Erste Großstadt spricht Fahrverbote aus Hamburg sperrt zwei Hauptverkehrsadern für Diesel-Autos

Weiterer Rückschlag für die deutsche Autoindustrie: Als erste Großstadt in Deutschland will Hamburg Hauptverkehrsstraßen ganzjährig für ältere Dieselfahrzeuge sperren.

Max-Brauer-Allee in Hamburg-Altona
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Max-Brauer-Allee in Hamburg-Altona

Von manager-magazin.de-Autor


Der neue Luftreinhalteplan des Hamburger Senats sieht vor, dass auf einem Teil der Max-Brauer-Allee im Bezirk Altona keine Diesel-Pkw und -Lkw mit der Abgasnorm Euro 5 oder schlechter mehr fahren dürfen. Damit ist die Mehrheit aller Diesel-Autos betroffen. Darunter sind viele recht neue Wagen: Euro-5-Diesel wurden noch bis 2015 in größerer Zahl zugelassen. Auf einer weiteren Hauptverkehrsader dürfen künftig keine älteren Diesel-Lastwagen fahren.

Obwohl die Stadt das punktuelle Fahrverbot als mildes Mittel bezeichnet, ist es eine Maßnahme von hohem Symbolwert. Bereits die Diskussion über mögliche Fahrverbote hat in den vergangenen Monaten Schockwellen an die Autoindustrie gesendet: Der Anteil hochprofitabler Diesel-Autos an den Neuzulassungen befindet sich in vielen europäischen Ländern im Sinkflug. Immer mehr Dieselfahrer erwägen, auf andere Antriebe umzusteigen.

Hamburg reagiert mit dem Schritt auf die anhaltend schlechte Luftqualität in dem innerstädtischen Quartier. Für diese sind Diesel-Autos in hohem Maße mitverantwortlich, wie im Zuge des Abgasskandals weiten Teilen der Öffentlichkeit bekannt wurde: Bei den meisten dieser Fahrzeuge funktioniert die Stickoxid-Reinigung nur auf dem Prüfstand - auf der Straße arbeitet sie oft reduziert oder schaltet ganz ab.

Der Hamburger Senat macht diesen Umstand direkt für das Fahrverbot verantwortlich. "Der Dieselskandal und die teilweise grotesk hohen Abweichungen zwischen Labor- und Straßenmesswert bei Dieselautos waren 2012 noch kein Thema", begründet die Umweltbehörde, weshalb es nicht schon früher derartige Fahrverbote gegeben hat. "Würden alle Autos die gesetzlichen Zulassungswerte auch auf der Straße einhalten, hätten wir schon heute nur noch an sehr wenigen Stellen in Hamburg ein Grenzwert-Problem."

Auch Teilstück der Stresemannstraße für ältere Lkw-Diesel gesperrt

Die Regierung des Stadtstaats sieht in dem Fahrverbot auf einem Straßenabschnitt keinen gravierenden Eingriff. Es sei "vertretbar, weil für den Durchfahrtverkehr leistungsfähige Alternativrouten existieren". Tatsächlich müssen Dieselfahrer je nach Ziel laut dem Routenplaner von Google Maps einen Umweg von mindestens einem Kilometer in Kauf nehmen.

Für Anlieger, Lieferfahrzeuge und andere gälten zudem Ausnahmen, führt der Senat an. Auf einer weiteren Hauptverkehrsstraße, der Stresemannstraße, sollen künftig lediglich keine alten Diesel-Lkw mehr fahren.

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Die Umsetzung des Verbots hängt laut dem Hamburger Senat zudem noch von einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ab. Es soll in diesem Jahr über die Frage entscheiden, ob Länder und Kommunen tatsächlich lokale Beschränkungen für bestimmte Motorentypen an einzelnen Straßen anordnen dürfen. Dies hatte das Verwaltungsgericht Düsseldorf bejaht.

