Kfz-Betriebe Diesel-Nachrüstungen "ab 2019 machbar"

Autowerkstätten machen Druck bei Diesel-Nachrüstungen, Anfang 2019 könne es losgehen, schätzt der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe. Doch wer die Haftung für den Umbau übernehmen wird, ist unklar.

BMW-Autowerkstatt in München
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BMW-Autowerkstatt in München


Mögliche Nachrüstungen für ältere Dieselfahrzeuge seien in den Werkstätten nach Einschätzung des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) schnell umsetzbar. "Ich halte das für lösbar", sagt ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn. Die Werkstätten seien darauf eingerichtet. Das hätten frühere Umrüstaktionen wie etwa die Rußpartikelfilter bei Dieselfahrzeugen oder die Nachrüstkatalysatoren bei Benzinern in den Achtzigerjahren Jahren gezeigt. Der ZDK fordert seit Langem, sich auf Hardware-Nachrüstungen für ältere Diesel einzulassen.

Die Große Koalition aus den Unionsparteien und der SPD hatte sich am Dienstag auf ein Konzeptgeeinigt, wonach Besitzer älterer Diesel in 14 Regionen mit besonders schmutziger Luft Umtauschprämien sowie Hardware-Nachrüstungen angeboten bekommen sollen. Auf diese Weise sollen Fahrverbote vermieden werden.

Wenn Fahrer von Euro-5-Dieseln eine Nachrüstung wollen, erwartet der Bund demnach "vom jeweiligen Automobilhersteller, dass er die Kosten hierfür einschließlich des Einbaus übernimmt". Die Haftung sollen die Nachrüstfirmen übernehmen.

Sehen Sie hier die Einschätzung von Auto-Redakteurin Margret Hucko:

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Hier herrscht allerdings noch Uneinigkeit. Der Verband der internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) sieht Haftungsfragen in rechtlicher Hinsicht nach wie vor ungeklärt.

Die Motor-Umbauten könnten aus Sicht des Nachrüstungsanbieters Baumot dann im kommenden Jahr beginnen. Nach Angaben von Baumot-Chef Marcus Hausser lägen Genehmigungsverfahren beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) bereits vor. "Das Paket der Bundesregierung kann einen Schub auslösen bei Hardware-Nachrüstungen", sagt Hausser.

Baumot hat nach eigenen Angaben kein Problem damit, die Gewährleistung zu übernehmen. "Damit haben wir eine langjährige Erfahrung", sagt Hausser. Er rechne mit Umbaukosten von im Schnitt 1500 bis 2000 Euro pro Wagen: "Für viele Kunden ist es attraktiver nachzurüsten, als sich trotz Prämien einen neuen Wagen zu kaufen."

Autokonzerne und ADAC ziehen nicht mit

Auch beim ADAC hält man die Nachrüstungen für nicht leicht umsetzbar. Es brauche noch Freigaben für die sogenannten SCR-Katalysatoren. Diese müssten serienreif und im Dauerbetrieb erprobt sein. Es liege nun an der Politik, die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, so eine Sprecherin. Der ADAC testet bereits Diesel-Nachrüstungen - allerdings sind das Protypen, die nur auf Basis einer Ausnahmegenehmigung eines Regierungspräsidiums im Einsatz sind.

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann erwartet von den geplanten Möglichkeiten zum Umtausch und zur Hardware-Nachrüstung jedenfalls schnelle Effekte: "Autofahrer, Beschäftigte der Branche und die Bewohner der betroffenen Städte haben lange auf ein Ende dieser quälend langen Debatte gewartet." Gegebenenfalls könnten mit einer neuen Abgas-Software viele Diesel weiter in alle Städte fahren.

