E-Mobil-Paradies Norwegen: Revolution am Trondheimfjord

Spricht man vom Mekka der Elektromobilität, dann denken die meisten an das Silicon Valley. Doch weit gefehlt: Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele E-Mobile wie im öl-reichen Norwegen. SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter Niels Reise hat sich in Trondheim umgesehen und nach den Erfahrungen gefragt.

Elektroauto-Mekka Trondheim: Die Avantgardisten aus Norwegen Fotos
Lars Henrik Morset

"Ich liebe schnelle Autos," sagt Lars Henrik Morset. "Aber ich hasse Krach! Allein schon deshalb würde ich mir nie einen Ferrari kaufen!" Morset ist Ingenieur für Akustik, der mit seiner Firma Lösungen zur Geräuschisolierung entwickelt. Ende letzten Jahres, bei einem USA-Aufenthalt saß er zum ersten Mal in seinem Traumauto - einem Tesla Roadster. "Es war sofort um mich geschehen," schwärmt er im Ton eines Frischverliebten.

Doch Morset fährt mit seinem Tesla nicht die sonnigen Serpentinen von Beverly Hills hinauf. Seine Heimat stellt gewissermaßen die meteorologische Antithese Kaliforniens dar: Norwegen. Im Land der Fjorde und Lachse ist der vermeintliche Exot von der Steckdose der dritt meistverkaufte Sportwagen, direkt hinter Audi TT und BMW Z4. Überhaupt gibt es pro Kopf nirgendwo sonst auf der Welt so viele E-Mobile wie an der Westküste Skandinaviens.

Hier, genauer gesagt auf Höhe des 63. Breitengrades, trifft kalte polare Luft aus dem Nordatlantik auf feuchtwarme Luftmassen aus dem Süden. Die dabei entstehenden Tiefdruckgebiete prallen auf hohe Berge auf beiden Seiten des engen Trondheimfjords und entleeren sich in endlosen Niederschlägen über der Stadt und ihrer Umgebung.

Das nasskalte Trondheimer Klima gilt landläufiger Meinung nach als für Elektroautos besonders ungeeignet - allein schon wegen der Heizung, die sich mit gesundem Appetit über klamme Batteriekapazitäten hermacht.

Norwegen ist zum Mekka für Autos mit Elektroantrieb geworden

Die eindrucksvolle E-Mobilstatistik Norwegens erscheint umso bemerkenswerter angesichts der Tatsache, dass das Land einer der größten Ölförderstaaten der Welt ist. Fossile Treibstoffe könnten konkurrenzlos billig sein. Doch die Politik nutzt den Ölreichtum lieber, um ein wenig vorauszudenken - durch handfeste Eingriffe in den Markt: Nirgendwo sind Stromer im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen so billig.

Im Trondheimer Rathaus, einem neoklassizistischen Koloss über den Dächern der Stadt, residiert Anne Sophie Hunstad. Die Sozialdemokratin arbeitet als Strategin im Auftrag einer vier Parteien Koalition aus Grünen, Linkssozialisten, Sozialdemokraten und Zentrumspartei, die in der Kommune ebenso wie im Osloer Parlament die Regierungsgeschäfte führt. "Für uns steht die Umwelt im Vordergrund, und darum setzen wir auf Elektroautos," sagt sie. "Trondheim wächst im Durchschnitt um 2,5 Prozent pro Jahr, und es ist furchtbar eng in unserer Stadt. Der Baugrund ist knapp, und auf den Straßen gibt's kein Durchkommen," klagt Hunstad und beschreibt ihre Heimatstadt wie eine Megacity am Rande des Verkehrsinfarkts.

Dabei ist die drittgrößte Stadt Norwegens mit ihren 170.000 Einwohnern nur unwesentlich größer als etwa Herne oder Oldenburg. Allerdings bieten die geografischen Bedingungen nicht gerade die ideale Grundlage für Trondheims Entwicklung zur modernen Großstadt. Die hohen Berge rundum stellen sich eben nicht nur den atlantischen Tiefausläufern in den Weg, sondern auch einem ungebremsten Wachstum. "Wir haben ein echtes Feinstaub- und Stickstoffproblem, "sagt Björn Ove Berthelsen von Miljöenheten, dem Umweltamt: "obwohl es hier ständig weht!"

