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Spritpreise: Für billigen Diesel werden wir teuer bezahlen

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DPA

Billigpreise schaden der Umwelt

Der Dieselpreis an Tankstellen ist unter einen Euro gefallen. Doch das ist kein Grund zum Feiern.

Es gibt eine simple Faustformel in diesem Land: Sinkt der Spritpreis, steigt die Stimmung unter den Autofahrern. Seit vergangener Woche jubeln besonders Diesel-Fahrer, denn zeitweise lag der Preis für einen Liter des Kraftstoffs unter einem Euro.

Die Reaktion ist verständlich. Doch Freude ist nicht angebracht. Langfristig wird uns ein billiger Spritpreis teuer zu stehen kommen. Er wird mehr kosten, als uns lieb ist - im schlimmsten Fall Menschenleben.

Dieselabgase verursachen Luftverschmutzung in den Städten - durch Feinstaub und Stickoxide. Wie dramatisch die Lage aktuell ist, zeigen Ballungsräume. Die Behörden in Peking riefen während des Klimagipfels in Paris Smog-Alarm aus, Kindergärten und Schulen bleiben geschlossen, älteren Menschen wird empfohlen, zu Hause zu bleiben. Ja, China, mal wieder! Aber das Problem der Luftverschmutzung durch Abgase und Industrie liegt nicht nur in Schwellenländern. Auch in deutschen Städten lag die Stickoxid-Belastung dieses Jahr bereits vielerorts deutlich über den zugelassenen Grenzwerten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Dieselabgase 2012 erstmals als krebserregend eingestuft.

Erhöhte Gefährdung durch VW-Abgasskandal

Und auch im Zuge des VW-Abgasskandals, in dem Dieselfahrzeuge nur im Labor die Grenzwerte für gefährliche Stickoxide einhalten, nicht aber auf der Straße, machten Wissenschaftler eine erschreckende Rechnung auf. Laut Experten vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der Harvard-Universität werden rund 60 Menschen bis Ende 2016 an den Folgen des Abgasskandals vorzeitig sterben - vorausgesetzt Volkswagen ruft im kommenden Jahr alle 482.000 Dieselfahrzeuge in den USA zurück. Sonst werden es mehr als doppelt so viele sein.

In Deutschland sind nicht 482.000 Autos von VW betroffen. Es sind 2,4 Millionen. Doch hierzulande wagt sich niemand an die unbequeme Rechnung.

Der Diesel hat uns Deutschen den Verstand vernebelt - durch Drehmoment und Dumping beim Tanken. Etwa jedes zweite neu zugelassene Fahrzeug ist ein Diesel. Die aktuellen Preise wirken da wie ein Katalysator. Sie befördern einen gefährlichen Größenwahn. Statt auf umweltfreundlichere Kleinwagen umzusteigen, investieren die Deutschen ihr Geld in dicke Diesel-Schlachtrösser: SUV. Diese Autos sind die Unvernunft auf Rädern. Etwa 25 Prozent mehr Kraftstoff verbrauchen sie als vergleichbare Limousinen. Inzwischen ist in Deutschland jedes fünfte neu zugelassene Fahrzeug ein SUV. 62 Prozent davon fahren mit Diesel.

Diesel und Benzin müssen gleich besteuert werden

Wie lässt sich dieser Trend stoppen? Durch Argumente? Wohl kaum. Es ist bekannt, dass ein kleiner, spritsparender Wagen umweltfreundlicher ist als ein Diesel-Dino. Es geht mal wieder nur übers Portemonnaie - und da ist die Politik gefragt!

Statt den Diesel durch Steuervorteile zu privilegieren, müsste die Bundesregierung höhere Abgaben beschließen. Eine gleiche Besteuerung von Diesel und Benzin wäre ein Anfang. Doch diese paar Cent werden nicht reichen, um ein Umlenken zu erreichen. Umwelt und Gesundheit müssen uns mehr wert sein. Lieber drei Euro für den Liter Diesel als noch mehr Tote.

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Margret Hucko ist Redakteurin im Autoressort von SPIEGEL ONLINE.

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insgesamt 533 Beiträge
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1. Das gibt's mal was positives...
Bürger Bü 07.12.2015
... zu berichten und wir schaffen es auch das madig zu machen. Was ist los in Deutschland?
2. kein reines Diesel-Problem
GoaSkin 07.12.2015
Sprit ist billig - auch das normale Benzin. Der Liter kostet zwischen 1.20 und 1.30; etwa 25% weniger, als noch vor ein paar Jahren.
3. Was soll der Unsinn mit dem SUV Bashen?
scar17 07.12.2015
Ein Porsche Cayenne Diesel braucht mit echten 8,5Litern weniger als vergleichbare VW oder Mercedes Busse oder viel weniger als die ganzen alten Fahrzeuge. Die Diskussion Umweltverschmutzung sollte sich also gegen die Leute richten, die mit alten Autos rumfahren und man sollte denen danken, die sich neue Autos leisten können ;-) Nein im Ernst, wenn man nur nach Vernunft ginge, sollten lauter kleine Einsitzerautos gebaut werden ohne jegliche schwere Extras.
4.
pr@ 07.12.2015
Das mag ja richtig sein. Aber: nicht jeder lebt in der Stadt. Diejenigen werden schon mal nur indirekt erreicht. Und der viel springendere Punkt: die heilige Kuh "Auto" wird in Deutschland ganz sicher nicht gemolken oder gar bekämpft. Sieht man ja schon am Skandal, der atm schon fast unterzugehen scheint. Opel wird nicht weiter angegangen usw. Und nicht zuletzt ist es auch der Wähler selbst, der eben einen Diesel gekauft hat. Der dürfte wenig erfreut sein nun 3 Euro oder sonstwie mehr gegenüber jetzt zu bezahlen. Das wird so nicht kommen - nicht bei den aktuellen Lobby-Seilschaften und Wählerschaften. Abgesehen davon: die Industrie stößt nach wie vor nicht wenig Abgase wie CO2 & Stickoxide aus.
5.
makromizer 07.12.2015
Ich wär eher dafür, dass man ernstzunehmende Schadstoffvorschriften für Dieselmotoren incl. brauchbaren Prüfungen machen würde, statt einfach nur den Dieselpreis zu erhöhen. Aber so oder so, gefragt wäre in der Tat die Politik. Es gibt im wesentlichen nur einen einzigen Grund, weshalb Diesel hierzulande so verbreitet ist: Weil er deutlich billiger ist als Benzin. Das ist nicht gottgegeben, sondern von der Politik so gewollt. Vermutlich eine Mischung aus Einfluss der LKW-Lobby, gepaart mit dem bei Politikern geheiligten Dogma der Aufrechterhaltung des Status Quo.
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