Einige Autohersteller wie BMW oder Opel lehnen aber Nachrüstungen ab, auch bei den ausländischen Herstellern sieht man die Nachrüstungen kritisch. Volkswagen und Daimler hingegen wollen sich an Nachrüstungen beteiligen, sofern zertifizierte und zugelassene Systeme existieren. Volkswagen machte noch zur Bedingung, "dass die Bundesregierung sicherstellt, dass sich alle Hersteller an den entsprechenden Maßnahmen beteiligen".

hej/dpa

insgesamt 64 Beiträge
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dirkcoe 03.10.2018
1. Schnell wird gar nichts gehen
Klar, einige die es sich leisten können, werden sich ein neues Auto bestellen - soweit wegen des neuen Abgastests denn überhaupt Fahrzeuge lieferbar sind. Alle Anderen werden erleben, dass die nächsten Wochen - wenn nicht gar Monate, verhandelt wird aber leider ohne Lösung. Wovon der Scheuer ausgeht interessiert die Autobauer nicht und das Ende sind dann weitere Fahrverbote.
ardbeg17 03.10.2018
2.
Schon wieder Twintec. Die machen das also für 2000 Euro und übernehmen die Gewährleistung. VW will ja bei angesetzten 3000 Euro 80Prozent der Kosten übernehmen (das wären also 2400 Euro). Somit wäre es via Twintec für den Kunden kostenlos, VW müsste 400 Euro weniger ausgeben und alle wären glücklich. Wo ist also der Haken?
yvowald@freenet.de 03.10.2018
3. Hersteller endlich in die Pflicht nehmen
Diese Aussage des Kraftfahrtgewerbes macht die deutschen Autobauer wütend. Denn sie wollen nur eines: Neue Autos verkaufen, um den deutschen Altbestand an Dieselfahrzeugen nach Fernost zu verfrachten. Und nebenher auch noch gute Geschäfte machen. Mir ist unerklärlich, warum die Regierungsvertreter nicht endlich Klartext reden und die Kfz-Hersteller AUDI, BMW, DAIMLER und VOKKSWAGEN in die Pflicht nehmen, allen Betroffenen eine kostenlose Nachrüstung ihrer Fahrzeuge zu gewährleisten?
Normalbürger18 03.10.2018
4. "Machbar" heißt nicht "machen"
Es ist eine große Ilussion zu glauben, dass jetzt die Autokonzerne in großem Stil Hardware-Nachrüstungen machen oder finanzieren würden. Warum sollten sie auch? Die verkaufen lieber neue Autos und haben darin in Herrn Scheuer ihren Chef-Verkaufsförderer. Und der wird die Umsetzung dieser Nachrüstung alles andere als vorantreiben.
uad0707 03.10.2018
5. Mit der EU verhandeln!
Es gäbe Lösungen, die Fahrverbote verhindern würden. Die Regierung müsste zusammen mit anderen EU Partnerländer darauf hinwirken, dass die Europäische Kommission eine Übergangslösung zum Einhalten der Grenzwerte in den Städten akzeptiert. In dieser Zeit würden die Maßnahmen zur Absenkung der Emissionen implementiert (Nachrüstungslösungen, die die Funktionsfähigkeit der Autos nicht beeinträchtigen etc.) Stickoxide sind gewiss gesundheitsschädlich, Feinstaubemissionen u.a. durch Benziner stellen aber das größere Problem dar (und hiergegen wird nichts gemacht!). Eine Übergangszeit, in der die Werte ohnehin weiter sinken werden, dürfte daher auch gesundheitspolitisch unbedenklich sein. Großflächige Fahrverbote sind klar unverhältnismäßig. Ohne die EU, die vor allem auf deutschen Druck bei der Zulassungsregulierung geschlampt hat (daher kann man nicht von einem Betrug der Industrie sprechen, denn dann würden auch Steuerberater Beihilfe zum Betrug leisten, wenn sie ihren Kunden legale Steuervermeidung empfehlen) wird es aber nicht gehen! Merkel und Co. sollten jetzt mal endlich "Sacharbeit" (Lieblingsphrase der Bundeskanzlerin) leisten, anstatt Scheinlösungen zu produzieren!
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