Für das Umweltministerium TÜV soll Stickoxid-Messstationen prüfen

Bei der Messung der Stickoxidbelastung in Städten lassen Vorschriften etwas Spielraum - das rief Kritiker auf den Plan. Das Umweltministerium will die Debatte nun beenden.

Eine Messstation in Essen
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Eine Messstation in Essen


Im Streit um Luftverschmutzung und Diesel-Fahrverbote in Städten lässt das Bundesumweltministerium die Standorte der Stickoxid-Messstellen überprüfen. Geplant sei eine unabhängige und deutschlandweite Begutachtung der relevanten Messstellen durch den TÜV, für die das Ministerium die Kosten übernehme, sagte Umweltstaatssekretär Florian Pronold (SPD) im Bundestag.

Seit einigen Monaten gebe es "Propaganda", derzufolge die für die Berichterstattung Deutschlands an die EU maßgeblichen Messstellen für Stickstoffdioxid (NO2) falsch aufgestellt seien, sagte Pronold. Das sei eine "Gespensterdebatte", die Misstrauen schüre. Dem wolle das Umweltministerium nun mit "klaren Fakten" entgegenwirken. Er gehe davon aus, dass kein Bundesland etwas einzuwenden habe. Zuständig für die NO2-Messung sind die Umweltbehörden der Länder. Die Überprüfung dürfte Pronold zufolge mehrere Monate dauern.

Länder forderten Überprüfung

Eine Überprüfung der Messstellen hatten unter anderem zweimal die Landesverkehrsminister gefordert. In Nordrhein-Westfalen wurde bereits geprüft. Falsch stand dort nur eine Messstelle in Aachen, die nicht zum EU-Messnetz zählt. Das Umweltministerium kam mit dem Vorstoß einer Debatte zu dem Thema im Bundestag zuvor. FDP und AfD hatten Anträge gestellt, die unter anderem den EU-Grenzwert infrage stellen und eine Vereinheitlichung und Vergleichbarkeit der Messungen fordern.

Wo Messstellen stehen sollen, legt die EU-Richtlinie 2008/50/EG fest - sowohl an Orten mit den "höchsten Konzentrationen" als auch an Orten, wo die Belastung geringer ist. Richtig ist, dass es einen gewissen Spielraum für die Position gibt, zum Beispiel: "mindestens 25 Meter vom Rand verkehrsreicher Kreuzungen und höchstens 10 Meter vom Fahrbahnrand entfernt" und "in einer Höhe zwischen 1,5 Metern (Atemzone) und 4 Metern über dem Boden". Dies sei "soweit möglich" zu berücksichtigen.

Belastung an Kreuzungen niedriger als am Straßenrand

Der AfD-Politiker Marc Bernhard sagte im Bundestag, Messstationen würden nach Belieben aufgestellt, der Manipulation sei Tür und Tor geöffnet: "Messstationen werden in Deutschland so aufgestellt, dass es zwangsläufig zu Fahrverboten kommt."

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Das Verkehrsministerium des Landes Baden-Württemberg erklärte dagegen, die Abstandsregelungen gelten vor allem, "um sicherzustellen, dass nicht zu geringe Belastungen gemessen werden". Messungen aus Hessen zeigten, dass die Luft am Straßenrand im Durchschnitt höher belastet ist als direkt an einer Kreuzung.

