Dieselautos Daimler und VW planen zügige Hardwarenachrüstung

Erst haben sie blockiert, nun wollen Daimler und Volkswagen Dieselfahrern Hardwarenachrüstungen schnell anbieten. Etwa die Hälfte der Euro-5-Modelle kommen laut SPIEGEL-Informationen dafür infrage.

Daimler-Chef Dieter Zetsche
DPA

Daimler-Chef Dieter Zetsche

Von


Die Autohersteller Volkswagen und Daimler wollen ihren Kunden zügig zu Stickoxid-Katalysatoren für die Nachrüstung älterer Dieselfahrzeuge verhelfen. Der Daimler-Konzern hat Anbieter dieser Technik zu einem Treffen am 29. November eingeladen.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 47/2018
Rücken, Schulter, Knie - wie sich Ope­ra­tio­nen vermeiden lassen

"Wir möchten unseren Kunden so schnell wie möglich Transparenz darüber verschaffen, welche Hardwarelösungen Drittanbieter anbieten werden", heißt es in dem Schreiben an die Zulieferbetriebe, das dem SPIEGEL und dem Rechercheteam des Bayerischen Rundfunks vorliegt.

Fotostrecke

8  Bilder
VCD-Umweltliste: Zu diesen Autos rät der Öko-Verkehrsklub

Das Stuttgarter Unternehmen will den Zulieferern alle "Informationen zur Verfügung" stellen, die für die Entwicklung geeigneter Anlagen notwendig sind. Intern hat Daimler-Chef Dieter Zetsche seinen Ingenieure beschieden: "Ich will die Sache vom Tisch haben." Dem Bundesverkehrsministerium hat der Konzern mitgeteilt, dass etwa die Hälfte aller Mercedes-Modelle mit der Schadstoffnorm Euro 5 für eine Ausstattung mit einem SCR-Katalysator infrage komme.

Verkehrsminister zweifelt an Hardwarelösung

Eine ähnliche Größenordnung meldet Volkswagen. VW soll mit mindestens zwei Anbietern von Abgasreinigungssystemen im Kontakt stehen. Die Wolfsburger erhoffen sich bald Klarheit über die technischen Anforderungen, die das Verkehrsministerium an die Nachrüstsätze stellen will. Über Details einer entsprechenden Richtlinie sprachen an diesem Donnerstag auch Experten des TÜV Nord mit Nachrüstanbietern. Die Konzerne wollen die Umrüstung pro Kunde mit 3000 Euro finanzieren.

Scheuer hatte allerdings in der vergangenen Woche nach einem Spitzentreffen mit Vertretern der Autokonzerne weiter große Zweifel an Hardwarelösungen aufkommen lassen. Er gab an, frühestens 2020 könnten erste Nachrüstsätze eingebaut werden. Das wäre allerdings für Autofahrer in jenen Städten zu spät, in denen schon im kommenden Jahr Fahrverbote für Diesel-Pkw mit Euro 5 eingeführt werden sollen - etwa in Frankfurt, Essen oder Stuttgart. Die Hersteller wollen deshalb nun schneller sein.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.



insgesamt 101 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
marccuse 16.11.2018
1. Nachrüsten von 4 auf 1
Wie wäre es die Umweltplaketten auszutauschen - alle zwei oder drei Stufen runter. Dann hätte VW fast ein reines Gewissen. Ach ja es werden ja schon die Grenzwerte höher gesetzt, dann passt das eh ...
arr68 16.11.2018
2. Kfz steuer
und genau jetzt müssten die Autobauer für die Verschleppung noch dazu verdonnert werden, die Differenz der KFZ Steuer von Euro 5 versprochen zu der Stufe des tatsächlichen Ausstoßes (ich schätze mal Euro 3) zu bezahlen. Ich bin gespannt wie es weiter geht.
kaltschale 16.11.2018
3. Druck auf BMW ausüben
Es ist eine Schande, dass sich BMW diesem Projekt verweigert. Auch deren Fahrzeuge lassen sich relativ leicht auf AdBlue umrüsten, weil die 3l E5-Diesel bereits ab Werk damit zu haben waren. Derweil dankt auch das europäische Ausland der deutschen Trümmertruppe für das Diesel-Chaos, weil auch dort der Widerverkaufswert der Autos abgestürzt ist (man bekommt die Diesel ja für ein Appel und Ei in Deutschland nachgeworfen). Mein Fahrzeug hat innerhalb von 4 Monaten 7500 EUR an Wert verloren (Stand heute). Das ist einfach unglaublich.
toll_er 16.11.2018
4. Toll
die Hälfte der Fahrzeuge.. und 3000 Euro. Diese Nachrüster kalkulieren mit 4500 - 5000 Euro! D.h. derjenige, der im Glauben war, ein verkehrstüchtiges und für den Straßenverkehr zugelassenes Fahrzeug erworben zu haben, darf jetzt noch einmal 1500 -2000 Euro abdrücken. Und, wie schon angekündigt, mit deutlich höherem Verbrauch rechnen müssen. Und was die Zuverlässigkeit angeht... es darf gelacht werden. Fazit wird sein: Diese Leute werden dann wohl eher ein Neufahrzeug kaufen. Und dann reiben sich die Autobauer wieder die Hände.
skeptiker-today 16.11.2018
5. der Verkehrsminister
als ständiger Bedenkenträger... Diese Ministerium gehört komplett abgeschafft, dort sitzen nur korrupte Lobbyisten wie Dobrindt, Scheuer, ... die nicht willens sind, aufzuräumen und die Autofirmen z.b. durch Entzug der Betriebsgenehmigung zum Nachrüsten zu zwingen. Und jetzt sagt nach ADAC endlich Mercedes (klasse von Zetsche: Thema endlich vom Tisch) und VW, dass es geht - und Scheuer hat immer noch Bedenken ? Um sein Zusatzeinkommnen - oder was ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.