Dieter Zetsche im Interview: "Jammern hilft nicht"

Daimler-Boss Dieter Zetsche im Interview: "Die Herdprämie ist ein Irrweg"Zur Großansicht
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Daimler-Boss Dieter Zetsche im Interview: "Die Herdprämie ist ein Irrweg"

2. Teil: Teil 2: Dieter Zetsche über die Wiedergeburt des Verbrennungsmotors und den Segen der Digitaltechnik.

SPIEGEL ONLINE: Hilft bei solchen langfristigen Zielen ein starker Ankeraktionär, wie ihn viele Mitbewerber vorweisen können? VW hat das Land Niedersachsen, BMW die Familie Quandt. Denen kann man besser erklären, warum die Dividende mal etwas niedriger ausfällt.

Zetsche: Das eine hängt nicht unbedingt mit dem anderen zusammen. Uns gibt es auch nach 126 Jahren noch - obwohl wir keinen Ankeraktionär haben. Im Gegenteil: Der stärkere Wind, der einem vom Aktienmarkt entgegenweht, kann auch Antrieb und Vorteil sein - solange man seine Entwicklungspolitik nicht nur am nächsten Quartalsergebnis ausrichtet.

SPIEGEL ONLINE: Noch vor wenigen Jahren hieß es, der Verbrennermotor sei tot, eine Dreckschleuder. Nun erreichen fast alle Hersteller drastische Verbrauchsreduktionen, teilweise bis zu 40 Prozent. Warum nicht früher?

Zetsche: Weil wir die Elektronik und die digitale Rechen-Power dafür brauchten. Heute können wir in Echtzeit die für jeden Drehzahlbereich optimale Einspritzmenge und den optimalen Zündzeitpunkt berechnen, mit Computern Simulationen durchführen und den perfekten Brennraum ermitteln. Das war noch vor wenigen Jahren undenkbar.

SPIEGEL ONLINE: Wie stark wird die Automobilindustrie von der Digitalindustrie unter Druck gesetzt? Google baut seit längerem am selbständig fahrenden Auto, gleichzeitig hält immer mehr Digitaltechnologie Einzug in die Fahrzeuge.

Zetsche: Ich sehe da keinen Druck, sondern eine einmalige Chance. Es gibt immer mehr Menschen, die always on sein wollen, stets online erreichbar. Das werden Autos in naher Zukunft bieten. Außerdem ermöglicht diese Technologie bald die Kommunikation der Fahrzeuge untereinander. Durch den Austausch in der Cloud, der Datenwolke, wird der Verkehr besser steuerbar. Wenn einen Kilometer vor Ihnen ein anderes Auto auf eine Eisplatte fährt, senden ABS- und ESP-Sensoren diese Informationen in die Cloud - und Sie sind gewarnt, wenn Sie an dieselbe Stelle kommen. Die Herausforderung sind die unterschiedlichen Entwicklungszyklen. Bei uns dauern sie in der Regel vier bis sieben Jahre. Google und Apple haben eine Planung, die über 18 Monate selten hinausgeht. Als wir die ersten Male zu denen kamen und etwas mit ihnen entwickeln wollten, was in drei Jahren verbaut werden soll, sagten sie. "Was in drei Jahren ist, wissen wir nicht."

SPIEGEL ONLINE: Träumen Jugendliche überhaupt noch von Autos? Oder ist denen ihr iPhone wichtiger?

Zetsche: Das glaube ich nicht. Sicherlich geht in hoch entwickelten Staaten und deren Metropolen die Bedeutung des Autos als Statussymbol zurück. Es übt nicht mehr die Faszination aus wie zu den seligen Zeiten des Autoquartetts. Und in Städten wie Tokio kann man mit einem Auto nicht viel anfangen. Gleichzeitig lösen Autos in Emerging Markets, zum Beispiel in Indien oder China, eine ähnliche Begeisterung aus wie hierzulande in den sechziger und siebziger Jahren und das generiert großes Wachstum.

SPIEGEL ONLINE: Bei der Arbeitsproduktivität liegen Sie deutlich hinter Ihren Wettbewerbern. Wie wollen Sie das ändern?

Zetsche: In dieser Verallgemeinerung trifft das nicht zu. Bei den Hours per Vehicle, also der Zeit, die die Produktion eines Autos braucht, liegen wir noch geringfügig hinter den beiden Hauptwettbewerbern. Wir haben in den letzten Jahren eine 30-prozentige Reduzierung der Produktionszeiten erreicht und werden kurzfristig nochmals 25 Prozent Besserung erzielen. Damit liegen wir dann wieder vor unserer Konkurrenz.

SPIEGEL ONLINE: Muss man nicht auch über die Personalkosten reden?

Zetsche: Ja, aber da bewegen wir uns absolut im Rahmen und stehen nicht schlechter da als unsere Konkurrenten.

SPIEGEL ONLINE: Konkrete Sparprogramme sind nicht geplant?

Zetsche: Das ist ein kontinuierlicher Prozess. Alles, was wir tun, müssen wir jederzeit prüfen und uns fragen, ob es effizienter geht. Das gehört einfach dazu.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt Befürchtungen, dass Sie mit unbequemen Maßnahmen warten, bis Ihr Vertrag verlängert wird.

Zetsche: Wenn Einsparungen erforderlich wären und ich sie aus Sorge um meinen Vertrag aufschieben würde, wäre ich falsch in meinem Job. Es geht immer um das Unternehmen, nicht um mich.

