Dicke Luft vor Olympia Peking erlässt strengere Abgasregeln

Die Luft in der Olympiastadt Peking ist schlecht - so schlecht, dass Ausdauersportarten bei den Wettkämpfen im Sommer zur Tortur werden könnten. Um die Schadstoffkonzentration zu verringen, hat die Regierung nun strenge Abgasrichtlinien erlassen. Ob das ausreicht, ist fraglich.


Peking - Versprochen ist versprochen: Peking verschärft vor den Olympischen Spielen die Abgasvorschriften, um seine starke Luftverschmutzung zu verringern. Die Regierung sicherte zu, dass die Olympiastadt ihre Zusage für "grüne Spiele" einhalten werde und den Athleten und Zuschauern aus aller Welt "ein angenehmes Umfeld" schaffen werde. "Wir werden unsere Versprechen halten", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Liu Jianchao. Er räumte aber ein, dass es vor den Spielen vom 8. bis 24. August "noch viel zu tun gibt".

Smog in Peking: Mit strengen Regeln gegen Abgase
DPA

Smog in Peking: Mit strengen Regeln gegen Abgase

Nach den neuen Abgasvorschriften müssen vom 1. März an alle Neuwagen den Euro-IV-Standard erfüllen, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua heute berichtete. Strengere Regeln gelten vom Juli an auch für Lastkraftwagen im öffentlichen Nahverkehr, bei der Post und in anderen öffentlichen Diensten.

"Rund ein Drittel der wesentlichen Schadstoffe in Pekings Luft wie Stickstoffdioxid, Kohlenmonoxid und Feinstaub stammen von Abgasen", berichtete Du Shaozhong vom Pekinger Umweltschutzamt. Die schärferen Grenzwerte seien ein wesentlicher Schritt, um die Luftverschmutzung zu reduzieren. Heute fahren 3,1 Millionen Fahrzeuge auf Pekings Straßen. Täglich werden zwischen 1000 und 1200 neue Autos zugelassen.

Die Luftverschmutzung und das feuchtheiße Augustwetter in Peking sind die Hauptsorgen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und der nationalen Sportverbände. Das IOC erwägt auch eine Verschiebung von Wettkämpfen in Ausdauersportarten, falls die Luft an den Wettkampftagen zu schlecht sein sollte. Der kommunistische Spitzenpolitiker und mögliche "Kronprinz" Xi Jinping rief die Olympia-Organisatoren und Behörden bei einem Besuch im "Vogelnest" genannten Olympia-Stadion dazu auf, "noch größere Anstrengungen" bei der Vorbereitung der Spiele zu unternehmen.

Ob das 54 Jahre alte Mitglied im Ständigen Ausschuss des Politbüros, der als Nachfolger von Staats- und Parteichef Hu Jintao nach 2012 gehandelt wird, aber die Verantwortung für die Vorbereitung der Spiele übernommen hat, wie eine Hongkonger Zeitung berichtet hatte, blieb weiter unklar. Auf eine Frage nach einer möglichen Berufung Xi Jinpings zum höchsten Olympia-Koordinator sagte der Sprecher des Außenministeriums lediglich, die chinesische Führung schenke den Spielen große Aufmerksamkeit und kooperiere eng mit dem Organisationskomitee.

Schon in der Trainingsphase vor den Olympischen Spielen plant Peking drastische Verkehrsbeschränkungen mit Fahrverboten für mehr als ein Drittel aller Autos. Eine viertägige Generalprobe im vergangenen August hatte aber die Luftschadstoffe nur um 15 bis 20 Prozent verringern können. Während der Spiele sollen aber auch Fabriken ihre Produktion einstellen oder verringern, doch hier scheint die Entschädigungsfrage noch nicht gelöst zu sein.

ffr/dpa



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