New York Autoshow: Schaulaufen der Spritschlucker

Aus New York berichtet Tom Grünweg

Weltpremieren: Neuheiten auf der New York Autoshow Fotos
Tom Grünweg

Auf der New York Autoshow feiert sich die Branche selbst. Denn anders als in Europa brummt der Fahrzeugmarkt in den USA. Also zeigen die Hersteller, wonach die Kunden verlangen: und das sind vor allem dicke Autos mit großen Motoren. Innovationen sucht man unter den Neuheiten vergeblich.

Das Streben nach Glück ist in der US-Verfassung verankert. Was das genau bedeutet, ist zum Beispiel auf der Autoshow in New York zu beobachten. Denn während die Stimmung auf dem Autosalon in Genf kürzlich noch miesepetrig war und selbst erfolgsverwöhnte Manager wie VW-Chef Martin Winterkorn düstere Prognosen abgaben, herrscht auf der anderen Seite des Atlantiks beinahe bedenkenloser Optimismus. Der Motor in den USA läuft längst wieder rund, und die Amerikaner erweisen sich als verlässliche Kunden: Sie kaufen, kaufen, kaufen.

"Die Verbraucher sind ungeduldig und wollen neue Modelle sehen", sagt Analyst Alec Gutierrez von Kelly Blue Book, einem renommierten Automobil-Bewertungsunternehmen. Auf der New York Autoshow bekommen sie reichlich davon. Die Ausstellung, die seit mehr als hundert Jahren veranstaltet wird und heute als publikumsstärkste US-Show gilt, meldet für dieses Jahr fast 150 Fahrzeug-Premieren. Das sind fast doppelt so viele wie 2012.

Ein Großteil davon sind zwar lediglich kosmetische Retuschen und bei der Mehrzahl handelt es sich um Modelle nur für den US-Markt, doch eine Handvoll echter Weltpremieren gibt es auch.

Die optimistische Stimmung auf der Messe ist nicht künstlich angeheizt, sondern fußt auf soliden Zahlen. Noch ist der US-Markt weit entfernt von den Rekordwerten aus der Zeit vor der Krise, als pro Jahr bis zu 18 Millionen Neuwagen verkauft wurden. Aber es herrscht ein stabiles Wachstum: In diesem Jahr rechnen die Fachleute mit rund 15,5 Millionen Neuzulassungen. Allein im März wurden in den USA 1,45 Millionen Autos verkauft, das ist der beste Monatswert seit August 2007. Und übrigens mehr als die Hälfte dessen, was die Prognosen für Deutschland im gesamten Jahr 2013 erwarten.

Hauptsache größer und schneller

Die grandiosen Aussichten sorgen aber auch dafür, dass die Hersteller kein Risiko eingehen wollen und eifrig den Massengeschmack bedienen. Fast niemand in New York spricht über Elektroautos oder Brennstoffzellenantriebe, und auch Kleinwagen sind kein großes Thema.

Stattdessen stehen - so wie in den Jahren der besten Verkaufszahlen - vor allem dicke SUVs im Rampenlicht. Daneben beherrschen leistungsstarke und vergleichsweise preiswerte Sportwagen das Bild sowie klassische US-Schlitten, die mittlerweile aber vornehmer geworden sind.

Auch die deutschen Hersteller schließen sich weitestgehend diesen Trends an. Motorleistung ist gefragt, also wird Motorleistung geboten. Mercedes beispielsweise enthüllt in Manhattan den CLA 45 AMG, eine Limousine mit 360 PS, die in Amerika zum Einstiegsmodell für die Flotte des schwäbischen Werkstuners wird. Aber auch die Elektrovariante der B-Klasse. Audi zeigt zur Premiere der neuen A3 Limousine nicht irgendeine Motorvariante, sondern gleich den S3 mit 300 PS.

Volkswagen wiederum baut auf die Attraktivität des neuen Golf GTI (mit bis zu 230 PS); von dem kompakten Sportmodell wurden bislang in den USA übrigens deutlich mehr Exemplare verkauft als im Rest der Welt. Einzig BMW und Porsche geben sich eher zurückhaltend und stehen auf der PS-Party ein wenig verloren am Rand des benzinschluckenden Treibens.

Die wichtigsten Neuheiten im Überblick finden Sie hier.

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insgesamt 31 Beiträge
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1. Jeep
bunterepublik 28.03.2013
Der neue Jeep sieht toll aus und auch die Muscle Cars sind nicht von schlechten Eltern. Da können die deutschen Langweiler-Autos eben nicht mithalten. Weder was den Style angeht noch was den Preis angeht. Für den Wucher-Preis einer deutschen Premium-Limo bekommt man tolle amerikanische Ware.
2. Trends auf dem Automarkt in den USA
rolandjulius 28.03.2013
Die Amerikaner werden nie auslernen. Auch mit fracking und reichlich Öl werden sie die Energiepreis nie in den Griff bekommen.Ganz zu Schweigen von der Umweltverschmutzung, wo sie schon seit Langem Weltmeister sind.
3.
ganzsichernicht 28.03.2013
Zitat von bunterepublikDer neue Jeep sieht toll aus und auch die Muscle Cars sind nicht von schlechten Eltern. Da können die deutschen Langweiler-Autos eben nicht mithalten. Weder was den Style angeht noch was den Preis angeht. Für den Wucher-Preis einer deutschen Premium-Limo bekommt man tolle amerikanische Ware.
Ich finde gerade den Jeep Cherokee rein optisch nicht besonders gelungen. Aber bei den Muscle Cars kann ich Ihnen nur zustimmen! :)
4. Camaro TURBO
ctwalt 28.03.2013
und drin ist ein Kompressor...... Das ist wie Analogkäse :-)
5. Könnte vielleicht mal jemand
felisconcolor 28.03.2013
Zitat von sysopAuf der New York Autoshow feiert sich die Branche selbst. Denn anders als in Europa brummt der Fahrzeugmarkt in den USA. Also zeigen die Hersteller, wonach die Kunden verlangen: und das sind vor allem dicke Autos mit großen Motoren. Innovationen sucht man unter den Neuheiten vergeblich. Die Neuheiten auf der New York Autoshow - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/die-neuheiten-auf-der-new-york-autoshow-a-891397.html)
solche Artikel schreiben der solche Autos mag. Und nicht gleich in der Überschrift mit dem Ökokuschelargument anfängt. Und wenn schon PC dann richtig PC und es auch Spritfresserinnen nennen. Ist blöd nicht wahr? Ja genau wie die alte Überschrift.
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