Smart E-Scooter: Lass den Stau raus

Von Jürgen Pander

Wie kann man dem Verkehrsinfarkt in Großstädten entgehen? Und dabei auch noch das Klima schonen? Für die Daimler-Marke Smart ist die Antwort klar: auf zwei Rädern - und mit Elektroantrieb.

Smart E-Scooter: Zwei Räder sind genug Fotos
Daimler

Je größer die Stadt, desto kleiner müssen die Fahrzeuge sein, um überhaupt noch voranzukommen. Wer schon einmal in Paris, Rom oder Peking war, weiß, dass diese Regel dort längst gilt. Sie wird in Zukunft universelle Gültigkeit erlangen, denn die Urbanisierung nimmt zu und das Mobilitätsbedürfnis ebenfalls. Kleinere Fahrzeuge also sind gefragt: Fahrräder, Roller, Kleinstwagen. Und am besten elektrisch angetrieben, denn das ist bequem, billig, ausgereift und bei CO2-neutraler Stromproduktion auch noch umweltverträglich.

Dass auch die Autoindustrie das begriffen hat, schien sich vor zwei Jahren auf dem Autosalon in Paris zu bestätigen. Dort enthüllten die Marken Mini, Peugeot und Smart coole E-Scooter, auf der Messe in Shanghai zog VW kurz darauf ebenfalls mit einem elektrischen Roller nach. Einspurig in die elektrische Zukunft - das schien das große Ding zu werden.

Doch dann entpuppte sich die schmalspurige Mobilitätsrevolution als PR-Gag.

Bei Mini hat das Projekt E-Roller inzwischen nur noch "Forschungscharakter", sagt eine Unternehmenssprecherin. Und in Wolfsburg heißt es auf Nachfrage zum E-Scooter pikiert, man sei ein Automobilhersteller und wolle das auch bleiben. Fragt sich nur, ob diese ultraorthodoxe Haltung auch klug ist.

2014 auf dem Markt

Die Verantwortlichen der Daimler-Kleinstwagenmarke Smart jedenfalls denken anders. Beim internationalen Händlertreffen am Donnerstag im Schweizerischen Davos nämlich verkündete Mercedes-Vertriebs- und Marketingchef Joachim Schmidt: "Die Entscheidung für den E-Scooter ist gefallen". Der schnieke Roller mit elektrischem Antrieb, der 2010 in Paris stand, soll zur Serienreife entwickelt und 2014 auf den Markt gebracht werden.

Damit schließen die Schwaben die Lücke zwischen dem E-Bike, das seit Ende April zum Preis von 2849 Euro verkauft wird, und dem Stadtauto E-Smart, das ab Juni bei den Händlern stehen wird und 19.000 Euro kostet. Im Preis enthalten ist eine Zehn-Jahres-Garantie für den Lithium-Ionen-Akku, der jedoch im Eigentum von Smart bleibt und für rund 60 Euro pro Monat geleast werden muss. Wer unbedingt will, kann den elektrischen Zweisitzer auch inklusive Akkupaket kaufen, dann kostet er rund 24.000 Euro.

Elektromobilität funktioniert nur eine Nummer kleiner

Ob man nun diese oder jene Variante wählt oder dieses oder jenes E-Mobil - entscheidend ist, dass Smart die Elektromobilität grundsätzlich dort verortet, wo sie sinnvoll ist: in kleinen, leichten Kurzstreckenmobilen für den Verkehr in Ballungsräumen. Smart folgt damit im Prinzip dem Mantra, das Wolfgang Lohbeck, Verkehrsexperte der Umweltschutzorganisation Greenpeace, seit geraumer Zeit vorträgt: "Elektroautos als Fortsetzung des herkömmlichen Autos mit anderen Mitteln lösen kein einziges Problem. Sie sind zu teuer, tragen nichts zur Verkehrsentlastung bei und helfen auch kaum bei der Verbesserung der CO2-Bilanz."

Klassische Limousinen, Kompaktwagen oder SUVs mit Batterien vollzupropfen und dann eine E-Maschine unter die Haube zu pflanzen - diese Strategie scheint in eine Sackgasse zu führen. Um trotz des großen Gewichts solcher Fahrzeuge eine ausreichende Reichweite zu gewährleisten, sind entsprechend große Akkus nötig. Die wiederum treiben das Gewicht weiter in die Höhe und vor allem auch den Preis - es ist ein Teufelskreis.

Die Kunden reagieren entsprechend: In China, das sich noch vor zwei Jahren mit staatlicher Verordnung der E-Mobilität verschrieben hatte, sind heute gerade mal ein paar tausend E-Autos unterwegs - aber nach Schätzungen von Fachleuten mehr als 120 Millionen E-Roller.

