Dieselaffäre So hat Audi bei der Abgasmessung betrogen

Der Skandal um manipulierte Emissionswerte geht weiter: Jetzt steht fest, dass auch in Oberklasse-Modellen des Herstellers Audi eine illegale Software steckt. Die Übersicht zum neuen Betrugsfall.


Wie lautet der Vorwurf gegen Audi?

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte am Donnerstag bekannt gegeben, dass der Autohersteller Audi eine "unzulässige Abschalteinrichtung" verwendet. Durch die Software sei erkannt worden, ob Fahrzeuge auf dem Prüfstand für Abgasmessungen waren - nur dann wurde die Emissions-Reinigung voll angeschaltet. Unter realen Bedingungen stoßen die Pkw dagegen viel mehr giftige Schadstoffe aus: nach Angaben von Audi 20 bis 100 Prozent mehr Stickoxid (NOx) als offiziell angegeben.

Welche Modelle sind betroffen - und um wie viele Fahrzeuge handelt es sich?

Laut Dobrindt sei die Abschalteinrichtung bei den Modellen A8 und A7 entdeckt worden. Der A8 ist Audis Flaggschiff, der A7 zählt ebenfalls zu den teuersten Autos des Herstellers. Betroffen sind die Modelle mit V6- und V8-Dieselmotoren, die die Abgasnorm Euro-5 erfüllen.

Insgesamt müssten nun 24.000 Exemplare des A8 und A7 zurückgerufen werden, es geht um Modelle der Baujahre 2009 bis 2013. Davon seien 14.000 Autos in Deutschland zugelassen, der Rest in anderen europäischen Ländern. Der Rückruf beginnt laut Audi voraussichtlich im Juli. In der Werkstatt werde eine neue Software aufgespielt; dies dauere etwa 30 Minuten.

Ob diese konkrete Angabe nicht zu voreilig ist, wird sich noch herausstellen: Denn Dobrindt forderte Audis Mutterkonzern VW dazu auf, bis zum 12. Juni Lösungsvorschläge zur Umrüstung zu übermitteln. Diese müssen aller Voraussicht nach dann erst geprüft werden.

Wie genau hat Audi betrogen?

Als im September 2015 der Abgasbetrug von VW bekannt wurde, waren davon Autos aller Konzerntöchter betroffen. Hier ging es um eine illegale Betrugssoftware in dem Motor EA 189, die erkannte, ob sich das Auto auf dem Prüfstand befindet - entsprechend vorbildlich arbeitet dann die Abgasrückführung, während auf der Straße der NOx-Ausstoß viel höher war. Diese Software steckte unter anderem in 2,1 Millionen Fahrzeugen von Audi, insgesamt in rund 11 Millionen Dieselautos aus dem VW-Konzern.

Der jetzt bekannt gewordene Trick zum Abgasbetrug funktioniert etwas anders: "Es handelt sich um eine sogenannte Lenkwinkel-Erkennung", sagte Verkehrsminister Dobrindt. Die Abschalteinrichtung nehme wahr, wenn das Fahrzeug im Prüfstand stehe. Also: Wird das Lenkrad nicht bewegt, arbeitet die Abgasreinigung wie vorgeschrieben. Sobald das Lenkrad mehr als 15 Grad eingeschlagen wird, erhöht sich der Ausstoß von Stickoxid.

Audi spricht davon, "dass die Motordrehzahl in manchen Bereichen ungünstig von der Getriebesoftware beeinflusst wird".

War da nicht schon was in den USA?

Audi und VW hatten bereits in einem milliardenschweren Vergleich mit dem US-Justizministerium eingeräumt, dass sie in den USA rund 83.000 Autos mit Audi-Dieselmotoren und einer dort illegalen Software verkauft hatten, die niedrigere Abgaswerte angibt. Die Verfahren hatten Audi im vergangenen Jahr 1,86 Milliarden Euro gekostet.

Wie geht es weiter?

Dobrindt kündigte an, dass nun weitere Fahrzeuge des VW-Konzerns mit ähnlichen Motoren untersucht werden sollen. Welche Modelle, werde derzeit im Ministerium besprochen.

Mit den neuen Aufdeckung gerät vor allem Audi-Chef Rupert Stadler weiter unter Druck. Erst vor gut zwei Wochen hatte der Audi-Aufsichtsrat dessen Vertrag um fünf Jahre bis Ende 2022 verlängert.

cst/dpa



insgesamt 114 Beiträge
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Seite 1
derblauebarbar 02.06.2017
1. Wozu der Betrug?
Ich versteh's, ehrlich gesagt, immer noch nicht: Was genau wird denn fahrzeugseitig, motorseitig gewonnen, wenn die Stickoxid-Filterung nicht komplett durchläuft? Wozu der "Betrug"? Und wieso kann so ein aufwändiger Betrug einfach so durch eine andere Software rückgängig gemacht werden?
Marvel Master 02.06.2017
2.
Mir ist immer noch ein Rätsel warum man die eigene Industrie kaputt machen will. Diese Schummelsoftware setzt jeder Hersteller auf der Welt ein. Egal ob jetzt Fiat, GM oder die Franzosen. Bsp: Quelle.: http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-03/abgaswerte-fiat-chrysler-ermittlungen-frankreich-taeuschung Kann man via Google selber rausfinden das überall Unstimmigkeiten aufgetaucht sind. Nur VW hat es halt als erstes erwischt.
monolithos 02.06.2017
3. Hinterfragen sinnlos
Zitat von derblauebarbarIch versteh's, ehrlich gesagt, immer noch nicht: Was genau wird denn fahrzeugseitig, motorseitig gewonnen, wenn die Stickoxid-Filterung nicht komplett durchläuft? Wozu der "Betrug"? Und wieso kann so ein aufwändiger Betrug einfach so durch eine andere Software rückgängig gemacht werden?
Was ist mit Vandalismus gewonnen? Verbrecher ticken eben anders, das verstehen wir normale Menschen einfach nicht.
Florian M 02.06.2017
4. Genau, was wäre der Nachteil ?
Das hat mir noch niemand genau erklärt: Was wäre der Nachteil, wenn die Abgasreinigung immer aktiv wäre?
merlin 2 02.06.2017
5. Vermutlich wissen die Manager gar nicht mehr wo alles gepfuscht worden ist.
Wenn man das liest und sich zurückbesinnt, dann muß man schon von grenzenloser Schlamperei und Managementchaos sprechen. Wer im VAG-Konzern immer noch davon träumt, daß nicht jeder Pfusch aufgedeckt wird, der hat den Schuss wohl nicht gehört. Da gehört dann aber schon sehr viel Realitätsverdrängung zu. VW, Audi und auch Porsche wären gut beraten, wenn sie die Probleme proaktiv angehen würden.
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