Studie über Käufer von Elektroautos Wer fährt eigentlich auf E ab?

Wer kauft ein Elektroauto? Und warum? Eine neue Studie liefert ein realitätsnahes Bild über Halter von E-Fahrzeugen. Die Ergebnisse überraschen - und räumen mit manchem Vorurteil auf.

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Elektroautos: Studie des DLR gibt Rückschlüsse auf den Alltag  der Fahrer
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Elektroautos: Studie des DLR gibt Rückschlüsse auf den Alltag der Fahrer


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Fahrer von Elektroautos sind unverbesserliche Ökos; sie kaufen für teures Geld Fahrzeuge, die sich kaum für die Urlaubsreise eignen, weil die Reichweite es nicht hergibt. Sie leben zwangsläufig in Großstädten, denn auf dem Land taugen E-Autos ohnehin nichts. Und wer ein batteriebetriebenes Fahrzeug fährt, der opfert Fahrspaß dem Ideal der sauberen Fortbewegung. So weit die Vorurteile.

Dass diese nicht stimmen müssen, geht aus einer aktuellen Studie hervor. Eigenen Angaben zufolge ist es die bislang größte und umfangreichste Analyse ihrer Art. Das Institut für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat im vergangenen Jahr mehr als 3000 private und gewerbliche Nutzer von Elektrofahrzeugen befragt - und liefert Antworten auf Fragen wie: Wer kauft ein Elektroauto? Und warum? Was erwarten die Käufer von einem E-Auto? Und wie nutzen Fahrer ihre batteriebetriebenen Fahrzeuge?

Elektroautos nicht nur für Großstädter

Für private Nutzer von E-Autos gilt laut DLR demnach: Überwiegend sind sie gut gebildet, männlich und verfügen über ein höheres Einkommen. Im Durchschnitt sind sie 51 Jahre alt.

Jeder zweite Nutzer wohnt in Kleinstädten und Landgemeinden mit einer Größe von weniger als 20.000 Einwohnern, lediglich knapp jeder Fünfte (22 Prozent) lebt der Studie zufolge in einer größeren Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern.

Das überrascht, da E-Autos bislang vor allem in Städten Chancen eingeräumt werden, weil die Reichweite rein batteriebetriebener Wagen nur für vergleichsweise kurze Strecken ausreicht und in vielen Ballungsgebieten öffentliche Ladestationen eingerichtet werden.

Für 80 Prozent der Befragten ist das E-Auto ein Zweitwagen. Allerdings: Die Hälfte der Halter hatte vor der Anschaffung eines Elektrofahrzeugs zwei herkömmliche Pkw - einer davon wurde bewusst durch ein elektrisches Auto ersetzt, so die Studienmacher.

Für den Kauf von Elektroautos sprechen den Forschern zufolge günstigere Energiekosten pro Kilometer und der Fahrspaß am Elektroantrieb. Aber auch das Interesse an innovativer Fahrzeugtechnologie und die Reduzierung der Umweltbelastung seien dominierende Beweggründe für den Kauf eines E-Fahrzeugs - sowohl bei den privaten als auch bei den gewerblichen Nutzern.

Alltag ja, Urlaub nein

Den DLR-Forschern zufolge werden E-Fahrzeuge im Privaten wie konventionelle Pkw genutzt: 43 Kilometer legen rein batteriebetriebene Fahrzeuge an einem Werktag im Durchschnitt zurück. Plug-in-Hybride legen im Durschnitt 42 Kilometer zurück, davon 30 Kilometer elektrisch.

Auf die jährliche Fahrleistung gesehen zeigen sich jedoch Unterschiede: Fahrer von rein batteriebetriebenen E-Autos legen mit ihren Neuwagen jährlich 10.300 Kilometer zurück, Nutzer von Plug-in-Hybriden 13.600 Kilometer. Ein herkömmlicher Pkw wird häufiger bewegt: im Schnitt 15.400 Kilometer.

Der Grund: Wochenend- und Urlaubsfahrten machen mehr als die Hälfte der privaten Nutzer nicht mit dem E-Auto. Fast drei von vier Befragten (72 Prozent) greifen für Ausflüge und längere Strecken noch auf einen zusätzlichen, "normalen" Pkw zurück, so die Forscher.

Die meisten privaten Nutzer laden ihr Elektrofahrzeug demnach täglich am Wohnort. Etwa ein Drittel (36 Prozent) der Befragten nutze zusätzliche Lademöglichkeiten am Arbeitsplatz. Mit anderen Worten: Dort, wo das Auto lange steht, wird es auch geladen. Lademöglichkeiten im öffentlichen Raum spielen kaum eine Rolle, so die Studie.

Weit weg vom Millionen-Ziel der Politik

Insgesamt zeigten die Befragten sich sehr zufrieden mit ihren Neuwagen. 84 Prozent der privaten Halter würden die Anschaffung eines E-Autos weiterempfehlen. Die Mehrheit der gewerblichen Elektrofahrzeughalter plane sogar die Anschaffung weiterer batteriebetriebener Fahrzeuge. "Deswegen bildeten die Befragten (die sogenannten 'Early Adopter') einen soliden Ausgangspunkt zur weiteren Verbreitung von Elektrofahrzeugen", so die Forscher.

