Dymaxion-Auto U-Boot auf Landgang

Der britische Architekt Sir Norman Foster, unter anderem bekannt durch den Bau der Glaskuppel über dem Reichstag in Berlin, ist auch ein großer Autoenthusiast. Jetzt baute er erstmals selbst ein Fahrzeug - nach dem Vorbild seines Ex-Kollegen Richard Buckminster Fuller.

Gregory Gibbons

Von Jürgen Pander


Es gibt ein Dymaxion-Haus, das sich zusammenlegen und woanders wieder aufbauen lässt, es gibt eine Dymaxion-Weltkarte, auf der die Erdoberfläche in ungewöhnlicher Form dargestellt ist, und es gibt ein Dymaxion-Auto. Es wurde 1933 entwickelt, bot Platz für elf Passagiere, besaß lediglich drei Räder und sah aus wie ein an Land gekrochenes U-Boot. Alle Dymaxion-Ideen stammen von Richard Buckminster Fuller, einem amerikanischen Architekten, Utopisten und Tausendsassa, der bis heute berühmt ist für seine geodätischen Kugelbauten.

Zwischen 1971 und 1983 arbeiteten Fuller und Foster immer wieder zusammen - der Brite kannte also die Vorlieben des amerikanischen Architekten. Und er kannte wohl auch Dymaxion-Auto (das Wort ist ein Akronym für "dynamic maximum tension"), das Fuller konstruiert hatte, um die Autowelt zu revolutionieren. Doch nach einem tragischen Unfall mit mehreren Toten und Schwerverletzten auf der Weltausstellung 1933 in Chicago verloren prompt alle potenziellen Investoren das Interesse an der Konstruktion.

Gelenkt wird mit dem Hinterrade, Pirouetten sind also möglich

Insgesamt wurden lediglich drei Dymaxion-Autos gebaut. Die etwa sechs Meter langen Fahrzeuge trugen den Motor im Heck, angetrieben wurden jedoch die beiden Vorderräder, während mit dem hinteren Rad gelenkt wurde. Dadurch konnte das Dymaxion-Auto sich praktisch auf der Stelle um die eigene Achse drehen. Zudem lag der Verbrauch des aerodynamisch günstig geformten Fahrzeugs bei lediglich 7,8 Liter je 100 Kilometer - für die frühen dreißiger Jahre ein phantastischer Wert für einen Pkw dieser Größe.

Ein Dymaxion-Auto überlebte bis heute, es steht im "National Automobile Museum" in Reno im US-Staat Nevada. Diese Modell diente Sir Norman Foster als Blaupause für eine Neuauflage des visionären Fahrzeugs, das auf der gerade zu Ende gegangenen Retrospektive "Bucky Fuller & Spaceship Earth" in Madrid gezeigt wurde. Gebaut wurde der Dymaxion des 21. Jahrhunderts von der englischen Spezialfirma Crosthwaite and Gardiner, als Fahrgestell diente ein Ford Tudor Sedan von 1934. Sir Norman Foster berichtete der englischen Zeitung "The Guardian" euphorisch von einer Fahrt mit dem spektakulären Auto aus einer fernen Zeit: "Das Dymaxion zu fahren ist eine Offenbarung." Schade, dass die wohl nur ganz wenigen Auserwählten zu Teil werden wird.



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DeeDeeBee 02.11.2010
1. ?
Zitat von sysopDer britische Architekt Sir Norman Foster, unter anderem bekannt durch den Bau der Glaskuppel über dem Reichstag in Berlin, ist auch ein großer Autoenthusiast. Jetzt baute er erstmals selbst ein Fahrzeug - nach dem Vorbild seines Ex-Kollegen Richard Buckminster Fuller. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,726111,00.html
Foster kopiert wieder `mal eine Idee des großartigen Buckminster Fuller und dem SPIEGEL ist es eine Meldung wert. Euer Blatt und auch euer Online - Magazin wäre gut gefüllt, würdet ihr von den vergeichsweisen Großtaten der Kreativen berichten, nicht von gehypten Kopisten.
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