Das Interview führten Michail Hengstenberg und Christian Rickens

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insgesamt 94 Beiträge
mauimeyer 11.06.2012
Das war ja ein sehr artiges Interview! so konnte sich Herr Dr. Zetsche mal so richtig schön positionieren. Keine Fragen zu der lausigen Lackqualität der letzten Jahre, keine Frage zu dem Debakel mit Steuerketten, keine Frage zu [...]
Das war ja ein sehr artiges Interview! so konnte sich Herr Dr. Zetsche mal so richtig schön positionieren. Keine Fragen zu der lausigen Lackqualität der letzten Jahre, keine Frage zu dem Debakel mit Steuerketten, keine Frage zu den Gerichtsurteilen zum Thema Rost beim Vito und den unsäglichen Ausreden von der Daimler AG. Dafür schöne Prognosen für den Verkehr von 2032 und die Forderung nach Privilegien(Sonderparkplätze/sonderspuren usw.) für die E-motorisierten Dritt-Fahrzeuge von Kindern bzw. von Ehefrauen der super-verdienenden Manager. Bitte in Zukunft "härter" und "schärfer" hinterfragen! Bei dem Gehalt ist das Schmerzensgeld bereits enthalten! Kauri
juergw. 11.06.2012
mit diesen kleinenMängel wollen wir nicht rumnörgeln.Das sind im Preis Premiumprodukte.Die Milliarden die Chrysler gekostet hatte,hätte man lieber in die Qulität stecken sollen!!Heute lebt man noch vom Nimbus vergangener [...]
Zitat von mauimeyerDas war ja ein sehr artiges Interview! so konnte sich Herr Dr. Zetsche mal so richtig schön positionieren. Keine Fragen zu der lausigen Lackqualität der letzten Jahre, keine Frage zu dem Debakel mit Steuerketten, keine Frage zu den Gerichtsurteilen zum Thema Rost beim Vito und den unsäglichen Ausreden von der Daimler AG. Dafür schöne Prognosen für den Verkehr von 2032 und die Forderung nach Privilegien(Sonderparkplätze/sonderspuren usw.) für die E-motorisierten Dritt-Fahrzeuge von Kindern bzw. von Ehefrauen der super-verdienenden Manager. Bitte in Zukunft "härter" und "schärfer" hinterfragen! Bei dem Gehalt ist das Schmerzensgeld bereits enthalten! Kauri
mit diesen kleinenMängel wollen wir nicht rumnörgeln.Das sind im Preis Premiumprodukte.Die Milliarden die Chrysler gekostet hatte,hätte man lieber in die Qulität stecken sollen!!Heute lebt man noch vom Nimbus vergangener Jahrzehnte.
rolfseul 11.06.2012
Diese Frage ist nur hinterhältig. Was wollten die Reporter da hören? Das weiter Personal abgebaut wird, um den Gewinn weiter zu maximieren? Das ist schon fast ekelig, weil wir sprechen da über Menschen die Familie haben und deren [...]
Diese Frage ist nur hinterhältig. Was wollten die Reporter da hören? Das weiter Personal abgebaut wird, um den Gewinn weiter zu maximieren? Das ist schon fast ekelig, weil wir sprechen da über Menschen die Familie haben und deren Existens. Das hier der Spiegel nach der Pämisse: a bat new is a good new handelt, macht sie mit Sicherheit nicht sympatischer. Die frage hätte auch lauten können, wieviel arbeitsplätze Herr Zetsche gedenkt in naher Zukunft hier in Deutschland neu zu schaffen. Auch damit hätten sie ihr Ziel erreicht zu hören wohin der weg geht. Nur hat Herr Zetsche auf ihre heimtückische Frage ziemlich nichtssagend geantwortet und somit ihre Reporter dumm aussehen lassen.
favela lynch 11.06.2012
Das Problem ist, dass der Markenkern der technologischen Führerschaft, die wiederum den Motor des Fortschritts speist, durch die Produkte konterkarriert worden ist. Ein völliges Versagen zeigt die Kommunikation, welche bemüht ist, [...]
Das Problem ist, dass der Markenkern der technologischen Führerschaft, die wiederum den Motor des Fortschritts speist, durch die Produkte konterkarriert worden ist. Ein völliges Versagen zeigt die Kommunikation, welche bemüht ist, die Souveränität des Besten stets zu unterlaufen. Gerne auch durch misogyne Ausfälle oder Infantilitäten des Fahrers/ Besitzers. Besonders gerne auch in populistischer Kombination. Das Beste wird so gut wie nie erreicht. Nicht einmal im Ansatz. Ein Beispiel: Der aktuelle Spot mit der Nationalmannschaft. Vom Besten das Sounddesign, obwohl ein me-too, von Durchschnitt die Bildsprache, nicht erwähnenswert das Produkt und völlig falsch das insouveräne Gelaber vom Pulsschlag. Schlecht.
claudilein 11.06.2012
An Stelle der Autoentwickler würde ich eher auf Erdgasantriebe setzen, als auf Elektro. Erdgas ist momentan die einzige Möglichkeit, bei der eventuell in Zukunft langfristigere Speicherung elektrischer Energie möglich sein könnte [...]
An Stelle der Autoentwickler würde ich eher auf Erdgasantriebe setzen, als auf Elektro. Erdgas ist momentan die einzige Möglichkeit, bei der eventuell in Zukunft langfristigere Speicherung elektrischer Energie möglich sein könnte (also Strom-Gas-Strom), aber Gas zu verstromen um es dann in Autos in extrem teuren Batterien zwischenzuspeichern kommt mir ziemlich seltsam vor.
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  • Montag, 11.06.2012 – 12:15 Uhr
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Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Roadster, Chevy Volt/Opel Ampera, Think City


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