Denn die Bundesregierung möchte bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen sehen. Hierfür dürfen Kommunen neuerdings E-Autos Privilegien einräumen - etwa kostenloses Parken oder das Befahren der Busspuren. Kaufanreize wie im Musterland der Elektromobilität Norwegen lehnt die Regierung aber nach wie vor ab.

Dabei stagnierte der Anteil alternativer Antriebe am Pkw-Bestand: Laut Kraftfahrtbundesamt 2014 lag der im Vergleich zum Vorjahr bei 1,6 Prozent. Ein Großteil entfällt jedoch auf Flüssiggas mit knapp 500.000 Wagen. Auch wenn Hybride mit 107.754 Einheiten im gesamten Bestand und Elektroantriebe mit 18.948 Fahrzeugen zuletzt auf sehr niedrigem Niveau kräftig zulegten, bleiben sie angesichts der rund 62,4 Millionen Wagen im gesamten Fahrzeugbestand praktisch unsichtbar - und liegen Längen entfernt vom Millionen-Ziel. Anfang 2015 betrug ihr Anteil 0,5 Prozent. Laut Vorhaben der Politik müssten es bis 2020 auf heutiger Bestandsbasis rund achtmal so viel werden.

Zusammenfassung: Das DLR-Institut für Verkehrsforschung hat mehr als 3000 Fahrer von Elektroautos befragt und liefert ein realitätsnahes Bild über die Nutzung von batteriebetriebenen Fahrzeugen. Der typische Käufer ist demnach männlich, gebildet, 51 Jahre alt und wohnt eher ländlich. Das E-Auto ist meist ein Zweitwagen, der einen herkömmlichen Pkw ersetzt - für den Alltag bestens, für den Urlaub weniger geeignet. Dennoch sind die Käufer sehr zufrieden mit dem Neuwagen.

Mit Material von dpa.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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shark 26.05.2015
1. Solange
die ganzen Abgeordneten und Landräte noch mit großvolumigen Otto-Motoren vorlieb nehmen, warum sollte ich? Fährt unsere Frau Merkel ein E-Auto? -Sicher nicht- Getreu dem Motto. Selbst Wein trinken und von Wasser erzählen!!!!
Fletsch 26.05.2015
2. Wieso in der Stadt?
Ein E-Auto war noch nie für die Stadt geeignet. Erstens fährt man dort kurze Strecken mit öffentlichen Verkehrsmitteln, und zweitens hat man dort keine eigenen Parkplätze mit Ladestation. Für das Wohnen in den Randgebieten oder in kleinen Gemeinden ist es hingegen perfekt: man lädt das Auto abends immer an der heimischen Steckdose auf, und tagsüber fährt man ja selten mehr als 50-80 km (die derzeitige Reichweite der e-Autos), und die auch nur wenn man pendelt. Des Weiteren eignen sie sich auch für Taxis, deshalb sind fast alle UberX in London Toyota Prius. Ich hoffe, dass es bald mehr Autos mit einer Reichweite von 300km gibt, dann gibt es kaum noch Gründe, KEIN e-Auto zu fahren (wobei mir die physikalischen Barrieren zu einer 300 km Reichweite sehr bewusst sind).
Hilfskraft 26.05.2015
3. wer?
Leute, die einen Haufen Kohle haben. Leute, die die Kohle locker für Spielzeuge aller Art auf den Kopf hauen mögen. Leute, die auffallen wollen und mit Spaß am ständigen "Aufladen". Leute mit Steckdose in Garage oder am Haus. Experimentierfreudige Leute. Die meisten können mit solch einem Spielkram also leider nichts anfangen ...
vollzeitpoltiker 26.05.2015
4. Das überrascht ?
Na wirklich überraschend finde ich die Zahlen nicht, die meisten Leute auf dem Land nutzen es als Zweitwagen oder Drittwagen, um Umweltfreundlich zur Arbeit zu kommen In der Stadt braucht man kein Elektroauto, da fährt man Bus oder Bahn oder die Zielgruppe nutzt Carsharing, warum sollte hier der Anteil besonders hoch sein ? Vllt. ist höchstens der Anteil mit 20% die echt nur ein Elektroauto haben überraschend hoch
observer2014 26.05.2015
5. Keine Überraschung
Das Ergebnis der Studie ist für mich keine Überraschung. Was fehlt ist die Angabe, ob die gutverdienenden Männer über 50 auch eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach haben und den selber gewonnnen Strom für das Aufladen der Autobatterie verwenden.Die Kinder morgens zur Schule zu bringen oder zum Einkaufen in den nächsten Supermarkt bzw. zum nächsten Discounter zu fahren, dürfte auch auf dem Lande mit einem E-Auto durchaus möglich sein. Dass die E-Autos derzeit nicht über die Rolle des Zweitwagens hinauskommen ist aufgrund der begrenzten Reichweite wenig verwunderlich. Die Frage, die sich jetzt stellt, ist ob ein Zweitwagen der quasi nur im Nahverkehr eingesetzt wird auch all die technischen Assistenzsysteme braucht wie ein normales Auto. Ein Stadtbus im ÖPNV ist doch auch nicht mit einem modernen Reisebus vergleichbar. Wenn alles unnötige aus den E-Autos verbannt wird, könnten die Herstellungskosten massiv gedrückt werden und die E-Autos zu einem akzeptablen Preis als Zweitauto angeschafft werden, ganz ohne staatliche Subventionen.
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