Facelift für die Mercedes G-Klasse Die renovierte Schrankwand

Er läuft und läuft und - säuft! Seit 33 Jahren produziert Mercedes-Benz das G-Modell. Jetzt wird die rollende Schrankwand noch mal aufgemöbelt. Optische Veränderungen sucht man mit der Lupe, die Neuerungen stecken unter der Haube - auch wenn sich der Benz-Offroader in einer Hinsicht treu bleibt.

Daimler

1979 war Helmut Schmidt noch Bundeskanzler. Dschingis Khan stand ganz oben in den Charts. Und es kam das vermutlich kantigste Auto der jüngeren Geschichte auf die Straße: die Mercedes G-Klasse. Während Politiker und Musiker von damals inzwischen den Ruhestand genießen, brummelt die G-Klasse noch immer über Stock und Stein.

Jetzt bekommt der Offroad-Dino, der seit 33 Jahren allen Moden trotzt, noch einmal eine Frischzellenkur. Ab Juni steht der eckige Klassiker mit frischer Schminke, erweiterter Ausstattung und neuen Motoren beim Händler.

Alles beim Alten

Um die Änderungen von außen zu erkennen, braucht es allerdings detektivisches Gespür. Lediglich das mittlerweile obligatorische LED-Tagfahrlicht sticht sofort ins Auge - wenn auch nicht unbedingt angenehm. Wenigstens passt es zur restlichen, wenn man sie so nennen will, Designphilosophie des Autos: Die Wunderleuchten haben keine anspruchsvolle Form, sondern liegen als schlichter Riegel unter den runden Scheinwerfern. Abgesehen vom LED-Brikett und den Außenspiegelgehäusen wurde nichts geändert an der Karosserie. Sie sieht noch immer aus, als wäre sie ein Riesenorigami aus Blech. Und das ist durch und durch liebevoll gemeint.

Beim Einsteigen entert man jedoch eine neue Welt. Das Cockpit wurde komplett überarbeitet, zwischen Tacho und Drehzahlmesser sitzt jetzt beispielsweise ein großer Farbmonitor. Der wirkt in diesem Auto zwar etwas deplatziert, bildet aber gemeinsam mit dem zweiten Bildschirm in der ebenfalls neuen Mittelkonsole die Bühne für eine Infotainment-Anlage mit serienmäßigem Navigationssystem und integriertem Online-Zugang. Außerdem gibt es gegen Aufpreis nun Extras wie eine automatische Abstandsregelung, eine Einparkhilfe mit Rückfahrkamera sowie einen Toter-Winkel-Assistent.

Neue Motoren braucht der Landlord

Die wichtigsten Änderungen befindet sich unter der Motorhaube. Neben dem V6-Diesel mit 211 PS im Modell G 350 Bluetec und dem 388 PS starken V8-Benziner im G 500 gibt es künftig gleich zwei neue Antriebe vom Mercedes-Werkstuner AMG. Der G 63 mit 5,5 Liter großem und 544 PS starken V8-Motor ersetzt den bisherigen G 55. Und sehr zur Freude arabischer Scheichs und russischer Potentaten ist nun sogar erstmals offiziell ein V12-Motor verfügbar. Bislang wurde ein derartiger Motor nur von Tunern wie beispielsweise Brabus in der G-Klasse angeboten.

Der zwölfzylindrige G 65 AMG kommt dank zweier Turbolader bei sechs Litern Hubraum auf 612 PS und ein geradezu wahnwitziges Drehmoment von 1000 Nm. Dass der Motor dabei schon auf dem Prüfstand 17 Liter verbraucht, wird wohl keinen der potentiellen Kunden stören. Zweitens hat es den Nebeneffekt, dass das kleinste G-Modell mit Dieselmotor und einem auch nicht mickrigen Durchschnittsverbrauch von 11,2 Litern im Vergleich wie ein Sparmodell wirkt.

Nur ein Maybach ist noch teurer

Auch beim Preis übernimmt der G 65 eine Spitzenrolle. Schon der G 350 kostet erstaunliche 85.311 Euro. Der Zwölfzylinder geht in dieser Hinsicht geradezu durch die Decke. 264.180 Euro kostet das Trumm. Das macht den Wagen zum teuersten Mercedes im Modellprogramm.

