Polizeifahrzeuge in Los Angeles Die Elektro-Cops

Los Angeles soll zur Hauptstadt der alternativen Antriebe werden. Der Bürgermeister will den Behördenfuhrpark deshalb elektrifizieren - auch die Streifenwagen der Polizei. Dort sieht man die Pläne mit gemischten Gefühlen.

Fabian Kirchbauer

Aus Los Angeles berichtet


Beim Los Angeles Police Departement (LAPD) arbeiten rund 10.000 Polizisten. Sie müssen das Verbrechen in der Stadt der Engel bekämpfen - und zwar so umweltschonend wie möglich. Denn wenn es nach dem Willen von Bürgermeister Eric Garcetti geht, sollen die Gesetzeshüter zwischen Malibu und Compton bald in Elektroautos auf Streife gehen.

Garcetti will Los Angeles zur Hauptstadt der alternativen Antriebe machen, bereits 2017 soll jede zweite Neuanschaffung in der städtischen Flotte ein Elektrofahrzeug sein, im Jahr 2025 soll ihr Anteil bei 80 Prozent liegen. Vartan Yegiyan soll helfen, diesen Plan jetzt in die Tat umsetzen. Yegiyan ist Fuhrparkchef des LAPD und will bald die ersten 100 E-Mobile für anschaffen.

Im großen Polizeiparkhaus an der Mainstreet hängen fast alle Elektromodelle an den Ladesäulen, die auf dem US-Markt erhältlich sind - unter anderem der Nissan Leaf, das Tesla Model S oder der BMW i3. "Noch haben wir uns nicht entschieden", sagt Yegiyan und erzählt von den Testfahrten, die die Polizisten in den Akku-Autos mittlerweile abgespult haben. Das Leben in LA kann nämlich hart sein.

Ein zum Polizeiauto umgebauter BMW i3
Fabian Kirchbauer

Ein zum Polizeiauto umgebauter BMW i3

Halten die Fahrzeuge mindestens 100.000 Meilen durch? Amortisieren sich die hohen Anschaffungskosten irgendwann durch Einsparungen beim Unterhalt und Treibstoff? Wie groß muss die Reichweite sein und wie viele Ladesäulen braucht man, damit den Stromern im 480 Quadratmeilen großen Einsatzgebiet nicht dauernd der Saft ausgeht? "Das probieren wir derzeit durch die Flottentests herauszufinden", sagt Yegiyan. Im Prinzip treiben den Polizisten also die gleichen Fragen um wie jeden Zivilisten, der über den Kauf eines Elektroautos grübelt.

Yegiyan denkt allerdings in größeren Maßstäben als der durchschnittliche E-Enthusiast. Schließlich ist er Herr über eine Flotte von 5000 Fahrzeugen. "Der Steuerzahler will sehr genau wissen, wofür wir unser Geld ausgeben", sagt der Fuhrparkchef. Deshalb hofft er, dass die niedrigen Unterhaltskosten eines Elektroautos womöglich den höheren Anschaffungspreis wieder ausgleichen und er am Ende neben dem Klima auch seine Kasse entlastet.

Während Yegiyan noch zu keinem Ergebnis gekommen ist, weiß Daniel Gomez jetzt schon eines: Für die Gangsterjagd taugen die E-Mobile noch nicht.

Suchscheinwerfer sind Stromfresser

Gomez ist beim LAPD für die Umrüstung der Einsatzfahrzeuge zuständig. Die Waffenhalter passen auch beim BMW i3 hinter die Sitze, eine gepanzerte Trennwand zum Fond ließe sich auch beim Nissan Leaf einziehen und ins Tesla Model S würde auch die abwaschbare Rückbank aus Hartplastik passen. Selbst die schusssicheren Türen, hinter denen sich die Officer bei brenzligen Einsätzen verschanzen, wären womöglich noch machbar, glaubt Gomez. Aber der zusätzliche Energiebedarf und die Gewichtzunahme durch Blaulicht, Sirene, Suchscheinwerfer, Kommunikationselektronik, WLAN-Waben und die Livekameras machen dem Ausrüster Sorgen.

Ob die Elektroautos wie manche andere Streifenwagen auch verstärkte Achsen oder Bremsen brauchen oder besonders kraftvolle Klimaanlagen, darüber hat Gomez noch gar nicht so richtig nachgedacht. Nicht umsonst setzt das LAPD sonst auf fette Ami-Schlitten, die so prall mit Technik gefüllt ist, dass in den riesigen Kofferraum kaum mehr eine Rolle Absperrband passt. "Wenn wir das alles in ein Elektrofahrzeug bauen würden, wäre die Reichweite deutlich reduziert", sagt Gomez.

