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Die Tricks der Konstrukteure: Was bringt Spritspartechnik?

Von Jürgen Pander

Blue Motion, Efficient Dynamics oder Ecoflex: Für Autohersteller sind moderne Spritspartechniken längst ein zugkräftiges Verkaufsargument. Viele Kunden zahlen gerne etwas mehr, wenn sie dafür sparsamer Auto fahren können. Doch was bringt die Knauser-Technik wirklich?

Spritspartechnik: Was Autofahrern beim Sparen hilft Fotos
dapd

Autofahrer, die mit dem Spritsparen ernst machen, mussten sich zuletzt auf zahlreiche neue Gimmicks im Auto einstellen. Etwa die sogenannten Start-Stopp-Systeme, die den Motor bei Stillstand des Fahrzeugs und ausgekuppeltem Getriebe selbständig ausschalten und ihn wieder anlassen, sobald der Fahrer die Kupplung tritt und einen Gang einlegt. Das klingt kompliziert, ist aber technisch eher unaufwändig. "Konstruktiv erforderlich sind ein verstärkter Starter, ein Gleichspannungswandler und ein Batteriesensor", erklärt Bosch-Sprecher Stephan Kraus.

Mit diesem überschaubaren Mehraufwand - im Einkauf dürfte ein solches System etwa 100 Euro mehr kosten als ein normaler Anlasser - lässt sich der Spritverbrauch im Stadtverkehr um bis zu fünf Prozent senken. Kraus: "Für die Autohersteller ist das System besonders interessant, weil es auch den Verbrauch im vorgeschriebenen EU-Zyklus um bis zu fünf Prozent drückt." Das liegt daran, dass auf dem Prüfstand auch eine Stadtfahrt simuliert wird, bei der das Auto mehrmals anhält und wieder anfährt.

Noch deutlich billiger für den Hersteller lässt sich die sogenannte Bremsenergie-Rückgewinnung (Rekuperation) ins Auto installieren. Nötig sind lediglich eine Generator-Schnittstelle und eine entsprechende Software - zu Kosten von wenigen Euro. Allerdings bringt dieses System auch kaum mehr als ein bis zwei Prozent Verbrauchsersparnis.

Wobei für diese Technik durchaus noch Einsparpotenzial vorhanden ist, denn mit jedem neuen elektrischen Verbraucher im Auto wird es nützlicher, den Strom vorrangig dann zu produzieren, wenn es sich nicht auf den Spritverbrauch niederschlägt - also etwa wenn man das Fahrzeug rollen lässt oder abbremst.

Licht, Lüftung, Heizung, Radio - da sind schnell 500 Watt zusammen

Als Faustformel für Autos ohne Rekuperation gilt, dass 100 Watt Stromverbrauch an Bord etwa 0,1 Liter Mehrverbrauch je hundert Kilometer bedeuten. Und es kommt einiges zusammen, wenn beispielsweise die Lüftung (171 Watt), das Abblendlicht (125 Watt), die Nebelscheinwerfer (110 Watt), die Sitzheizung (102 Watt), die beheizbaren Außenspiegel (40 Watt) oder das Radio (21 Watt) eingeschaltet sind. Ein halber Liter Mehrverbrauch allein wegen der elektrischen Verbraucher ist daher keine Seltenheit.

Umso wichtiger ist es, dass an vielen anderen Stellen des Autos für mehr Effizienz gesorgt wird. Es funktioniert nach dem Eichhörnchenprinzip: Ein bisschen hier, ein wenig da - und am Ende kommt insgesamt eine durchaus beachtliche Einsparung heraus. Leichtlauföl zum Beispiel, hat der ADAC jüngst untersucht, ist zwar erheblich teurer als normaler Schmierstoff, doch unterm Strich lassen sich - je nach Fahrweise und Pkw-Typ - zwischen 2 und 6 Prozent Sprit einsparen. Etwa gleich viel lässt sich durch den Einsatz von Leichtlaufreifen sparen.

Elektromechanische Lenkungen sind im Vergleich zu herkömmlichen, hydraulischen Lenkungen ebenfalls deutlich im Vorteil. Sie benötigen etwa 95 Prozent weniger Energie, die aufwändigere Technik kostet den Autohersteller im Einkauf rund 200 Euro und für den Autofahrer bedeute das System eine Spritersparnis von etwa 0,3 Liter je hundert Kilometer, wie Mercedes-Entwickler Uwe Ernstberger sagt.

Pro 100 Kilogramm weniger Gewicht sinkt der Verbrauch um 0,3 Liter

Auch das Thema Leichtbau birgt Spritsparpotenzial. 100 Kilogramm weniger Fahrzeuggewicht bedeuten ungefähr 0,3 Liter weniger Verbrauch. Andererseits sind Leichtbaumaterialien erheblich teurer als herkömmliches Blech oder normaler Stahl. Insofern ist der umfassende Einsatz von Aluminium, Magnesium oder Karbon in der Großserienfertigung bislang eher die Ausnahme als die Regel.

Ganz anders, nämlich was den Aufwand betrifft sehr gering, ist eine längere Übersetzung des Getriebes, um so die Motordrehzahl zu senken und Kraftstoff zu sparen. "Wenn beispielsweise lediglich die Achsübersetzung geändert wird, die Getriebespreizung an sich aber gleich bleibt, ist das eine sehr günstige Maßnahme", sagt ADAC-Technikexperte Bernhard Tschenscher. Und sie birgt immerhin zwischen zwei und vier Prozent Einsparpotenzial.