"Ein E-Mobil ist bei uns nicht teurer als ein traditionelles Auto"

Mindestens fünfzig Prozent ihrer Infrastrukturausgaben reserviert die Kommune für den Umweltschutz: Für Fahrradwege, Busspuren oder für alternative Fahrzeugsantriebe wie Biogas oder Strom. "Wir sind Radikale," sagt Kommunalstrategin Hunstad stolz und lacht lauthals.

Eine kurze Fahrstuhlreise weiter unten liegt die stadteigene Tiefgarage. Hier ist Platz für die 27 Elektroautos der Stadt. Vor allem Zweisitzer der norwegischen Elektromarke Think hat Umweltchef Berthelsen in seinem Wagenpark. Das kleine Wägelchen mit den Kulleraugenscheinwerfen und dem steilen Heck sieht aus wie die Mangaversion eines Trabbi.

"Fünfzig Prozent der Luftverschmutzung entstehen im Transportsektor," doziert Berthelsen. "Zu diesem Zeitpunkt in eine so junge Technologie wie Elektroautos zu investieren, ist natürlich extrem teuer. Mit Mobiltelefonen war das nicht anders." Doch Berthelsens Stimme wird von missionarischem Eifer getragen, wenn es um Trondheims Stromer geht: "Wir wollen die globalen Klimaprobleme lokal in den Griff bekommen. Sicher, das sind große Worte für eine kleine Stadt, aber es ist auch Reklame für Trondheim als Ort der Zukunft mit klaren politischen Zielen."

Um dies zu erreichen, drehen der norwegische Staat und die Stadt Trondheim ganz gezielt und nachdrücklich an der Steuerschraube: "Ein E-Mobil ist bei uns nicht teurer als ein traditionelles Auto, im Unterhalt ist es sogar erheblich billiger," sagt Berthelsen und verweist auf die sogenannte Einmalsteuer - eine reine Luxussteuer, die den Preis für Neuwagen ungefähr aufs Doppelte treibt. So kostet beispielsweise ein VW Golf in Norwegen so viel wie eine Mercedes E-Klasse in Deutschland. "Für reine Elektroautos haben wir diese Steuer ersatzlos gestrichen, und die Mehrwertsteuer gleich mit." Das ergibt eine weitere Ersparnis von 25 Prozent.

