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09. August 2012, 06:30 Uhr

Staus und Sperrungen

Traum von der Blitzbaustelle

Nie wieder Vollsperrung, nie wieder Stau. Das verspricht der Israeli Gosha Galitsky - seine futuristische Maschine soll den Straßenbau revolutionieren. Das Prinzip der gewagten Vision: Unten wird der Belag erneuert, oben läuft der Verkehr weiter.

Die Instandhaltung von Straßen ist so unvermeidlich wie nervtötend. Denn wo Fahrbahnen erneuert werden, staut sich in der Regel über Wochen der Verkehr, weil einzelne Spuren oder ganze Streckenabschnitte gesperrt sind. Deshalb wird jeder Autofahrer, der schon mal über Straßenbaustellen geflucht hat, die Idee von Gosha Galitsky lieben. Er hat im Rahmen seiner Studienarbeit Pläne für eine Maschine entworfen, die Umleitungen und Sperrungen überflüssig machen soll.

Dynapac Red Carpet heißt die Entwicklung des israelischen Industriedesigners. Dabei handelt es sich um ein langes Kettenfahrzeug mit einfachem Prinzip: Unten wird der Straßenbelag erneuert, oben fahren die Autos über eine Rampe. Eine Art Wanderbaustelle mit integrierter Brücke. Noch ist das Projekt eine Zukunftsvision - aber Galitsky hofft tatsächlich, mit der Maschine die Verkehrssituation in Städten zu verbessern.

"In den Metropolen hat es immer schlimmere Folgen, wenn der Verkehrsfluss durch Baustellen unterbrochen wird", sagt Galitsky. Schon heute entstehe oft ein Chaos, wenn wichtige Verkehrsadern wegen Instandsetzungsarbeiten nicht befahrbar seien. "Die Art und Weise, wie Asphaltschäden derzeit behoben werden, ist deshalb nicht mehr zeitgemäß", sagt der Israeli, "bei dem Prozess werden Maschinen eingesetzt, die ursprünglich für den Bau von neuen Straßen konstruiert wurden. Für die Arbeiten müssen die Fahrbahnen teilweise oder sogar komplett gesperrt werden."

Operation am offenen Herzen

Die von Galitsky erdachte Maschine praktiziert dagegen eine Operation am offenen Herzen. An der Vorderseite des Fahrzeugs wird die obere Schicht des beschädigten Straßenbelags mit Mikrowellenhitze aufgeweicht, abgetragen und in einen großen Tank geschaufelt. Darin wird das Material mit neuem Bindemittel vermengt und anschließend wieder auf die Straße aufgetragen. Walzen an der Rückseite des Fahrzeugs pressen den frischen Asphalt dann fest. "Weil sich der Dynapac Red Carpet langsam fortbewegt ist der ausgebesserte Asphalt abgekühlt und stabil genug, um den nachfolgenden Verkehr aushalten zu können", sagt Galitsky, "und über eine Rampe rollen die Autos dabei ungehindert über das Gerät hinweg."

Die Wiederverwertung von altem Belag nennt sich Hot-in-Place-Recycling und wird beim Straßenbau bereits angewandt. "Sämtliche Technologien, die bei dem Konzept zum Tragen kommen, sind schon erprobt", sagt Galitsky. "Natürlich muss dabei noch vieles weiterentwickelt werden und vor allem die Sicherheit der Autofahrer gewährleistet sein", räumt er ein. "Aber es war mir vor allem wichtig, neue Impulse für die Straßenbau-Industrie zu liefern."

Bei der Analyse der traditionellen Methoden der Straßenarbeiten arbeitete Galitsky mit deutschen Ingenieuren von Dynapac zusammen, einem Hersteller von Verdichtungstechnik, Straßenfertigern und Kaltfräsen. "Meine Aufgabe bei der Kooperation war es, kreativ mit den gegebenen technischen Möglichkeiten umzugehen", erzählt er.

Mit seinem Konzept will Galitsky nun eine effizientere und umweltverträglichere Alternative zu den herkömmlichen Lösungen bieten. Denn selbst die Innovationen für eine nachhaltigere Mobilität seien auf freie Wege angewiesen: "Hybridautos, Carsharing und öffentliche Verkehrsmittel bringen einen großen Nutzen für die Umwelt", sagt er, "aber auf Straßen wird man deswegen nicht verzichten können."

cst

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