Auf welche Weise sich der Elektroantrieb sinnvoll in ein urbanes Mobilitätskonzept einfügen lässt, hat übrigens auch Renault erkannt. Der französische Hersteller baut zwar einerseits Elektroautos im klassischen Stil, andererseits aber auch ein E-Mobil namens Twizy: vier Räder, zwei hintereinander angeordnete Sitze, eine rudimentäre Karosserie, keine 500 Kilo Gewicht und Elektroantrieb.

Und die Reichweite? Interessiert bei diesen Mobilen gar nicht

Wem ein solches Vehikel für die Alltagsmobilität ausreicht, den interessiert auch die Reichweitendebatte nicht. Denn kein Mensch käme auf die Idee, mit derartigen Fahrzeugen - oder auch einem E-Fahrrad sowie einem E-Roller - eine 300-Kilometer-Reise zu unternehmen. Modelle wie E-Smart, Renault Twizy und natürlich sämtliche E-Scooter erreichen rund 150 Kilometern Aktionsradius bereits mit vergleichsweise kleinen, leichten und damit auch billigeren Akkus.

Bei einigen aktuellen E-Rollern beispielsweise sind die Batterien so handlich, dass sie an einem eingebauten Griff bequem mit ins Haus oder Büro genommen und dort an der Steckdose geladen werden können.

Die neue Form der Elektromobilität ist aber nicht nur praktisch, sondern auch ziemlich hip. Ende dieses Jahres beispielsweise soll der DDR-Kultroller Schwalbe ein Comeback erleben - als Elektro-Modell. Wenn das so weiter geht, kramen vielleicht auch einige Autohersteller die alten E-Scooter-Pläne wieder aus der Schublade.

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insgesamt 103 Beiträge
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1. Es wird Zeit ...
herrdörr 10.05.2012
... das die Politik endlich die Motorradführerschein-Pflicht für kleinere Motorräder aufhebt. Früher konnte man die kleinen Maschinen auch ohne fahren.
2. Vietnam
webed 10.05.2012
Super Idee - war jemand von den Herren schon einmal in Vietnam? Da bringt soetwas richtig Verkehr auf die Strasse. Aber die waren ja sicher da - "Daimler's MB Vietnam subsidiary improperly booked corrupt payments".
3. Aber
return33 10.05.2012
gleich springt wieder der erste Troll ausm Off der mit seiem Auto 18 mal im Jahr 2000km am Stück in den urlaub fahren muss - wetten? Was mich persönlich an den Dingern stört: - kein vernünftiger Regenschutz - Transportmöglichkeite unter 1 Kiste Bier Wenn ich schnell vorankommen will in der Stadt, es nicht regnet und ich mit 2 Taschen auskommen nehm ich mein Rad .... 2 Sitzplätze Kofferrraum o.ä. um vom Volumen her 2 Kisten Bier heimschaffen zu können Regen / Winter / Schneetauglich sowas hätt ich gern als Stadtgefährt. Ob das Ding dann 50km, 100km oder 150km Reichweite hat ist mir quasi egal. Ich sehe nur nicht ein für ein weitere alternative zu Rad und Ubahn jeden Monat mindestens 300 Euro auszugeben für den Unterhalt (dann würd ich mir n Auto kaufen wenn ich das wollte).
4. vor einem Jahr in Hanoi
earl grey 10.05.2012
Zitat von webedSuper Idee - war jemand von den Herren schon einmal in Vietnam? Da bringt soetwas richtig Verkehr auf die Strasse. Aber die waren ja sicher da - "Daimler's MB Vietnam subsidiary improperly booked corrupt payments".
Also vor einem Jahr in Hanoi: keine E-Roller gesehen, dafür Millionen normale Knatterteile... ...und in Saigon fährt man Auto...oder auch diese knatternden stinkenden Mopeds, aber tatsächlich ein paar chinesische E-Roller gesehen. Der Norden ist noch zu arm dafür. In China fahren die E-Roller in Massen herum.
5. Preis und Android?
kettensprenger 10.05.2012
Wäre auch für mich interessant (fahre jeden Tag mit einem großen Motorrad zur Arbeit, das 8l/100km verbraucht). Was wird ein solcher Scooter kosten? Und schafft er ein Tempo, mit dem man von "Speckgürtelorten" über Zubringerautobahnen in Städte fahren kann (Tempo 100.120, Strecken von 20-30km)? Haben die Entscheider schon bemerkt, daß das iPhone nur 16% Marktanteil hat und Android über 60%?
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