Als problematisch könnte sich zudem erweisen, dass die von Fahrverboten ausgenommenen Euro-6-Diesel zwar als etwas sauberer gelten, die Grenzwerte auf der Straße allerdings ebenfalls um ein Vielfaches überschreiten.

Auch in anderen Städten wie Düsseldorf und Stuttgart stehen Fahrverbote für Diesel-Autos im Raum. In Stuttgart hatte die Landesregierung ein Verbot für ältere Selbstzünder an Tagen mit hoher Feinstaubbelastung beschlossen, versucht nun aber doch noch eine andere Lösung über Nachrüstungen betroffener Fahrzeuge zu finden.

insgesamt 160 Beiträge
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2cv 02.05.2017
1. Interessant: wie durchsetzbar?
Mich würde interessieren, wie das umsetzungstechnisch im "nicht stehenden Verkehr" (Parken) laufen soll. Beispielsweise gibt es unseren Wagen sowohl in Euro5 als auch Euro6 Ausführung - meist wurden die innerhalb eines Jahres "upgegraded". Optisch kann man das also nicht von aussen am Auto selbst unterscheiden. Soll dann eine weitere Plakette her? Oder jeder Wagen einen QR Code bekommen? Hologramm-Plakette? Nummernschilderkennung mit Echtzeit-Abgleich beim KBA? Anlieger-Besucher: ja/nein? ... technisch ist das extrem schwierig zu lösen. Per Photoshop eine weitere Plakette an die Windschutzscheibe zu kleben, ist das kleinste Hindernis. "Ach Herr Wachtmeister, meine Papiere habe ich versehentlich zu Hause vergessen..."
KaWeGoe 02.05.2017
2. Gut so - R.I.P. Deutsche Autoindustrie !
Richtig so - Menschenleben haben Vorrang vor den Gewinnen, die Unternehmen mit betrügerischen Maßnahmen sich ergaunern.
trevorcolby 02.05.2017
3. Danke!
Hallo, Danke liebe Heimatstadt! Habe schon seit Kindheitstagen probleme wenn ein Diesel vor uns fährt.
2cv 02.05.2017
4. Mal eine weitere Frage...
Zitat aus einer anderen Quelle: Stefan Ferber, Leiter des Umweltamtes der Stadt Düsseldorf, hält ... ein Verbot für die Corneliusstraße nicht für zielführend. "Das wird uns nicht helfen", glaubt Ferber. Die Autofahrer mit Dieselmotor würden auf andere Straßen ausweichen, weshalb die Gesamtbelastung mit Stickstoffdioxid gleich bliebe. So wird das doch auch in Hamburg laufen: also "ein Kilometer mehr Belastung"? Ehrlich? Ist das die geplante Verbesserung? Oder glaubt jemand ernsthaft, daß wegen einem Kilometer mehr Strecke die Leute das Auto stehen lassen werden? "Schilda" kommt mir da unwillkürlich in den Sinn.
ernstmoritzarndt 02.05.2017
5. Augenwischerei
Der SPD/Grüne - Senat sollte dann auch gleich den gesamten Hafen für Schiffe, insbesondere die so beliebten Kreuzfahrtschiffe absperren: 16 der größten Containerriesen stoßen mehr Schadstoffe aus als sämtliche Personenkraftwagen zusammen. Da wird doch auf Anhieb klar, zu welchen Mitteln man greifen muß. Ausgewogen wäre es auch, die beiden großen Einfallstraße zu sperren (dann verlagert sich der Verkehr in benachbarte Straßen) und nur noch 50 % der Containerriesen nach Hamburg fahren zu lassen. Die Kreuzfahrt - Lustdampfer sollten komplett in Hamburg verboten werden und der Flugplatz ist nur noch für die Reisen von Politfunktionären ausgesuchter Parteien von 11.00 h bis 13.00 h geöffnet. Fazit: Der Stadt sollte in NRW eine Information über die dortige Sachbearbeitung in Sozialsachen einholen, damit man in diesem Bereich auch in Hamburg auf den neuesten stand gelangt.
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