Mobilität

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Emnid-Umfrage zu Dieselfahrzeugen

Deutsche plädieren für Fahrverbote

Lange war der Diesel der Deutschen liebstes Kind. Das ändert sich gerade. Eine Emnid-Umfrage zeigt, dass die Mehrheit selbst radikale Schritte nicht scheut.

DPA

Stau in Düsseldorf

Montag, 31.07.2017   10:18 Uhr

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Die Deutschen sind mehrheitlich für gezielte Dieselfahrverbote in belasteten Gebieten, so das Ergebnis einer von Greenpeace in Auftrag gegebenen Emnid-Umfrage. Demnach sind 57 Prozent der Befragten dafür, dass Dieselautos mit hohem Schadstoffausstoß nicht mehr in Stadtteilen mit besonders schlechter Luftqualität fahren sollten. 39 Prozent lehnen solche Fahrverbote hingegen ab, berichtete die "Rheinische Post" unter Berufung auf die Umfrage.

Das Ergebnis überrascht. Zwar sinkt der Marktanteil der Dieselfahrzeuge aufgrund von drohenden Fahrverboten und Abgasmanipulationen der Hersteller in Deutschland weiter, mit 40,4 Prozent Anteil an den neu zugelassenen Fahrzeugen war er im Mai dieses Jahres dennoch weiterhin sehr hoch.

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Bei den Frauen befürworten 63 Prozent ein Fahrverbot, bei den Männern sind es 51 Prozent. 86 Prozent der Befragten fordern zudem, dass die Hersteller die Dieselfahrzeuge so nachrüsten müssen, dass sie die Grenzwerte auch im Alltagsgebrauch auf der Straße einhalten. "Ein bisschen Softwarekosmetik alleine kann die Gesundheit der Menschen nicht schützen", sagte Greenpeace-Energieexperte Niklas Schinerl der Zeitung. "Die Hersteller müssen auch an die Hardware ran." Die "fortgesetzte Untätigkeit" von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) "grenzt an unterlassene Hilfeleistung", sagte Schinerl.

Mittwoch treffen sich Politik und Industrie zum "Dieselgipfel"

Am Mittwoch treffen sich unter Leitung von Verkehrs- und Umweltministerium Vertreter der Autoindustrie, Länder und Kommunen, um Wege zur Vermeidung von Fahrverboten in den Städten zu finden. Geplant sind Nachrüstungen per Software-Updates für Euro-5- und Euro-6-Diesel, mit denen die Stickoxid(NOx)-Belastung gesenkt werden kann. Erst vergangene Woche war das Land Baden-Württemberg vor dem Verwaltungsgericht mit dem Versuch gescheitert, durch Nachrüstungen vieler älterer Motoren Fahrverbote zu verhindern.

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Vor dem "Dieselgipfel" von Regierung und Autoindustrie haben Umweltschützer von Greenpeace vor dem Bundesverkehrsministerium dafür demonstriert, die Bevölkerung besser vor gesundheitsschädlichen Abgasen zu schützen. Im Morgengrauen projizierten Aktivisten der Organisation die Zahl der vorzeitigen Todesfälle seit Bekanntwerden des Abgasskandals im September 2015 an die Fassade, dies sind nach ihren Berechnungen 19.807 Sterbefälle. Die Zahl basiert auf Daten der Europäischen Umweltagentur.

mhu/Reuters/dpa

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