automatische Notbremssysteme können solche Unfälle effektiv verhindern. Sie sind längst auf dem Markt und mittlerweile Pflicht. Das System warnt den Fahrer, wenn er zu dicht auf ein vorausfahrendes Fahrzeug auffährt, reagiert der Fahrer nicht auf die Warnung, bremst das System den Lkw selbstständig ab. Zwar ist die Vorrichtung seit 2015 in allen neu zugelassenen Sattelzügen ab einem Gewicht von acht Tonnen vorgeschrieben, allerdings ist sie noch nicht flächendeckend verbreitet.

Sicherheitssysteme einfach abschaltbar

Außerdem können Fahrer die Systeme sehr einfach abschalten, um dichter hinter anderen Lkw und in deren Windschatten zu fahren. Gleichzeitig reagieren sie nur auf sich bewegende Hindernisse und bremsen den Lkw gegebenenfalls um lediglich zehn km/h ab. Assistenzsysteme, die auch auf stehende Hindernisse reagieren und das Fahrzeug zum Stillstand bringen können, werden erst in diesem Jahr verpflichtend.

Stephan Kühn, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, kritisierte das Vorgehen der deutschen Regierung. Der Vorschlag des damaligen Bundesverkehrsministers Alexander Dobrindt (CSU) aus dem September an die zuständige Europa-Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen (UNECE), die Abschaltung der Notbremssysteme in Lastern ab einer Geschwindigkeit von 30 Kilometern in der Stunde nicht mehr zuzulassen, sei "ungenügend".

ene/AFP

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insgesamt 94 Beiträge
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Seite 1
Kudi 08.03.2018
1. Frontlenker sind lebensgefährlich
Es ist Zeit, dass die idiotischen europäischen Längenbeschränkungen abgeschafft werden und den LKW-Fahrern endlich die Sicherheit (und den besseren Komfort) von Haubenfahrzeugen zu Gute kommt.
DerBlicker 08.03.2018
2. hier liegt das Problem
Schwere Unfälle gerade auf Autobahnen haben fast immer etwas mit LKW zu tun. Deshalb muss genau dieses Problem gelöst werden und keine ideologische Diskussion mehr um ein generelles Tempolimit auf Autobahnen geführt werden. Es darf einfach nicht sein, dass Sicherheitssysteme abgeschaltet werden können. Dazu gibt es keinen Grund. Ich habe in meinem BMW auch so ein Sicherheitssystem, und es gab noch nie einen Grund es abzuschalten, denn man kann es ja jederzeit durch bewusstes Gasgeben übersteuern, aber das muss man dann aktiv tun. Aber es darf nicht sein, dass LKW Fahrer bequem vom Tempomat gesteuert ohne genügend Sicherheitsabstand im Windschatten dicht an dicht über die Autobahn rollen können. Zudem sollte man das Abschalten eines Sicherheitssystems (dazu zählt auch ESP) bei einem Unfall grundsätzlich strafverschärfend werten und dann z.B. keine Bewährungsstrafe mehr zulassen.
hr.schnackermüller 08.03.2018
3. Weil.....
.....ein Handy am Steuer immer noch VIEL ZU WENIG kostet. Und weil der gesetzlich vorgeschriebene Einbau von Bremsassistenten verschleppt wird. Ich frag mich erneut was der Dobrindt all die Jahre gemacht hat außer Nase bohren! Jdes Todesopfer eine Anklage für diesen politischen Geisterfahrer.
Kein Besserwisser 08.03.2018
4. Deuzschland lädt doch gerade zu alle LKWs zum Rasen ein!
Es ist doch kein Wunder, wenn LKWs heute üblicherweise über 90 km/h auf der Autobahn und mit viel zu wenig Sicherheitsabstand unterwegs sind. Auch ist es doch so, dass die meisten LKW-Fahrer erst nach links zum Überholen ansetzen und dann erst den Blinker betätigt - und das i. d. R. knapp 20 bis 50 Meter vor mir als Pkw-Fahrer auf der Überholspur mit teilweise sehr höherer Geschwindigkeit, aber das interessiert den LKW-Fahrer überhaupt nicht; teilweise habe ich das Gefühl dass der Lkw-Fahrer gar nicht realisiert, was er da macht.. Ja und dann kriecht der LKW mit einem halben km/h, im günstigsten Fall mit einem km/h mehr als der zu überholende LKW kilometerlang auf der linken Spur und blockiert den PKW-Verkehr. Aber ich will nicht alle LKW-Fahrer über einen Kamm scheren. Mit Sicherheit stehen viele Fahrer unter Druck vom Unternehmer und/oder Disponent. Nur, wem erlaubt ist, einen 40-Tonner zu fahren, der sollte auch Manns oder Frau genug sein, gegen solche Sklaventreiber aufzustehen, also sich einfach nur so verhalten, wie sie es dem PKW-Fahrer gegenüber tun und schon wer auf dieser Schiene Ruhe. Die andere Schiene der hunderten oder tausenden ausländischen LKW-Rowdys müssen von der Politik und von der Polizei in die Schranken verwiesen werden. Da hilft nur kontrollieren und nochmals kontrollieren. Ich erinnere mich, dass es in Deutschland verboten ist, als LKW-Fahrer seine Wochenendruhezeit im LKW zu verbringen. Dann frage ich mich, warum am Wochenende gefühlt der LKW-Balkan auf den Raststätten und Rastplätzen Camping macht? Und, ich habe schon mehrfach erlebt, dass ein LKW im Überholverbot überholt, ein Polizeiwagen 1 oder 2 Autos dahinter fährt – aber en LKW nicht anhält und reglementiert. Ein Über glaube ich erkannt zu haben. Der Polizist ist mit soviel Verwaltungsarbeit überfrachte, dass er anscheinend lieber die Augen vor einem Verkehrsverstoß zumacht als sich endlose Schreibarbeit aufzuhalsen. Hinzu kommen dann noch die netten Pkw-Besitzer, die meinen, wegen jedem noch so leichten Kratzer oder Delle, lieber die Polizei rufen anstatt die Angelegenheit selbst zu regeln und damit auch den fließenden Verkehr nicht behindern.
staffriend 08.03.2018
5. weil
LKW Fahrer überwiegend auf Sicherheitsabstand pfeifen , ohne Lichtzeichen zum Elefantenrennen ausschreiben, Kfz auf deren Spur durch Lichthupe und Hupe mit zusätzlichem auf die Pelle rücken nötigen usw. usw. Durch diese Verhalten braucht man sich über die Unfallhäufigkeit nicht mehr zu wundern.
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