E-Auto Heuliez Mia Knubbel-Kiste mit Stromanschluss

Auf dem Autosalon in Genf wird es nur so wimmeln vor Konzeptautos mit Alternativ-Antrieb - nur kaufen kann man sie nicht. Eine Ausnahme ist das Elektroauto Mia des Ex-VW-Designers Murat Günak. Noch in diesem Jahr sollen die ersten 1500 Stück angeboten werden.

Von Jürgen Pander


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Heuliez Mia: Wir können dann losstromern
Murat Günak hat als Autodesigner schon einen weiten Weg zurückgelegt. Er arbeitete bei Ford, war danach Designchef bei Peugeot, Mercedes und VW, gründete dann die Firma Mindset, wo er ein erstaunliches Elektro-Coupé entwickelte - und tritt jetzt als Frontmann eines völlig neuen Autoprojekts in Erscheinung.

"Das Auto der Zukunft wird leicht, kompakt, emotional, sauber, unkompliziert und sympathisch sein müssen", glaubt Günak. Auf dem Genfer Autosalon präsentiert er deshalb den Mia - ein Elektroauto, dessen Design unter seiner Leitung entstand und dessen Serienfertigung er nun mit Verve voran treibt.

Eigentlich handelt es sich um ein Projekt der französischen Karosseriefirma Heuliez. Das Unternehmen aus Cerizay südöstlich von Nantes baute unter anderem Autos wie das Peugeot-Cabrio 206 CC oder den Opel Tigra Twin-Top - es ist eine Art französischer Karmann. Leider passt der Vergleich auch wirtschaftlich, denn vor einem Jahr musste Heuliez Insolvenz anmelden. Nun aber sieht die Zukunft wieder verheißungsvoller aus: Ein türkischer Investor steht parat - dazu kommt eben das Elektroautoprojekt Mia.

Der Wagen sieht aus wie eine Box auf Rädern. Das Auto ist 2,86 Meter lang, 1,65 Meter breit und 1,55 Meter hoch. Es hat drei Sitzplätze, wobei der Fahrer vorne in der Mitte Platz nimmt, die beiden Passagiere nach hinten versetzt links und rechts von ihm. Eine Schiebetür auf jeder Seite öffnet den Innenraum, das Ein- und Aussteigen soll so - und vor allem wegen der ungewöhnlichen Sitzanordnung - sehr bequem sein. "Sie können zum Beispiel Kinder von vorne in ihren Sitz heben und festschnallen, das sonst übliche Gefummel von der Seite entfällt", sagt Günak. Testpersonen, die mit Prototypen des Mia unterwegs waren, hätten dies stets besonders gelobt - und darüber hinaus die technische Besonderheit des Autos so gut wie vergessen.

Die Lithium-Phosphat-Batterien sind in zwei Stunden wieder aufgeladen

Der Mia ist nämlich ein Elektroauto. "Und zwar eines, das zu 100 Prozent auf Elektroantrieb ausgelegt ist, es gibt keine Kompromisse", behauptet Günak. Leichtbau spielte daher eine vorherrschende Rolle. Der Wagen wiegt 550 Kilogramm - allerdings ohne Batterien, denn die kann man je nach Einsatzzweck wählen. Es gibt drei Typen, nämlich mit sechs, zwölf und 18 Kilowattstunden Speicherkapazität. "Die kleinste Batterie ermöglicht eine Reichweite von 80 bis 100 Kilometer und wiegt 70 Kilogramm", sagt Günak. Wird aufgestockt, erhöhen sich Reichweite und Gewicht entsprechend.

Nicht nur der variierbare Stromspeichers ist neu, sondern auch die Batterie selbst. Zum Einsatz kommen nicht Lithium-Ionen-, sondern Lithium-Phosphat-Akkus. Die können zwar nicht so viel Energie speichern, doch das ist beim Leichtgewicht Mia, das maximal 110 km/h schnell werden soll, auch gar nicht nötig. "Dafür gibt es kein Hitzeproblem wie bei Lithium-Ionen-Akkus. Wir können daher auf eine Kühlung verzichten, was die Komplexität verringert und die Kosten senkt", erklärt Günak. Der größte Vorteil der Lithium-Phosphat-Akkus aber ist die überschaubare Ladezeit: In zwei Stunden ist die leere Batterie wieder voll - an einer normalen Steckdose.

Das Auto ist fertig, die Serienproduktion soll demnächst beginnen

Der Mia ist praktisch serienreif. "In Genf", sagt Günak, "muss es uns gelingen, das Projekt wachzuküssen, das bis jetzt im Verborgenen eine Art Dornröschenschlaf hielt". Das könnte gelingen, denn neben dem fertig entwickelten Auto kann die französische Firma auch schon wichtige Details zur Vermarktung nennen. Zum Beispiel, dass noch in diesem Jahr 1500 und im kommenden Jahr 10.000 Mia-Modelle gebaut werden sollen. Und auch, dass in Deutschland, Frankreich und Skandinavien bereits Vertriebspartner gefunden wurden. Und schließlich den Preis des fröhlich-knubbeligen Elektromobils: 14.990 Euro netto, aber inklusive Standard-Batteriesatz.