Die größten und aufwändigsten Sparmöglichkeiten jedoch stecken im Motor. Moderne Aggregate mit Benzindirekteinspritzung, Turboaufladung, variabler Ventilsteuerung, verkleinertem Hubraum und sogar noch mehr Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen bieten klare Verbrauchsvorteile. "Jedenfalls dann, wenn sie normal gefahren werden", sagt Tschenscher, "auf der Autobahn bei hohen Geschwindigkeiten verbrauchen diese modernen Motoren kaum weniger, manchmal sogar mehr, als klassische Saugmotoren."

Wie Spritsparbemühungen konterkariert werden

Generell gilt: Sämtliche Spritspartechniken sind nur so gut, wie der Fahrer es zulässt. Rollwiderstandsarme Reifen nutzen nichts, wenn der Luftdruck zu niedrig ist; eine Start-Stopp-Automatik bringt nichts, wenn sie ausgeschaltet wird; eine Schaltanzeige ist sinnlos, wenn der Fahrer sie ignoriert, und die windschlüpfigste Karosserie wird wirkungslos, wenn auf ihr eine Dachbox oder ein Fahrradträger spazieren gefahren werden.

Vermutlich ist es viel einfacher, aus einem flotten Familienwagen ein Drei-Liter-Auto zu machen, als aus einem notorischen Schnellfahrer einen Drei-Liter-Fahrer.

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1. Gas-Geiz
dunham 04.07.2011
Zitat von sysopBlue Motion, Efficient Dynamics oder Ecoflex: Für Autohersteller*sind moderne Spritspartechniken längst ein zugkräftiges Verkaufsargument. Viele Kunden zahlen gerne etwas mehr, wenn sie dafür sparsamer Auto fahren können. Doch was bringt die Knauser-Technik wirklich? http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,771630,00.html
Mein alter Astra belohnt sparsames Fahren mit einem Verbrauch von knapp unter 6 Litern bei einem Gewicht von 1229 kg. Auf die neuen Spritspartechniken habe ich keinen Zugriff. Sparsam fahren kann ich dennoch. Man spart nicht nur Geld sondern sorgt auch für geringere Nachfrage, was dem Treibstoffpreis sicher auch gut tut. Würden wir alle weniger verbrauchen, wäre der Spritpreis vielleicht nicht so hoch.
2. Vor allem den letzten Satz unterschreibe ich sofort :
HappyLuckyStrike 04.07.2011
"Vermutlich ist es viel einfacher, aus einem flotten Familienwagen ein Drei-Liter-Auto zu machen, als aus einem notorischen Schnellfahrer einen Drei-Liter-Fahrer." Das stimmt...
3. .
Sledge.OC 04.07.2011
Hallo! Das Chassis des "Mercedes-Cabriolets" ist ein McLaren SLR Roadster. Also fast 500 000 EUR schwer. Ein solche Carbon-Monocoque gibts aber schon viel billiger! McLaren MP4-12C für knapp 200 000 EUR oder Lambo Aventador für 300 000 EUR. Viel Spaß!
4. ♥
moby-dick 04.07.2011
Zitat von sysopBlue Motion, Efficient Dynamics oder Ecoflex: Für Autohersteller*sind moderne Spritspartechniken längst ein zugkräftiges Verkaufsargument. Viele Kunden zahlen gerne etwas mehr, wenn sie dafür sparsamer Auto fahren können. Doch was bringt die Knauser-Technik wirklich? http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,771630,00.html
Jo, kaufen, kaufen, kaufen... Kauft euch einen normalen Kleinwagen und tretet nich immer voll durch, dann klappts auch mit dem Portemonnaie und der Umwelt. Je mehr Technik, umso mehr geht auch kaputt und muss gewartet werden. Ich möchte hier auch mal eine Überforderung der Werkstätten erwähnen, die zwar Fehlerspeicher auslesen können aber dann trotzdem auf dem Schlauch stehen. KISS -> keep it super simple
5. Gewicht, Stirnfläche, cw Wert, ist keine Hexerei
soylentyellow1 04.07.2011
Am meisten Sprit spart man, neben einer vorausschauenden Fahrweise und einer geringen Höchstgeschwindigkeiten dadurch dass das Gewicht des Autos möglichst gering ist (Masse die nicht vorhandne ist muss nicht beschleunigt werden), genauso wie die Stirnfläche (je kleiner desto weniger Luft muss zur Seite gedrückt werden, man könnte die durchschnittlich 1,2 Passagiere ja auch mal hintereinander setzen;) und natürlich einem möglichst geringen cw Wert. Und erst danach kommen die im Artikel angesprochenen Motormaßnahmen (Start/Stopp usw). Eine lange Übersetzung (sechster Gang um auf der Autobahn cruisen zu können) Eigentlich gaaanz einfach, außer dass das Auto dann eben etwas weniger komfortabel wird und evtl. etwas weniger passive Sicherheit bietet und dass sich kein Autohersteller einen Flop wie den VW Lupo oder den Audi A2 leisten möchte.
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