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E-Roller von Mini und Smart: Halbe Portion unter Strom

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Der Weg zum Elektroauto ist weit, doch es geht auch eine Nummer kleiner: Die Automarken Mini und Smart stellen auf dem Pariser Salon elektrische Roller vor. Die Zweiräder gelten offiziell als Studien, doch eine Serienproduktion scheint sicher.

Elektroroller von Smart und Mini: Es geht noch kleiner Fotos

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man doch an erfolgreiche Kooperationsgespräche zwischen Daimler-Chef Dieter Zetsche und BMW-Boss Norbert Reithofer glauben. Denn wer die Ausstellungsstücke der beiden Konkurrenten auf dem Autosalon in Paris sieht, der in der kommenden Woche beginnt, wird über die Gemeinsamkeiten staunen.

Die Novitäten Mercedes CLS und BMW 6er zum Beispiel sind vom Konzept äußerst ähnlich. Und, noch wunderlicher: Die Kleinwagenmarken beider Konzerne - Smart und Mini - zeigen jeweils einen Roller mit Elektroantrieb. Auf der Suche nach neuen Absatzfeldern, jüngeren Kunden und plausiblen Ideen für die elektrische Mobilität kamen offenbar beide Unternehmen zum gleichen Ergebnis: Ein Scooter muss her.

Weil die Technik eines Rollers recht simpel ist, setzen Smart und Mini vor allem auf das Design. "Wir haben viele Merkmale unserer Pkw-Modelle auf die Scooter übertragen", sagt Mini-Designchef Gerd Hildebrand. Gleich drei Modelle wurden unter seiner Aufsicht kreiert, eine anglophile Variante für die Mods der Neuzeit, das Modell Ego für den snobistischen Einzelgänger oder die Öko-Version in der Lackierung des Mini E.

"Allen gemeinsam ist die organische Grundform, alle haben die kleinen, weit nach außen gerückten Räder, und alle haben die kugelrunden Scheinwerfer, wie man sie vom Mini kennt", beschreibt Hildebrand die Gemeinsamkeiten zwischen Zwei- und Vierrad-Modellen.

Dazu gibt es Details wie die aus dem Auto übernommenen Schalter für Blinker und Licht, einen wie im Mini-Pkw überdimensionierten Tacho und einen Ladestecker, der wie bei einem Staubsauger aus der Rollerverkleidung gezogen werden kann. Außerdem bietet der Roller diverse kleine Stauboxen für Sonnenbrille oder Mobiltelefon.

Optische Anklänge ans jeweilige Automodell

Auch Smart übernimmt Farben und Formen des Automodells Fortwo für seine halbe Portion. Das Daimler-Zweirad ist folglich zweifarbig lackiert und hat auswechselbare Karosserieteile aus Kunststoff, die sich um eine Rahmenkonstruktion gruppieren. Außerdem bietet der Smart-Roller reichlich Stauraum, einen Klappsitz für den Sozius und einen markanten Windabweiser vor dem Fahrer.

Wenig Worte verlieren beide Hersteller über die Technik ihrer Roller, deren Motor in beiden Fällen direkt an der Hinterachse sitzt. Mini-Designer Hildebrand spricht lediglich von "klassenüblichen Fahrleistungen", nennt als Höchstgeschwindigkeit 50 km/h und als Reichweite etwa 100 Kilometer. Bei Smart fungiert ein Gleichstrom-Nabenmotor als Antrieb; die Maschine leistet 5 PS und ist gut für Tempo 45. Auch die Schwaben kalkulieren mit 100 Kilometern Reichweite und mit einer Ladezeit von drei bis fünf Stunden. Allerdings braucht es ein separates Kabel, um den Smart-Roller über die Ladebuchse unterm Scheinwerfer wieder mit Energie zu versorgen.

Der Vorteil des Elektrorollers gegenüber dem Elektroauto ist, dass sich die Ingenieure weder über eine zu geringe Reichweite noch über schwere Akkumodule den Kopf zerbrechen müssen; das E-Scooter-Konzept gilt als weitgehend ausgereift, in China sind bereits Millionen von Fahrzeugen im Einsatz.

Roller mit iPhone-Integration, Airbag und LED-Beleuchtung

Beide Roller haben übrigens keine klassischen Instrumente mehr, sondern setzten auf ein im Lenker integriertes iPhone, das als Bordcomputer, Navigationssystem und Jukebox genutzt wird. Darüber hinaus hat sich Smart noch ein paar weitere Finessen für den Roller einfallen lassen: Er strahlt nämlich vorn wie hinten mit LED-Leuchten und überträgt mit ABS, Airbag und einer elektronischen Überwachung des toten Winkels den Sicherheitsanspruch der Schwaben in die Welt der Zweiräder.

Grundsätzlich neu sind solche Konzepte freilich nicht. Vielmehr kann man elektrische Roller für wenige tausend Euro bereits im Baumarkt und für ein paar Tausender mehr im Fachhandel kaufen. Doch zeugt das neue Engagement der Autohersteller von einem Umdenken. Das Auto alleine, so die Botschaft der Pariser Studien, wird die Mobilitätsbedürfnisse in Zukunft wohl nicht mehr befriedigen können.