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insgesamt 28 Beiträge
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1. TrAndheim ... OPEC
fffr 11.04.2011
Bitte recherchieren und schreiben sie doch mal sorgfältiger.
2. Mögliche Falschaussage im Artikel
Skarrin, 11.04.2011
Zitat von sysopSpricht man vom Mekka der Elektromobilität, dann denken die meisten an das Silicon Valley. Doch weit gefehlt: Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele E-Mobile wie im Opec-Staat Norwegen. SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter Niels Reise hat sich in Trondheim umgesehen und nach den Erfahrungen gefragt. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,755716,00.html
Das aktuelle Modell des Think City _ist_ crashtestgeprüft und hat 2 Airbags. http://www.move-about.de/bilen Andernfalls hätte es keine EU-Zulassung in der Klasse M1 erhalten. Dass der Taxiunternehmer noch das Vorgängermodell mit NiCd-Akkus verwendet, ist sehr unwahrscheinlich. Es wird seit 8 Jahren nicht mehr gebaut. Gruß Skarrin
3. Erstlingswerk?
seikor 11.04.2011
Wie man es schafft, den Ort Trondheimsfjorden in der Überschrift schon falsch zu schreiben, ist mir schleierhaft... Was hat Elektromobilität mit Silicon Valley zu tun? Dort werden klassischerweise Computer und Halbleiter hergestellt. Wenn man von einem "Mekka der Elektromobilität" reden will, dann favorisiere ich Frankreich. Immerhin stellen Renault, Citroen und Peugeot seit Anfang der 90er Jahre ausgereifte und serienmäßige (reinrassige) Elektroautos (Saxo, Clio, 106, Kangoo, Partner) her, die noch heute nicht nur in Deutschland heiß begehrt sind, aber hier leider nie verkauft wurden. Und was bitte ist eine "Mangaversion eines Trabbi"? Der Think hat mit dem Trabbi so viel zu tun, wie ein Tomate mit einer Ölsardine. Ein Manga ist japanisches Comic ?? Und "Ladebuchse" schreibt man nicht mit "x". Das geht nicht mehr als Rechtschreibfehler durch... Keine Crashtests? Wieso berichtet die Herstellerfirma dann davon? http://www.think.no/nor/THINK-City/Sikkerhet2 Ein Elektroauto wird nicht "vollgetankt", auch nicht in Anführungszeichen, sondern "aufgeladen". Man sollte das Kind beim Namen nennen. Schließlich weiß jeder, was "aufladen" bedeutet. Oder hat "tankt" der Autor auch sein Handy an der Steckdose "auf"? Ein Elektroauto "springt nicht an". Es fährt einfach los. Egal ob zitiert oder nicht.
4. Zum Lachen
hansulrich47 11.04.2011
ist es, wenn hier etwas hochgejubelt wird, das nur funktioniert, weil es eben noch eine Sonderstellung hat. Kann der Staat langfristig auf die Steuer auf Autos verzichten? Doch wohl kaum. Hier wird eine kurze Scheinblüte erzeugt und unkritisch hochgejubelt. Wenn erst mal die Mehrzahl E-Auto fahren würde, käme die Steuer ganz rasch wieder zurück, wetten? Und was ich mich stets frage, ist wieder mal kein Thema des Journalisten: wie heizt man denn diese Autos, wohl kaum mit Strom??? Das würde den Radius verdammt verkleinern ..... und ein Taxi, das nach einer, zwei Stunden Betrieb zum Laden für eine Stunde an die Steckdose muss, ist auch nicht sehr attraktiv.
5. Opec?
vorgestern 11.04.2011
Ist Norwegen ein OPEC Land? Bin mir da nicht so sicher. Und wie schon erwähnt, so heißt der Fjord wahrscheinlich Trondheimsfjord ohne a.
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Elektroautos im Überblick: Wer? Wann? Was?
Förderung umweltfreundlicher
Autos in Europa
Hintergrund und Berechnungsgrundlage
Weltweit subventionieren etliche Länder saubere Autos. In China winken umgerechnet 6500 Euro, in den USA zwischen 1800 und 5300 Euro und in Japan sogar bis zu 11.500 Euro. In Deutschland gibt es bislang keine Förderung. Wie und wo in Europa Autos mit besonders geringem CO2-Ausstoß bezuschusst werden, zeigt die Zusammenstellung von SPIEGEL ONLINE. Als Referenzmodell bei Steuervergleichen diente ein Mercedes B 180 mit einem CO2-Ausstoß von 152 g/km.

Österreich
Österreich: Befreiung von der einmaligen Verbrauchsabgabe (1602 Euro) und der Kfz-Steuer (403 Euro pro Jahr).
Norwegen
Fahrer von Elektroautos dürfen die Bus- und Taxispuren benutzen, und zudem sind alle Parkplätze kostenfrei.
Italien
1500 Euro Zuschuss für ein privat genutztes Elektroauto. Bei gewerblichen Fahrzeugen steigt der Bonus auf 4000 Euro. Stufenweiser Rabatt auf Kfz-Steuer in den ersten fünf Jahren (219 Euro pro Jahr).
Irland
50 Prozent Steuernachlass oder 2500 Euro Zuschuss für Fahrzeuge mit Hybrid- oder Flexfuel-Antrieb.
England
Ab 2011 sollen Käufer von Elektroautos mit einer Summe zwischen umgerechnet 2300 und 5000 Euro unterstützt werden - zunächst ist die Subvention begrenzt bis 2016.
Frankreich
2000 Euro Bonus für Hybrid-, Erd- oder Flüssiggasantrieb mit weniger als 140 g/km CO2-Ausstoß. 5000 Euro für alle Fahrzeuge mit weniger als 60 g/km. Gewerbliche Fahrzeuge werden zudem von der Dienstwagensteuer befreit (1250 Euro pro Jahr).

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Geräusche von E-Modellen: Schräger die Autos nie klingen
Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera (baugleich mit Chevrolet Volt), BMW i3 (optional mit Benzinmotor)


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