Die Stromer sind also erst einmal im internen Verkehr der Verwaltung unterwegs. Aber laut Yegiyan werden mehr als die Hälfte der 5000 Polizeiautos für Kurierfahrten, zivile Einsätze und Werbezwecke genutzt. Und auch Gomez steht den E-Mobilen nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber, sondern schätzt beispielsweise ihre Ruhe. Denn wie fast jeder Polizist in Los Angeles fährt er immer mit offenem Fenster: "Nicht weil wir das cool finden, sondern weil wir ständig in Alarmbereitschaft sind und so früher mitbekommen, ob jemand um Hilfe ruft."

Den beiden liegt bei den Tests eine Sache besonders am Herzen: "Es geht uns darum, gemeinsam mit den Herstellern die Bedürfnisse der Behörden zu ermitteln und dann in einem zweiten oder dritten Schnitt maßgeschneiderte Streifenwagen zu bauen", sagt Gomez.

Die US-Streifenwagenklassiker von Ford
Ford

Die US-Streifenwagenklassiker von Ford

Zumindest bei den amerikanischen Herstellern hat das Tradition, für die sogenannten Big Three aus Detroit - GM, Ford und Chrysler - sind Polizistenautos ein gutes Geschäft. Ford zum Beispiel hat sein Modell Interceptor seit der Markteinführung im Jahr 2012 bereits knapp 150.000-mal verkauft. Es ist mit 60 Prozent Marktanteil der beliebteste Streifenwagen in den USA. Bei dem Wagen handelt es sich sozusagen um das Serienmodell Explorer in Uniform.

Seit das LAPD seinen ambitionierten Elektrifizierungsplan verkündet hat, diskutieren Gomez und Yegiyan mit den Fahrzeugherstellern also nicht nur über Fahrwerksabstimmungen und den Bauraum für das elektronische Equipment, sondern auch über Reichweiten und Ladezyklen oder die Bereitstellung von zusätzlicher Batteriekapazität für die vielen Nebenaggregate.

In diesen Gesprächen hat Yegiyan die Überzeugung gewonnen, dass auch seine Einsatzfahrzeuge nicht mehr allzu lange mit Benzin angetrieben werden: "Die Technik entwickelt sich so schnell weiter, dass wir auf die ersten elektrischen Einsatzfahrzeuge ohne Einschränkungen sicher nicht mehr lange warten müssen", glaubt er.



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insgesamt 79 Beiträge
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Seite 1
halitd 15.03.2016
1. Wichtig ...
Bei einem Überall immer volltanken. Bei der Flucht muss man dann nur Strecke machen. Irgendwann, was schnell ran ist, geht der Polizei der Akku aus. Cool
pauschaltourist 15.03.2016
2.
Was mich beim An- bzw. Einblick in einen aktuellen US-Streifenwagen jedes Mal aufs Neue erschrecken lässt, ist der technische Rückstand der Deutschen Polizei. Suchscheinwerfer, Laptops/Tablets für Fahndungsabfragen, Fingerabdruckscanner für die notorische Mehridentitätenklientel - ich schätze den technischen Rückstand der deutschen Einsatzfahrzeuge auf mindestens 30 Jahre. Hierzulande baut man so wenig wie möglich um oder ein. Kostet ja Geld und erleichtert nur die Arbeit. Und die Rückgabe nach Ablauf der Leasingzeit ist auch so schrecklich kompliziert, wenn noch ein Netbook-Halter demontiert werden müsste... Zum Thema e-Einsatzwagen: Das durch die Zusatzausstattumg bedingte Mehrgewicht wird die Reichweite vermutlich dramatisch schwinden lassen. Und ist L.A. nicht eine der flächenmäßig größten US-Metropolen?
frenchie3 15.03.2016
3. DAS ist mal ein Praxistest
Wenn das LAPD offiziell Stromstreifenwagen einsetzt kaufe ich das Modell.
mansiehtnurmitdemherzengu 15.03.2016
4. Haben wir schon den 1. April?
Das weithin hörbare Gelächter in Los Angeles ist die Zustimmung aus South Central für die Pläne von Garcetti.
seb.mazur@googlemail.com 15.03.2016
5. hannover
hat auch mind. ein elektrisches polozeiauto, ein vw. allerdings ohne blaulicht, sonst würde der akku zu schnell schlapp machen, wie ein mir ein beamter erklärte.
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