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Dieselmanipulationen bei Audi

Die Konzerne täuschen, der Staat sieht zu

Audi hat beim aktuellen A6 mit Dieselmotor eine neue Betrugsmasche angewandt. Ausgerechnet bei einem Modell, das den Kunden als besonders sauber angepriesen wurde. Wann wacht die Bundesregierung endlich auf?

Ein Kommentar von

Audi

Audi A6

Dienstag, 08.05.2018   17:25 Uhr

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Es sind die ganz billigen Verkaufstricks, mit denen die Autokonzerne in der Dieselkrise ihren Absatz ankurbeln, allen voran der VW-Konzern und seine Tochter Audi: Zehntausend Euro Prämie versprechen die Manager allen, die ihren alten Diesel gegen ein neues Modell vom A6 eintauschen. "Selten war der Wechsel auf einen Audi Neuwagen so leicht", heißt es auf der Website. Und um die Interessenten unter Druck zu setzen, hat das Marketing eine Frist für die Umweltprämie gesetzt: Bis zum 30. Juni müsse der Vertrag unterschrieben sein.

Die Umweltprämie war eine der wenigen greifbaren Ergebnisse der Verhandlungen beim Dieselgipfel vom August des vergangenen Jahres in Berlin, auf dem sich die Autohersteller technischen Nachrüstungen verweigerten. Die Umweltprämie half der Bundesregierung, nicht den Eindruck zu erwecken, mit leeren Händen dazustehen. Und Audi und Co. machten aus dem Dieselskandal sogar noch ein Geschäft. Die Umweltprämie half, ihren Absatz von Neuwagen anzukurbeln. Mit vermeintlich sauberen Dieselautos sollte das Vertrauen in die Technologie zurückgewonnen werden.

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Dieses Vertrauen scheint nun endgültig verspielt: Der Audi A6, der angeblich für die Umwelt so gut sein soll, birgt in seiner Motorsteuerung eine manipulierte Software. Die macht die glitzernde Karosse auf der Straße dreckig. Zwar verfügt das Auto über einen modernen SCR-Katalysator, der mithilfe von Harnstoff giftiges Stickoxid reinigen soll. Doch wenn der Tank mit dem Harnstoff zur Neige geht, dann regelt die Software des Wagens die Einspritzung der Flüssigkeit einfach herunter. Das hat das Kraftfahrt-Bundesamt nun festgestellt. 33.000 Dieselexemplaren des A6 droht allein in Deutschland der Rückruf.

Millionen Dieselkunden werden im Stich gelassen

Wie dreist kann man mit dem Vertrauen der Kunden eigentlich spielen? In den Monaten nach dem Dieselgipfel kauften ahnungslose Kunden weiterhin abgasmanipulierte Audi-Fahrzeuge und bezahlten dafür viele Zehntausend Euro. Für die Umwelt ist das doppelt schlecht: Das neue Auto ist in vielen Situationen nicht wirklich sauberer, und das alte Fahrzeug, das der Kunde gegen die Umweltprämie seinem Audi-Händler gibt, wandert in die Schrottpresse. Das sind mitunter Fahrzeuge, die noch viele Jahre hätten fahren können. Dabei wird für die Herstellung eines neuen Autos sehr viel Energie benötigt, viele Rohstoffe werden verwendet.

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So beliebt die Umweltprämie in den Marketing-Abteilungen der Autokonzerne ist, so beharrlich weigern sie sich, ältere Dieselfahrzeuge mit eben jenen SCR-Katalysatoren nachzurüsten. Zu teuer sei das angeblich, und technisch kompliziert, obwohl Gutachter und der ADAC das Gegenteil demonstriert haben. Millionen Dieselkunden, die sich nicht mal eben einen neuen Wagen leisten können, werden im Stich gelassen.

Die Vorstände von BMW, Mercedes und Volkswagen haben in den vergangenen Monaten diverse Minister belagert, doch bitte keine dieser Hardware-Nachrüstungen von ihnen zu verlangen. Sie haben dabei auch einen Verbündeten gefunden: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer von der CSU. Er spricht sich kategorisch dagegen aus, und er verweist unter anderem auch auf die Umweltprämien und den Austausch alter mit modernen Dieselautos. Das sei die bessere Maßnahme, die Schadstoffkonzentrationen durch Diesel in deutschen Städten zu senken.

Mit dem manipulierten A6 fällt Audi Scheuer nun in den Rücken. Wie lange will sich die Bundesregierung noch von der Autoindustrie vorführen lassen?

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