Öffentlicher Nahverkehr In Dünkirchen dürfen alle gratis Bus fahren

Ohne Fahrschein im Bus: Ab September ist das im nordfranzösischen Dünkirchen kein Problem. Und wie sieht es in deutschen Städten aus?

Wartende Menschen an einer Straßenbahnhaltestelle
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Wartende Menschen an einer Straßenbahnhaltestelle


Gratis Bus fahren: Darauf können sich Bürger und Besucher der nordfranzösischen Stadt Dünkirchen freuen. Ab September ist dort der Nahverkehr gratis. "Ziel ist, die Leute wieder in die Busse zu bringen", sagte Bürgermeister Patrice Vergriete. Damit sollen die Straßen der Stadt nahe der belgischen Grenze entlastet werden.

Bei Versuchen am Wochenenden sei die Bus-Nutzung um bis zu 60 Prozent gestiegen, so der Bürgermeister weiter. Dünkirchen hat rund 200.000 Einwohner. Mehr als ein Dutzend französische Kommunen experimentieren bereits mit kostenlosem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), auch in der Hauptstadt Paris ist die Metro in Zeiten von Smog in der Regel kostenlos.

Fünf deutsche Städte könnten Gratis-ÖPNV testen

Auch in Deutschland wird im Kampf gegen schlechte Luft immer wieder ein kostenloser öffentlicher Nahverkehr gefordert - und fünf deutsche Städte hätten sogar die Möglichkeit, ihn zu testen: Bonn, Essen, Herrenberg (Baden-Württemberg), Reutlingen und Mannheim sollen als Modellstädte Maßnahmen zur Luftverbesserung ausprobieren. Das Bundesumweltministerium brachte dort einen kostenlosen ÖPNV als Option ins Spiel - es zeigte jedoch keine der Kommunen Interesse.

Das liegt einerseits an den Kosten: Vor allem für größere Städte wäre ein kostenloser ÖPNV mit hohen Ausgaben verbunden. So würden beispielsweise beim Hamburger Verkehrsverbund Einnahmen durch Fahrkartenverkäufe in Höhe von 830 Millionen Euro wegfallen - damit wäre ein Jahr Gratis-Nahverkehr so teuer wie die Hamburger Elbphilharmonie.

Hohe Verluste durch fehlende Ticketeinnahmen

Auch potenzielle Einsparungen durch den Wegfall der Kosten für Verkaufsautomaten und Fahrscheinkontrollen wiegen diesen Verlust nicht auf, erklärte der Verkehrswissenschaftler Oded Cats gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Automaten und Schaffner verursachen im Schnitt nicht mehr als drei bis fünf Prozent der Betriebskosten." Die Einkünfte durch den Fahrkartenverkauf seien dagegen in westeuropäischen Städten für 40 bis 60 Prozent der Einnahmen verantwortlich, so Cats weiter. Die Finanzierungslücke müsste dann mit Steuergeldern beglichen werden.

Statt Gratis-ÖPNV wollen die fünf deutschen Modellstädte auf verbilligte Tickets und mehr Busse und Bahnen setzen. Das geht aus einem Maßnahmenpapier hervor, das dem "Handelsblatt" vorliegt.

Autofahrer steigen nicht auf kostenlose Busse um

Der Gratis-Nahverkehr ist nicht nur wegen der Kosten umstritten, sondern auch, weil Autofahrer sich durch die Maßnahme nicht zwingend umstimmen lassen. Die estnische Hauptstadt Tallinn setzt beispielsweise seit 2013 auf kostenlosen Nahverkehr. Dort stieg die Zahl der Fahrgäste zwar an. Das geht allerdings zurück auf Passagiere, die vorher zu Fuß gegangen sind und diese Wege nun mit dem ÖPNV zurücklegen.

Am Autoverkehr änderte sich durch den kostenlosen Nahverkehr dagegen fast gar nichts. Weniger Autos auf den Straßen sind jedoch das Ziel der Modellstädte, um die Stickoxidbelastung zu verringern.

Das soll neben erhöhten Kapazitäten durch vergünstigte Tickets gelingen: So wollen Bonn und Reutlingen Jahrestickets für 365 Euro anbieten, in Essen sollen Neukunden beim Abschluss eines Abo-Tickets für 30 Monate nur 15 Monate bezahlen. Mannheim und Herrenberg wollen dagegen die Preise um ein Drittel beziehungsweise die Hälfte senken.

ene/AFP/dpa

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makromizer 29.06.2018
1. Dynamische City-Maut
wäre viel sinnvoller. Wenn Autos als störend wahrgenommen werden, sollten sie sich entsprechend an ihrer Störung finanziell beteiligen, statt die Kosten der Allgemeinheit durch steuerfinanzierte Alternativen aufzudrücken.
zyj34514 29.06.2018
2. ein Blick über'n Zaun
ist manchmal sehr hilfreich. Z.B.: ins viel gescholtene Österreich. In Wien ist der ÖPNV billig, sauber, zuverlässlich, sicher und in kurzen Taktzeiten unterwgs. Wei funktioniert das? Einfach: Parken ist extrem teuer und nur im eigenen der 20 Wiener Bezirke ganz kostenfrei; sonst 10 Min. umsonst, dann jede Stunde 2,70€ (Stand 2014). Parkhäuser in der Innenstadt Mangelware und ebenfalls teuer. Oder Amsterdam: Eine vernünftige Gestaltung des Straßenraumes: Auf Hauptverkahrsstraßen gibt es nebeneinander: Fußweg, Fahrradweg. Parkbuchten für PKW und maximal eine PKW-Spur. Parkhaus in der Innenstadt: 70 €/Tag, am Straßenrand 4€/Stunde. Erfolg: Mehr Radfahrer als Autos, die meist nur 30km/h fahren dürfen. Kurz gesagt: macht das Umsteigen in den ÖPNV lukrativ und einfach und das Autfahren schwer und teuer undschon hat man eine lebenswerte Stadt.
rainerwäscher 29.06.2018
3. Unsinn
Es sind nicht die Kosten, die mich vom Busfahren abhalten, sondern die anderen Leute. Und das wird bestimmt nicht besser, wenn's nichts mehr kostet.
fred_m 29.06.2018
4. Weiteres Beispiel
Lille (Frankreich): die Parkplätze an der Metro-Endhaltestelle "Grand Stade" sind gratis. Die Tageskarte für den ÖPNV in Lille kostet 5 Euro pro Person.
vitalik 29.06.2018
5.
Zitat von makromizerwäre viel sinnvoller. Wenn Autos als störend wahrgenommen werden, sollten sie sich entsprechend an ihrer Störung finanziell beteiligen, statt die Kosten der Allgemeinheit durch steuerfinanzierte Alternativen aufzudrücken.
Beteiligen sich die Autofahrer nicht schon genug? Zwar ist die KFZ-Steuer und die Energiesteuer (auf Benzin und Diesel) nicht zweckgebunden, aber der Autofahrer zahl diese nun Mal. Durch diese Gelder wird auch die Infrastruktur bezahl. Die Infrastruktur die dafür sorgt, dass der LKW die Zutat für die Brötchen zum Bäcker bringt oder der ÖPNV-Bus fahren kann. Würden die Menschen spontan ihre Fahrzeug verkaufen, würde dem Staat Milliarden fehlen. Von einer Lösung seitens des Staats, wie diese fehlenden Mittel aufgefangen werden können, habe ich noch nichts gehört.
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