E-Auto mit Wankelmotor Audi probt den technischen Alleingang

Die Spitze des VW-Konzerns ist in Aufruhr, weil Audi einen technischen Alleingang mit einem Elektrofahrzeug mit zusätzlichem Wankelmotor plant. Dabei könnte sich das Konzept als ähnlich genial und exklusiv erweisen wie einst der Allradantrieb Quattro.

Von Jürgen Pander


Elektroautos sind wunderbar leise, aber leider geht ihr Stromvorrat rasch zur Neige, so dass die Reichweiten bislang nur für Kurzstreckenfahrten reichen. Anders ist das bei E-Modellen mit sogenannten Range-Extendern, also Reichweitenverlängerern. Dann springt bei leeren Akkus ein Verbrennungsmotor an, um während der Fahrt Strom zu produzieren. Die baugleichen Modelle Chevrolet Volt und der kommende Opel Ampera etwa funktionieren nach diesem Prinzip.

Auch der Audi A1 E-Tron soll einen derartigen Antrieb erhalten. Mit einer Besonderheit: Als Verbrenner nämlich kommt kein herkömmlicher Otto- oder Dieselmotor zum Einsatz, sondern ein Wankelmotor. Das fast schon vergessene Motorenkonzept, bei dem ein Kolben in Form eines bauchigen Dreiecks um eine fest stehende Welle rotiert, wurde von Felix Wankel entwickelt und kam erstmals 1964 im NSU Wankel Spider, 1967 dann im legendären NSU Ro 80 und im Mazda Cosmo Sport in Serienautos auf den Markt. Insofern gibt es bei Audi seit 1969, als das Unternehmen mit NSU fusionierte, eine lange Wankel-Tradition.

Beim aktuellen Elektroauto-Prototypen A1 E-Tron lässt Audi diese Tradition nun ebenso überraschend wie konsequent wieder aufleben. Konsequent deshalb, weil ein Wankelmotor überaus kompakt, leise und auch vollkommen vibrationsfrei laufen kann. In einem Elektroauto, das möglichst leicht sein muss und dessen E-Antrieb nahezu lautlos und ohne Vibrationen funktioniert, wäre ein als Stromproduzent eingesetzter Wankelmotor also die ideale Ergänzung.

Dass Audi dieses Konzept favorisiert und einen Prototypen, mit dem SPIEGEL ONLINE bereits gefahren ist, mit Elektroantrieb und Wankelmotor als Range-Extender gebaut hat, verwundert daher nicht. Mit diesem technischen Alleingang würde das Ingolstädter Unternehmen auf einen Schlag mit einem hochmodernen Auto die eigene Tradition wiederbeleben und vor allem ein bislang einzigartiges Antriebskonzept auf den Markt bringen. Der Effekt könnte ähnlich groß sein wie Anfang der achtziger Jahre, als sich Audi, damals eher für umhäkelte Klorollen auf der Hutablage und gedeckte Lacktöne bekannt, mit dem Quattro-Allradantrieb innerhalb kürzester Zeit als innovationsstarke, technisch avantgardistische Marke positionierte.

Ro-80-Fahrer teilten per Fingerzeig mit, wie unzuverlässig die Technik war

Dass der Wankelmotor aktuell lediglich von Mazda im Automobilbau eingesetzt wird, macht allerdings deutlich, dass dieses Motorenkonzept auch einige gravierende Nachteile hat. So sind die Wärmeverluste aufgrund der größeren Brennraumoberflächen höher als bei einem Ottomotor. Zudem galten die früheren Wankelmotoren als Sprit- und Ölfresser mit extrem kurzer Lebensdauer. In den siebziger Jahren sollen sich Ro-80-Fahrer stets mit einigen erhobenen Fingern gegrüßt haben - wobei die Zahl der ausgestreckten Finger angeblich auf die Anzahl der schon verschlissenen Wankelmotoren verwies.

Heute, beteuern die Verantwortlichen bei Audi, seien diese Schwierigkeiten ausgeräumt, zu denen besonders die problematische Abdichtung zwischen Brennkammer und Kreiskolben gehörte. Bei dem im Audi A1 E-Tron eingesetzten Aggregat handelt es sich um einen Einscheiben-Wankelmotor, der mitsamt der nötigen Steuerelektronik, dem Abgasstrang, der Kühlung und dem Generator lediglich 65 Kilogramm wiegt und so kompakt ist, dass er unter den Kofferraumboden passt. Läuft die Maschine mit einer Drehzahl von rund 5000 Umdrehungen pro Minute, arbeitet sie praktisch an ihrem Effizienzmaximum.

Überzeugender Durchschnittsverbrauch von 1,9 Liter je 100 Kilometer

Als Durchschnittsverbrauch für den A1 E-Tron gibt Audi - auf der Grundlage des aktuellen Normentwurfs der EU (ECE-R 101), der die Verbrauchsberechnung für Elektro-, Hybrid- und Range-Extender-Fahrzeuge festlegt - einen Wert von 1,9 Liter je 100 Kilometer an. Das wiederum entspricht einem CO2-Ausstoß von 45 Gramm je Kilometer. Mit der derzeitigen Konfiguration im Prototypen fährt das Auto rund 50 Kilometer rein elektrisch, ehe praktisch unmerklich (von einer Kontrollleuchte im Cockpit abgesehen) der Wankelmotor anspringt und Strom für weitere 200 Kilometer Fahrt produziert.

