Beliebteste Pkw: Man kauft Deutsch

Von Christoph M. Schwarzer

Deutschlands meistverkaufte Autos: Was Otto Normalfahrer sich leistet Fotos
DPA

Die Platzhirsche von Audi, BMW, Daimler und VW brüsten sich gerne mit ihren Zulassungszahlen. Filtert man aber den Anteil der Dienstwagen aus der Statistik, stehen zwei der Hersteller nicht mehr so glänzend da. Trotzdem: Die Deutschen sind beim Autokauf heimatverbunden.

Wenn ein Audi A6 Avant oder der neue BMW Fünfer auf der Nachbarspur an der Ampel hält, weckt das oft Begehrlichkeiten. Wo bitte hat der Typ das Geld für den schnellen Gleiter mit S-Line Sportpaket her? Sehr wahrscheinlich nicht von seinem Konto. Der Audi A6 beispielsweise ist mit einem Anteil von 57,6 Prozent der Top-Seller unter den Firmenwagen.

Zieht man von den monatlichen Zulassungszahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) die Firmen- und Dienstwagen sowie die Eigen- und Tageszulassungen der Hersteller ab, ergibt sich ein Kfz-Verkaufsranking mit ganz neuer Reihenfolge. Dann bleiben die Autos übrig, die von Privatkäufern in Deutschland bevorzugt werden. Also das, was wir wirklich kaufen, wenn wir selbst entscheiden, mit unserem Geld oder dem eigenen Kredit bezahlen.

Und da gibt es unter den Top-20 im ersten Halbjahr 2012 keinen einzigen Audi, wie das Center Automotive Research (CAR) unter Leitung von Professor Ferdinand Dudenhöffer errechnet hat (siehe Tabellen in der linken Spalte).

"Zeichen für eine schwache Konjunktur"

Außerdem fällt auf, dass der Anteil der Privatverkäufe in den letzten Jahren überhaupt stetig abnimmt. Vom absoluten Ausnahmejahr 2009, in dem die Autoindustrie dank der Abwrackprämie 62,7 Prozent an Selbsthalter verkaufte, über 42,6 Prozent (2010), 40,1 Prozent (2011) auf 38,7 Prozent (2012 bis inklusive Mai). "Das ist ein Zeichen für eine schwache Konjunktur", interpretiert Dudenhöffer diesen niedrigen Wert. Die Menschen halten ihr Geld zusammen.

Diejenigen aber, die nicht ganz so vorsichtig mit ihrem Ersparten umgehen müssen oder ein neues Auto sogar als Anlage in materiellen Werten sehen, kaufen konservativ und solide: Die privaten Top-20 sind ein Fest für Volkswagen und Mercedes.

Mit Golf, Golf Plus, Polo, Tiguan, Touran und Up belegen sechs wichtige Modelle von Volkswagen die vorderen Plätze. Addiert man jetzt noch die Konzernmarke Skoda hinzu, die mit Fabia, Octavia und Yeti vertreten ist, ergibt sich eine Dominanz, über die man sich in Wolfsburg freuen dürfte.

Verblüffend ist auch der Erfolg von Mercedes. Die wichtigsten Serien der Stuttgarter sind mit A-, B-, C- und E-Klasse weit vorne in der Zulassungsstatistik der Privatkunden vertreten, dazu kommt der Smart Fortwo. Marken mit sportivem Image wie BMW oder Audi sind von Privatkäufern offenbar weniger gefragt. Einzig der 1er BMW steht gegen diesen Trend.

Gebrauchtwagen mit 200 Kilometern auf dem Tacho

Durch Abwesenheit glänzen die Importeure. "Das ist der Heimvorteil, den alle Hersteller in ihren Stammländern haben", erklärt Professor Dudenhöffer diese Marktsituation. Allein der Toyota Yaris - noch ohne die frisch vorgestellte Hybridversion - sowie der Billigkönig Dacia Duster konnten sich ins Ranking drängen. Franzosen? Fehlanzeige. Koreaner? Nicht vorhanden. Das sah 2011 noch anders aus, wo der Golf-Konkurrent Hyundai i30 noch auf Platz fünf gelandet war. Wahrscheinlich schlägt hier der Modellwechsel negativ zu Buche.

Oder die allgemeine Rabattschlacht. Denn viele der Autos, die offiziell nicht an eine private Ersthand verkauft werden, sind Tages- und Eigenzulassungen der Hersteller. Da wird dann ein faktisch neuer Wagen mit 200 Kilometern auf der Uhr als Gebrauchtwagen mit hohem Nachlass abgegeben - und erscheint so gar nicht erst im KBA-Ranking.

Überhaupt, die Gebrauchten. Kein Auto, das als Firmen- oder Dienstwagen gekauft wird, verschwindet im Nirwana. Vielmehr taucht es irgendwann, und meist recht schnell, auf dem Gebrauchtwagenmarkt wieder auf. Und dann kann es sein, dass der Privatmann seine Lust auf den schicken Audi A6 Avant doch noch befriedigt. Motto: Für euch in den Betrieben den Wertverlust und das Einfahren - für uns an der Ampel das günstige Prestigemobil.

