Autogramm Donkervoort D8 GTO: Der Härtefall

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Autogramm Donkervoort D8 GTO: Tieffliegender Holländer Fotos
Tom Grünweg

Porsche, Ferrari, Lamborghini - im Vergleich mit dem Donkervoort D8 GTO sind selbst die Spitzenmodelle dieser Hersteller Autos für Warmduscher. 695 Kilo Gewicht und 380 PS Leistung erzeugen im Extrem-Roadster aus Holland ein Fahrgefühl wie ein Faustschlag.

Der erste Eindruck: Vorne Rennwagen, hinten Hotrod - mit freistehenden Vorderrädern und breitem Heck sieht der Donkervoort D8 GTO im Rückspiegel aus wie ein Formel-1-Renner und von oben wie ein spitzes Dreieck. Wo man auch auftaucht mit dem Roadster, die Blicke sind einem sicher, was natürlich der Eitelkeit des Besitzers schmeichelt. Zum Ein- und Aussteigen jedoch sollte man sich besser ein abgelegenes Plätzchen suchen, denn das enge Auto ist eine gymnastische Herausforderung.

Das sagt der Hersteller: Fahren um des Fahrens willen, lautet der Leitgedanke von Joop Donkervoort, der seit 35 Jahren Autos baut und die Idee des Lotus Super Seven so weit verfeinert hat, dass außer der Grundform nichts mehr an den alten Brit-Boliden erinnert.

"Leichtbau ist das A und O für puristisches Fahren", sagt der Holländer Donkervoort. Weil der GTO als neue Entwicklung um einen neuen Motor herum etwas größer und schwerer geworden ist, kommt erstmals Karbon im großen Stil zum Einsatz. "So beschränken wir die Gewichtszunahme auf ein Minimum."

Das ist uns aufgefallen: Hoppla, das geht aber flott. Schon auf den ersten Metern überrascht der Donkervoort mit einer Vehemenz, die kaum ein anderer Sportwagen bietet. Sobald der erste Gang ins Getriebe klackt und die Kupplung zuschnappt, macht der Wagen einen Satz. Weil das Leistungsgewicht geringer ist als bei einem Bugatti Veyron oder Ferrari FF, ein PS also nicht einmal zwei Kilo bewegen muss, wird die Beschleunigung fast explosiv.

Vorsicht ist also angebracht während der Testfahrt rund um den Firmensitz in Lelystad vor den Toren Amsterdams. Man sitzt geschützt von einem Überrollbügel und festgezurrt mittels eines Sechspunktgurtes im Auto, doch einen Airbag oder elektrische Fahrhilfen gibt es nicht - das würde das Fahrgefühl verwässern.

Das muss man sich klar machen, denn die nächste Überraschung lauert noch vor der ersten Kurve. Wer zu spät anbremst, begreift sofort, wie viel Arbeit in einem normalen Auto der Bremskraftverstärker übernimmt. Bei einem Donkervoort muss man sehr kräftig zutreten, damit sich die Klauen um die Bremsscheiben in den 17-Zoll-Rädern schließen.

Ein wenig zu viel Schwung verzeiht das Auto jedoch, denn dank des tiefen Schwerpunkts und der breiten Spur hat der GTO eine faszinierend stabile Straßenlage; die möglichen Kurvengeschwindigkeiten gibt daher eher die Physis des Fahrers statt die Physik vor: Ehe das Auto den Halt verliert, rebelliert schon längst der Magen des Fahrers.

Das muss man wissen: Donkervoort ist ein Familienbetrieb, der 1978 gegründet wurde. Neben Joop Donkervoort und seiner Frau arbeiten auch Sohn und Tochter sowie gut zwei Dutzend Mechaniker im Unternehmen. Derzeit verlassen die letzten Exemplare des bisherigen Modells GT die Halle. Parallel wurde - nach rund fünf Jahren Entwicklungszeit - jetzt die Fertigung des GTO gestartet. 25 Autos sind bereits verkauft, die nächsten Monate also wird bei Donkervoort Hochbetrieb herrschen. Etwa 600 Arbeitsstunden sind nötig, um den Gitterrahmen aus Alurohren zu bauen, die Karbonteile zu fertigen und den Antrieb einzubauen. "Wenn wir uns eingespielt haben, sollten wir es in 400 Stunden schaffen", sagt Donkervoort.