Bereits 2013, heißt es bei Audi, könnte der Verkauf des technisch außergewöhnlichen Fahrzeugs beginnen. Bis dahin sind allerdings noch einige patentrechtliche Fragen in Sachen Wankelmotor zu klären. Und - viel wichtiger - es muss eine Einigung mit der Konzernmutter aus Wolfsburg erzielt werden. Denn die VW-Mächtigen wollen ausschließlich konventionelle Hybridautos oder reine Elektrofahrzeuge bauen. Hightech-Exotik wie sie im A1 E-Tron steckt, ist in den Wolfsburger Zukunftsplänen nicht vorgesehen.

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hannovernews 03.01.2011
1. Es bleibt aber die Frage
wer sich dann ein solches Auto ohne jegliche Förderung leisten kann. Selbst Audi-Käufer dürften über den dann wohl deutlich höheren Preis kaum erpicht sein, der Rest der Menschheit, also Otto Normalverbraucher, wird sich ohne staatliche Förderung sowieso kaum ein solches Elektroauto leisten können. Hier http://www.autonews-123.de/hat-elektromobilitaet-in-deutschland-eine-zukunft-ohne-foerderung-elektroautos-kaum-verkauflich/ ist das ziemlich gut zusammengefasst.
olligod 03.01.2011
2. Ein Halbsatz ...
Hallo SPON, bitte diesen Satz in der Einleitung mal zu einem *Satz* machen ... "Die Spitze des VW-Konzerns angeblich, weil Audi einen technischen Alleingang mit einem Elektrofahrzeug mit zusätzlichem Wankelmotor plant. " ... noch eine gutes Neues Jahr!
eikfier 03.01.2011
3. ...nicht ganz dicht und welche Hubraumberechnung, bitte?
Zitat von hannovernewswer sich dann ein solches Auto ohne jegliche Förderung leisten kann. Selbst Audi-Käufer dürften über den dann wohl deutlich höheren Preis kaum erpicht sein, der Rest der Menschheit, also Otto Normalverbraucher, wird sich ohne staatliche Förderung sowieso kaum ein solches Elektroauto leisten können. Hier http://www.autonews-123.de/hat-elektromobilitaet-in-deutschland-eine-zukunft-ohne-foerderung-elektroautos-kaum-verkauflich/ ist das ziemlich gut zusammengefasst.
...ich glaube bis zum Beweis des Gegenteils eigentlich auch gerne jede Mitteilung von seriösen Leuten, aber in diesem Punkte nicht: wenn das Dichtungsproblem, an dem seinerzeit die klügsten Köpfe kapitulierten, gelöst sein sollte, müßte der Wankelmotor eigentlich den Ottomotor längst abgelöst haben, denn die Kreiskolbenidee ist einfach genial und außerdem war doch damals noch das Hubraumproblem, erinnere ich mich, wieviel ccm soll denn der neue Audiwankel eigentlich haben?, bitte vorrechnen....;-)
assiwichtel 03.01.2011
4. SPON eben
Bitte nicht Otto-Motor mit Hubkolbenmotor gleichsetzen, ein Benziner-Wankel arbeitet schließlich auch nach dem Otto-Prinzip! Der "Hubraum" - richtig: Kammervolumen - läßt sich sehr wohl berechnen, nur etwas schwieriger als bei einem Kolben; siehe z.B. hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Wankelmotor
Renard, 03.01.2011
5. Wankel - Keramikmotor .. technisch machbar oder nicht
Zitat von eikfier...ich glaube bis zum Beweis des Gegenteils eigentlich auch gerne jede Mitteilung von seriösen Leuten, aber in diesem Punkte nicht: wenn das Dichtungsproblem, an dem seinerzeit die klügsten Köpfe kapitulierten, gelöst sein sollte, müßte der Wankelmotor eigentlich den Ottomotor längst abgelöst haben, denn die Kreiskolbenidee ist einfach genial und außerdem war doch damals noch das Hubraumproblem, erinnere ich mich, wieviel ccm soll denn der neue Audiwankel eigentlich haben?, bitte vorrechnen....;-)
Mazda setzt den Wankelmotor im RX8 ein, der Verbrauch ist erheblich höher im Vergleich zu einem Hubkolbenmoter der gleichen Leistung. Das Problem der Hubraumabdichtung ist zur Zeit technisch nur unvollkommen gelöst worden. Vielleicht erlebt das Wankel-Prinzip als Keramikmotor mit sehr hohen Verbrennungstemperaturen und Drehzahlen eine Renaissance, aber auch hier ist die Hubraumabdichtung das Problem. Das Konzept kochte Ende der siebziger Jahre schon mal hoch. Aber sich ist das der Wunsch des Thermodynamikers der Vater dieses Gedankens.
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