Ist das nicht doch nur eine weitere schöne Ankündigung in Sachen Elektromobilität, die rasch verpuffen wird? Zumindest hat Heuliez Expertise beim Bau von Elektroautos - das können nicht viele Firmen von sich sagen. In den neunziger Jahren baute das Unternehmen cirka 6300 Elektrofahrzeuge auf Basis der Modelle Peugeot 106 und Citroën Saxo, die als ganz normale Kundenautos verkauft wurden. Und aktuell im Angebot ist ein Elektrovehikel namens Pelikan, das vor allem von Kommunen und Gartenbaubetrieben eingesetzt wird.

Das Know-how und die Anlagen, um ein Auto wie den Mia zu bauen, sind also vorhanden. Jetzt muss der Funke überspringen, müssen Konzept und Design das Publikum begeistern. Günak hofft auf den Charme der Reduktion. "Der Mia in seiner Einfachheit muss einem einfach sympathisch sein."

insgesamt 66 Beiträge
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sic tacuisses 01.03.2010
1. Stromer
...wenn es dann nicht vor Markterfolg totdiskutiert wird. Ja, wenn es ein deutsches Fabrikat wäre. Aber so ? Ein Franzose ? ich weiss nicht........
malocher7 01.03.2010
2. Keine Ahnung
Prognosen sind im Verkehrswesen schon immer schwierig anzustellen gewesen. Klar ist, dass wir wohl (so schnell wie möglich) das Verheizen von Öl reduzieren müssen, nicht nur im Verkehrswesen. Ein paar Fakten über die Zukunft kann man also erahnen: Es ist höchst fraglich, ob wir es im Individuellen Verkehr weiterhin so bequem wie mit Verbrennungsmotorautos haben werden. Wir könnten schön heute in weiten Teilen des Verkehrsgeschehens elektrisch fahren: Mit Eisenbahn- und Straßenbahnzügen. Interessante Stromer-Konzepte gibt es mit Fahrzeugen wie E-Autos (Twike) oder Pedelecs (z.B. Flyer) schon heute. Man muss es nur (bezahlen) wollen. Eine Chance sehe ich darin, dass gefühlte 90% der Bevölkerung Triathleten sind. Vielleicht kann man noch Einiges zu Fuß oder mit dem Rad im Alltag machen, statt nach Feierabend im Studio auf dem Laufband... Die Raumordnung und alle Planungsdisziplinen sind EU- bzw. weltweit dazu aufgerufen, Konzepte für weniger Mobilität zu entwickeln. Die raumplanerischen Universitäten arbeiteten schon vor 25 Jahren daran (gegen die Windmühlen der Realität). Fazit: Die nächsten 50 Jahre werden eine interessante Zeit!
Fraglich 01.03.2010
3. Elektroautos
... sind eine nette Idee. Probleme lösen sie nicht unbedingt. Der Strom wird weiterhin traditionell erzeugt. Sei es durch Verbrennen fossiler Rohstoffe oder durch Kernenergie. Die Verluste durch Stromübertragung sind immens. Der Anteil regenerativer Energien an der jetzigen Stromerzeugung ist eher gering und würde nicht ausreichen, eine steigende Anzahl von Elektroautos zu bedienen. Kurzes Rechenbeispiel (nur mal schnell und aus dem Bauch heraus): 30000 km Jahresleistung, 10% Übertragungsverlust (6% je 100km), 90km mit 6kw Batterie: 2200 KW/h müßte ein Atomkraftwerk (Beste Effizienz) erzeugen um alleine meinen Bedarf zu decken. Sollte sich der Anteil an Elektroautos auf 10% erhöhen, wäre ein zusätzlicher Strombedarf 1760000000 KW/h nötig. Ich weiß nicht wieviel Uran dabei zu radioaktivem Abfall verheizt wird. Alternative: Brennstoffzelle und Erzeugung des nötigen Wasserstoffs in der Wüste. UND: Weniger Individualverkehr
ergoprox 01.03.2010
4. ente?
Zitat von sysopAuf dem Autosalon in Genf wird es nur so wimmeln vor Konzeptautos mit Alternativ-Antrieb - nur kaufen kann man sie nicht. Eine Ausnahme ist das Elektroauto Mia des Ex-VW-Designers Murat Günak. Noch in diesem Jahr sollen die ersten 1500 Stück angeboten werden. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,680536,00.html
Serienreife? Anhand der beiden Zeichnungen lässt sich diese nicht erkennen. Schon die Räder sind ja wohl eher ein Witz...es liest sich vielversprechend, d.h. es wird, wie immer, viel versprochen...mehr wohl nicht.
Beutz 01.03.2010
5. .
Elektroautos brauchen viele Batterien; Müllproblem. Stromerzeugung ist ein Problem. Die Energieerzeugung wird ja nur verlagert. Liebe Grüße.
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