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insgesamt 95 Beiträge
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1. Das ist...
Der_zu_spät_geborene 24.07.2012
Zitat von sysopMarken mit sportivem Image wie BMW oder Audi sind von Privatkäufern offenbar weniger gefragt.
... mit Blick in die Preislisten ganz einfach erklärt. BMW und Audi drehen seit Jahren Preislich so am Teller, das ich mir keinen Audi mehr neu kaufe (Ich fahre seit 27 Jahren mit kurzen Unterbrechungen Audi....) Für nen halbwegs vernünftig ausgestatteten A1 legt man mal ganz locker 35T€ hin... und das Ding kann wirklich nur fahren. Ist kein Fliewatüt.
2. Aufteilung privat - dienstlich so wohl nicht korrekt
stat_ist 24.07.2012
da ja für viele Selbständige (Anwälte, Ärzte, ..) der Dienstwagen ja auch selbst ausgesuchte Privatwagen ist. Steuerlich übrigens nicht mehr sooo günstig (1% Regelung etc.)
3. Feedback
itsme85 24.07.2012
1) Die deutsche Autoindustrie ist nicht wenig abhängig von der Firmenwagenreglung. Bei der Bedeutung für die Gesamtwirtschaft kann man nur hoffen, dass die Regelung in den Grundzügen Bestand haben wird. 2) „Also das, was wir wirklich kaufen, wenn wir selbst entscheiden, mit unserem Geld oder dem eigenen Kredit bezahlen.“ So ein Quatsch. Niemand ist gezwungen, einen A6 als Dienstwagen zu fahren, auch der Dienstwagen ist in der Regel das eigene Geld (weil Gehaltskomponente) 3) Die vor Jahre so gelobte französische Autoindustrie (Dieselrußpartikelfilter …) scheint zumindest völlig am deutschen und sehr wahrscheinlich globalen Markt vorbei zu produzieren (siehe auch aktuelle Nachrichten zum PSA Konzern)
4. Tja
hansmaus 24.07.2012
Mich wundert das niemand aus der EU mal die Defacto Subventionierung der deutschen Autoindustrie anmahnt. Die sind doch sonst so schnell. Auf dem ach so grausamen und nicht mehr ernst genommenen deutschen Markt kann man es so richtig bequem machen, ich kenne massig Firmen wo fast Jeder einen Dienstwagen hat und die vorschreiben das es nur ein Audi, BMW, Mercedes oder Passat sein darf. Das ist das wo Automanager feuchte Träume bekommen
5. na und?
hansmaus 24.07.2012
Zitat von stat_istda ja für viele Selbständige (Anwälte, Ärzte, ..) der Dienstwagen ja auch selbst ausgesuchte Privatwagen ist. Steuerlich übrigens nicht mehr sooo günstig (1% Regelung etc.)
1% heißt das man ein Prozent versteuern muss, ich zahle für meinen unterm Strich grob 320€ im Monat darin enthalten sind aber sämtliche Reperaturen, Inspektionen, Winterreifen inkl Wechseln, Steuern, Versicherung (alles mal auf den Monat hoch rechnen) UND vorallem der Sprit! Wertverluste und eventuelle Zinsen für einen Kredit/Leasing sind ebenfalls kein Thema. Seit ich einen Dienstwagen fahre interessiert mich auch der Dieselpreis 0,0! Man Tankt einfach wenn die Kiste leer ist und Feierabend. Rechnen Sie mal aus was ihr Auto sie effektiv im Monat kostet also mit allem was ich oben aufgezählt habe und ich wette um ein kühles Bier das sie drüber liegen selbst wenn sie Smart fahren. Unterm Strich sind Dienstwagen eine derbe Subventionierung von ich sag mal Gutverdienern und der Automobilindustrie denn ein Geringverdiener wird keine C-Klasse Kombi als Dienstfahrzeug erhalten.
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Meisterkaufte Autos 2012 (Januar bis Mai) - nur privat
1. VW Golf (23.383 verkaufte Modelle)
2. VW Polo (22.602)
3. VW Tiguan (15.182)
4. Mercedes B-Klasse (13.506)
5. VW Golf Plus (11.856)
6. Mercedes C-Klasse (9.999)
7. Skoda Fabia (9.894)
8. Mercedes A-Klasse (9.586)
9. VW Up (9.116)
10. Skoda Octavia (8.931)
11. Opel Astra (8.886)
12. Smart Fortwo (8.039)
13. VW Touran (7.714)
14. BMW 1er (7.663)
15. Mercedes E-Klasse (7.620)
16. Toyota Yaris (7.230)
17. Opel Corsa (6.928)
18. Dacia Duster (6.863)
19. Skoda Yeti (6.702)
20. Ford Fiesta (6.133)
Meisterkaufte Autos 2012 (Januar bis Mai) - gesamt
1. VW Golf (84.293 verkaufte Modelle)
2. VW Polo (36.200)
3. VW Passat (35.602)
4. Opel Astra (31.486)
5. Mercedes C-Klasse (30.206)
6. BMW 3er (27.923)
7. VW Tiguan (24.330)
8. Mercedes B-Klasse (23.540)
9. Opel Corsa (22.966)
10. BMW 1er (22.884)
11. VW Touran (22.685)
12. Audi A6 (22.440)
13. Ford Focus (22.327)
14. VW Golf Plus (21.746)
15. Ford Fiesta (21.636)
16. BMW 5er (20.765)
17. Mercedes E-Klasse (20.746)
18. Skoda Octavia (20.480)
19. Audi A3 (19.738)
20. Skoda Fabia (18.700)


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