Am wenigsten Aufwand bereitet der Motor. Denn den kauft Donkervoort wie bisher bei Audi. Statt eines Vierzylinders kommt nun allerdings der Fünfzylinder-Turbo aus dem TT RS zum Einsatz, der im Donkervoort um 90 Grad gedreht und noch ein bisschen getunt wird. Im Basismodell und der Touring-Version leistet das Aggregat 340 PS, in der hier vorgestellten Performance-Variante sogar 380 PS.

Während die Leistung in der Modellhierarche steigt, geht das Gewicht zurück. Die Standardversion wiegt 760 Kilo, das Spitzenmodell lediglich 695 Kilo. Die Preisspanne reicht von knapp 130.000 Euro bis gut 140.000 Euro; dazu kommen dann noch die Sonderwünsche der Kunden. In Deutschland gibt es aktuell einen Donkervoort-Stützpunkt, demnächst sollen drei weitere dazu kommen. Dennoch sagt der Firmenchef: "Einmal sollte der Kunde schon zu uns nach Holland kommen, spätestens zur Auslieferung."

Den Arbeitsablauf in der kleinen Fabrik bringt das nicht groß durcheinander. Denn mehr als 40 bis 60 Autos wird Donkervoort in einem vollen Jahr vorerst nicht bauen, mittelfristig sollen es rund 100 Autos werden. Ob das gelingt oder nicht, aktuell ist Donkervoort der größte Automobilhersteller im Land.

Das werden wir nicht vergessen: Die schweren Beine und die schlappen Arme nach zwei Stunden Testfahrt. Denn während sich Porsche, Ferrari & Co. mittlerweile mit dem kleinen Finger fahren lassen, ist der Trip in der nackten Rakete ein echter Kraftakt. Und dann sind da noch die vielen Fliegen, die einem der Fahrtwind ins Gesicht und zwischen die Zähne knallt. Als Purist muss man so was aushalten können.

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insgesamt 51 Beiträge
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1.
Gegengleich 19.08.2013
Zitat von sysop...die Blicke sind einem sicher, was natürlich der Eitelkeit des Besitzers schmeichelt... Donkervoort D8 GTO: Puristischer Roadster mit Audi-Fünfzylinder - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/donkervoort-d8-gto-puristischer-roadster-mit-audi-fuenfzylinder-a-912695.html)
Nicht jeder Blick sagt: "Oh, wie hübsch"!. Beobachten Sie einfach mal extrem Dicke/Dünne/Häßliche auf ihrem Weg durch eine Fußgängerzone....
2.
geirrod81 19.08.2013
SPON kann man zunehmend nicht mehr ernst nehmen. Letzte Woche war die Wiesmann-Insolvenz. Da wurde schön gelästert, was die doch für hässliche, unwirtschaftliche Karren bauen. Und das eben der Purismus doch nicht so toll ist, die Kiste ein Mantainterieur besitzt und blablabla... Okay, der Donkervoort ist billiger, aber genau so ein Platzhirsch wie ein Wiesmann. Mir gefallen die Autos - aber wenn die Firma Konkurs geht - haben es alle dann bestimmt doch schon wieder vorher gewusst, warum es so kommen musste (siehe Wiesmann).
3. Der X-Bow von KTM
widerspiegel 19.08.2013
kostet nicht soviel und ist genauso extrem ausgelegt.
4. Pubertär
jouvancourt 19.08.2013
Ich denke, der Fahrer erntet eher amüsierte Blicke, denn das Auto ist einfach jugendliches Seifenkistenfahren! Trotzdem toll, dass es noch so richtig brachiale Autos ohne hundert elektronische Helferlein gibt!
5. Aha,
Just4fun 19.08.2013
Zitat von sysop"Und dann sind da noch die vielen Fliegen, die einem der Fahrtwind ins Gesicht und zwischen die Zähne knallt. Als Purist muss man so was aushalten können."
deshalb ist die Windschutzscheibe ja auch nur schmückender, aber nutzloser Schnickschnack ...
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Fahrzeugschein
Hersteller: Donkervoort
Typ: D8 GTO
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: Fünfzylinder-Turbo-Benzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Heck
Hubraum: 2.480 ccm
Leistung: 380 PS (279 kW)
Drehmoment: 475 Nm
Von 0 auf 100: 2,8 s
Höchstgeschw.: 270 km/h
Verbrauch (ECE): 10,0 Liter
Gewicht: 695 kg
Maße: 3740 / 1850 / 1140
Preis: 142.032 EUR


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