Auch die Preise sind ein Grund dafür, weshalb das G-Modell trotz seiner langen Laufzeit sowohl in der Mercedes-Statistik als auch im Straßenbild nur eine Randerscheinung geblieben ist. Denn bis jetzt wurden im Werk in Graz in mehr als 30 Jahren lediglich rund 250.000 Fahrzeuge auf die Räder gestellt. Nachfolger des G-Modells wie die M-Klasse oder der GLK kamen in weniger als einem Zehntel der Zeit auf diese Stückzahl.

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insgesamt 120 Beiträge
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Seite 1
adam68161 11.04.2012
1. Dieses Auto
steht wohl am besten für die designmässig und technisch längst verstaubte Modellpolitik der Marke Mercedes, die allenfalls noch ein paar betuchte Scheichs anziehen dürfte - die reichen Jäger sterben ja aus. Schlicht und einfach: Der Konzern verschläft seine Zukunft und die Vorstände gucken auf die (Pensions-)Uhr!
cokommentator 11.04.2012
2. .
Zitat von adam68161steht wohl am besten für die designmässig und technisch längst verstaubte Modellpolitik der Marke Mercedes, die allenfalls noch ein paar betuchte Scheichs anziehen dürfte - die reichen Jäger sterben ja aus. Schlicht und einfach: Der Konzern verschläft seine Zukunft und die Vorstände gucken auf die (Pensions-)Uhr!
Mercedes wird an jedem G-Klasse Fahrzeug mehr verdienen als an zwei oder drei kleineren. Warum sollten sie ihn nicht weiter anbieten? Nur weil es jemanden nicht in den Kram paßt, dass es Autos gibt, die so lange fast unverändert bleiben? Mercedes war noch nie der Anbieter für jedermann und so sollte es auch bleiben. Billig kann jeder.
sampleman 11.04.2012
3. Probleme mit der Marktwirtschaft?
Zitat von adam68161steht wohl am besten für die designmässig und technisch längst verstaubte Modellpolitik der Marke Mercedes, die allenfalls noch ein paar betuchte Scheichs anziehen dürfte - die reichen Jäger sterben ja aus. Schlicht und einfach: Der Konzern verschläft seine Zukunft und die Vorstände gucken auf die (Pensions-)Uhr!
Die G-Klasse ist der einzige Mercedes, der seit 30 Jahren im Programm ist. Inwieweit dieses in kleinen Stückzahlen gebaute Auto "wohl am besten für die designmässig und technisch längst verstaubte Modellpolitik der Marke Mercedes" stehen soll, müsste uns der Vorposter mal erklären. Und so lange es genügend reiche Scheichs gibt, die ein solches Auto wollen, baut es ihnen Mercedes eben. So what? Aber Hauptsache Mercedes bashen - das entspannt und macht glücklich;-)
fessi1 11.04.2012
4. welche genau?
Zitat von adam68161steht wohl am besten für die designmässig und technisch längst verstaubte Modellpolitik der Marke Mercedes, die allenfalls noch ein paar betuchte Scheichs anziehen dürfte - die reichen Jäger sterben ja aus. Schlicht und einfach: Der Konzern verschläft seine Zukunft und die Vorstände gucken auf die (Pensions-)Uhr!
Lassen wir den G mal beiseite. Andere namhafte Hersteller haben, aus gutem Grund, auch dass eine oder andere Modell seit Jahrzehnten, nahezu unverändert gelassen. Aber welches Modell von Mercedes Benz meinen sie, wenn sie von designmässig und technisch verstaubt reden. Und bitte auf den Punkt bringen. Nicht antworten mit das gefällt mir nicht, oder jenes ist unsinnig. Das wäre dann nämlich Geschmacksfrage. Und über den lässt sich bekanntlich streiten... Nur Mut. Legen Sie los. Fakten, Fakten, Fakten...
huettenfreak 11.04.2012
5. V12 ???
Gegen das G-Modell an sich ist ja nichts einzuwenden. Es ist genauso ein Klassiker wie der Defender von Landrover. Aber warum kommt ausgerechnet jetzt noch ein V12 auf den Markt? Da kann man wirklich nur noch den Kopf schütteln.
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