Und statt das Geschäft etablierten Anbietern wie Peugeot oder Piaggio zu überlassen, treten jetzt auch Branchenneulinge wie Smart und Mini an. "Mit dem einspurigen E-Scooter kann Smart neues Wachstumspotential erschließen", sagt Daimler-Sprecherin Eva Wiese. Außerdem ließen sich mit Rollern, die man ab 16 Jahren fahren darf, junge Menschen erreichen, noch bevor diese den Autoführerschein besitzen.

Elektroroller als Instrument der Kundenbindung

Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass die Scooter bei Mini und Smart gute Chancen auf eine Serienfertigung haben. "Noch mehr Fahrspaß in der Stadt, noch mehr Anpassungsmöglichkeit an den jeweiligen Lebensraum, noch mehr Flexibilität nicht zuletzt auch durch die Möglichkeit der Einbindung in unser Car2Go-Konzept", sagt Smart-Chefin Annette Winkler. Dieses Carsharing-Modell testet Daimler derzeit in Ulm.

Noch deutlicher wird Mini-Designer Hildebrand: "Bei entsprechendem Interesse könnten wie die Scooter in wenigen Jahren auf den Markt bringen. Schließlich ist BMW einer der wenigen Autohersteller mit eigener Motorradsparte."

Dass BMW mit innovativen Zweiradkonzepten nicht immer erfolgreich war, gar grandios floppte wie mit dem überdachten Roller C1, lässt Hildebrand nicht als Einwand gelten: "Der C1 war seiner Zeit einfach ein paar Jahre voraus und ist heute gefragter denn je. Als Gebrauchter erzielt das Fahrzeug Höchstpreise."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Regensicher?
senkyenol 22.09.2010
Und was soll mit dem iPhone passieren, wenn es regnet?
2. .
Patina, 22.09.2010
Zitat von senkyenolUnd was soll mit dem iPhone passieren, wenn es regnet?
Dann wird es nass, wenn der Benutzer es nicht in die Tasche steckt, so einfach ist das! Na und? Wenn das alle Probleme mit dem Konzept eines Elektrorollers sind, dann sie die Rettung der Welt nicht mehr fern...
3. Gesetzlich nicht gewollt?
Hephaistos, 22.09.2010
Die Dinger fallen wohl unter die Führerschein Klasse M. Und die hat der Gesetzgeber so geregelt, dass die Fahrzeuge im Verkehr unbrauchbar sind. Die Höchstgeschwindigkeit von 45km/h verhindert, dass man flüssig im Stadtverkehr mitschwimmen kann. Man stellt ein Hindernis für Autos, LKWs und Motorräder dar und wird, wie zu erwarten ist, rücksichtslos überholt. Für ein Zweirad, dass nicht lebensgefährlich ist, muss ein Führerscheinneuling dann einen extra Schein machen.
4. eMobilität finde ich gut...
Ares Skye 22.09.2010
...und grade bei einem leichten Zweirad hat man eine Chance auf solide Reichweiten. Außerdem sollten da die Kosten der Batterie auf den km umgelegt nicht so hoch sein. Aber: Schon mit einem relativ lauten, hohen (Enduro) Motorrad wird man im Verkehr oft genug übersehen. Dann auch noch mit einem flüsterleisen, runden bunten Spielzeugroller? Außerdem wird kaum jemand, der den teuren Elektroroller zahlen kann, ein buntes Spielzeug mit feminin niedlichem Design und der bewährten Lokus-Sitzposition fahren wollen...! Das ist so das Prius Problem: Wenn die Erstserie so schlecht aussieht, dass nur Ringelpulli-Studienräte sie fahren wollen hat das Gerät schnell ein Imageproblem. Genauso wie den Tesla - ich werds probefahren. Aber meine Heilserwartungen halten sich da in engen Grenzen. Wobei eine Neuauflage des C1 mit eMotor echt nicht übel wäre. - Der ist auch dank seiner Höher recht gut sichtbar - bietet zumindest grundlegendenden Wetterschutz - und sieht für einen Roller nicht verkehrt aus. Der neue kleine Honda und Lexus (also die Autos) klingen auch vielversprechend behalten aber ihr Reichweitenproblem.
5. Wo ist jetzt hier das wirklich neue?
Pead 22.09.2010
Wow, ein Rad vorne und ein Rad hinten. Dazu ein runder Scheinwerfer. Ich bin baff, bei solch innovativem Design. Gut, daß ein Italiener nicht schon 1946 auf diese Idee gekommen ist. Kein Wort zum Preis? Smart und Mini liegen mindestens eine oder zwei Segmentstufen zu hoch. Dementsprechend wird man sich also locker in Regionen eines Dacia Sandero bewegen. Für den Preis eines C1 konnte man damals ebenfalls schon einen Kleinwagen erwerben. Der C1 war allerdings echt innovativ und bot mit Gurt, Knautschzone und ABS eine signifikant bessere Sicherheit als alles andere auf zwei Rädern--ähnlich wie nur die Gold Wing mit Airbag heute. Nota Bene: "Klassenüblich" sind 45 Km/h. Die gesetzgebenden Sesselfurzer (meist in weiches Mercedes- oder BMW-Leder) töten damit vorsätzlich Jugendliche.
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