Abgase Dieselautos der Bundesregierung drohen Fahrverbote

Der Fuhrpark der Bundesregierung ist ökologisch nicht auf dem neuesten Stand, auf 29 E-Autos kommen fast ebenso viele schmutzige Diesel. Und das könnte sich rächen.

Dienstwagen mehrerer Bundesminister und Ministerpräsidenten
DPA

Dienstwagen mehrerer Bundesminister und Ministerpräsidenten


Fahrverbote - Dieselfahrer mögen sich das nicht ausmalen: Termine in Innenstädten oder der Weg zur Arbeit werden erschwert, das eigene Auto verliert massiv an Wert.

Vom Stillstand könnte auch die Bundesregierung betroffen sein: Denn Fahrverbote könnten einen Teil ihres Fuhrparks unbrauchbar machen, insgesamt 28 Autos erfüllen nur die Abgasnormen Euro 3 bis Euro 5. Damit wären die Innenstadt von Stuttgart und einige Straßen Hamburgs für diese Fahrzeuge bald tabu.

Das geht aus einer schriftlichen Anfrage des Obmanns der FDP im Verkehrsausschuss des Bundestages, Torsten Herbst, hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. "Die Situation ist einfach absurd, sogar die Bundesregierung wäre von Fahrverboten betroffen. Leider können betroffene Bürger ihre Fahrzeuge nicht so einfach ersetzen wie die Bundesregierung ihren Fuhrpark", so Herbst.

Kaum Alternativen zum Diesel im Fuhrpark

Zwar stehen den vergleichsweise schmutzigen Dieseln immerhin 172 Dieselfahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 6 gegenüber, umweltschonende Alternativen sind im Fuhrpark jedoch rar. Zwar weist das Bundesinnenministerium in seiner Antwort 117 Fahrzeuge mit E-Antrieb aus, davon sind jedoch nur 29 reine Elektrofahrzeuge - und damit nur eines mehr, als Dieselautos mit Euro 3 bis 5.

Beim Rest handelt es sich um Plug-in-Hybride, diese Fahrzeuge sind bisher die häufigste Alternative zum Dienstwagen mit klassischem Verbrenner. Sie gelten als umweltfreundlich und zählen in der Statistik als Elektrofahrzeug, in der Realität sieht ihre Bilanz jedoch anders aus: Die rein elektrische Reichweite ist sehr begrenzt und die Fahrzeuge entpuppten sich im Behördenalltag als Spritschlucker. Zwei Staatssekretäre waren mit ihren Plug-in-Dienstwagen so unzufrieden, dass sie sich sogar beim Hersteller über die Fahrzeuge beschwerten.

Um mögliche Fahrverbote zu umgehen, gäbe es statt eines Austauschs der Fahrzeuge noch eine weitere Option: Die Hardware-Umrüstung der betroffenen Diesel. Diese Maßnahme empfiehlt auch ein internes Gutachten des Bundesverkehrsministeriums, erstellt vom Inhaber des Lehrstuhls für Verbrennungskraftmaschinen an der TU München, Georg Wachtmeister. Solche Umrüstungen seien dem Gutachten zufolge mit "verträglichem Aufwand" möglich. Bisher zeigte sich die Bundesregierung den Nachrüstungen mit sogenannten SCR-Katalysatoren gegenüber jedoch skeptisch.

ene



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