ene/dpa



insgesamt 107 Beiträge
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Seite 1
beppovomhuegel 30.11.2018
1. Endlich
Es besteht die Hoffnung, dass die "Messung am Auspuff" dann nicht mehr erfolgt. Ein Blick auf die Aufstellorte der Messstatiinen in unseren Nachbarländern und in Südeuropa, wo ja die gleiche Richtlinie zu Grunde liegt, zeigt wo unser extremes Dieselproblem liegt. Keine Angst, sollte sich das Diesel Bashing legen, fangen wir an über CO2 zu diskutieren. Nein, nicht die Kohle Kraftwerke, sondern die in Panik angeschafften Benziner produzieren massenhaft CO2-und Deutschland ist überrascht.
EconomistGI 30.11.2018
2. Die eigentliche Frage ist eine andere
Der genaue Aufstellort der Messstellen ist gar nicht der entscheidende Punkt. Vielmehr ist bei so krass unterschiedlichen Werten je nach genauem Standort zu fragen, wo sich eigentlich die Masse der Menschen die meiste Zeit des Tages aufhält. Wenn also nur ein Bruchteil der z.B. in einer Stadt lebenden Menschen (von denen auf dem Dorf will ich gar nicht erst reden) einen Bruchteil des Tages sich in einem Bereich aufhält, wo der Sickoxid-Grenzwert im Jahresmittel überschritten wird, wieso wird dann so getan, als ob 100% der Menschen über 24 Stunden einer überhöhten Schadstoffkonzentration ausgesetzt sind? Und wenn die Realität also eine ganz andere ist, wieso wird dann überhaupt noch in Erwägung gezogen, dass es verhältnismäßig sein könnte, durch flächendeckende Fahrverbote ökonomischen Schaden im zweistelligen Milliardenbereich zu verursachen? Geht's noch?
tatsache2011 30.11.2018
3. Messung
Zitat von beppovomhuegelEs besteht die Hoffnung, dass die "Messung am Auspuff" dann nicht mehr erfolgt. Ein Blick auf die Aufstellorte der Messstatiinen in unseren Nachbarländern und in Südeuropa, wo ja die gleiche Richtlinie zu Grunde liegt, zeigt wo unser extremes Dieselproblem liegt. Keine Angst, sollte sich das Diesel Bashing legen, fangen wir an über CO2 zu diskutieren. Nein, nicht die Kohle Kraftwerke, sondern die in Panik angeschafften Benziner produzieren massenhaft CO2-und Deutschland ist überrascht.
1) Haben Sie den Artikel gelesen? Gemessen wird in 1,5 m bis 4 m Höhe und bereits überprüfte Messstationen hatten keine Beanstandung. 2) "Die Aufstellorte der Messstatiinen in unseren Nachbarländern und in Südeuropa" sind für uns nicht maßgeblich. 3) Ja, über CO2 wird auch diskutiert, aber nicht bei Überschreitung des NO2-Grenzwertes.
tatsache2011 30.11.2018
4. Ganz einfach
Zitat von EconomistGIDer genaue Aufstellort der Messstellen ist gar nicht der entscheidende Punkt. Vielmehr ist bei so krass unterschiedlichen Werten je nach genauem Standort zu fragen, wo sich eigentlich die Masse der Menschen die meiste Zeit des Tages aufhält. Wenn also nur ein Bruchteil der z.B. in einer Stadt lebenden Menschen (von denen auf dem Dorf will ich gar nicht erst reden) einen Bruchteil des Tages sich in einem Bereich aufhält, wo der Sickoxid-Grenzwert im Jahresmittel überschritten wird, wieso wird dann so getan, als ob 100% der Menschen über 24 Stunden einer überhöhten Schadstoffkonzentration ausgesetzt sind? Und wenn die Realität also eine ganz andere ist, wieso wird dann überhaupt noch in Erwägung gezogen, dass es verhältnismäßig sein könnte, durch flächendeckende Fahrverbote ökonomischen Schaden im zweistelligen Milliardenbereich zu verursachen? Geht's noch?
Es wird nicht "so getan, als ob 100% der Menschen über 24 Stunden einer überhöhten Schadstoffkonzentration ausgesetzt sind".
P-Schrauber 30.11.2018
5.
Zitat Zeit vom 02.04.2018: " … Das Bundesumweltministerium hat darauf hingwiesen, dass Stationen zur Messung von Stickoxidwerten nach objektiven Kriterien und geltendem europäischen Recht aufgestellt werden. "Es ist ein Märchen, dass die Messstationen nicht sachgerecht aufgestellt sind", teilte Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter mit. …" Also einmal scheint sich das Märchen einmal bereits erfüllt zu haben trotz der blumigen Ansage. Da hilft auch der Hinweis nicht man misst an der Stelle ja nicht nach EU Recht, lieber Spiegel das hat schon Extra3 Qualitäten.
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