Automatisches Notrufsystem EU-Parlament beschließt eCall-Pflicht

Ab 2015 sollen neue Automodelle in Europa mit dem automatischen Notrufsystem eCall ausgestattet werden. Das EU-Parlament hat am Mittwoch einen entsprechenden Plan abgesegnet. Obwohl es die Sicherheit steigert, gilt das System als umstritten.

Notrufsystem im Auto: Schnelle Hilfe bei einem Unfall
DPA

Notrufsystem im Auto: Schnelle Hilfe bei einem Unfall


Brüssel - In der EU sollen Autos bei einem Unfall künftig automatisch ein Notrufsignal senden. Das Europäische Parlament billigte am Mittwoch die Pläne der EU-Kommission, die den Einbau des Systems eCall in alle Automodelle ab 2015 vorsehen.

Ziel ist es, Verletzte schneller am Unfallort versorgen zu können. Wenn das System nicht manuell ausgelöst wird, reagiert es beispielsweise auf das Auslösen der Airbags und sendet auf Basis der EU-weiten Notrufnummer 112 Ort und Zeit des Unglücks an die nächste zuständige Dienststelle. Nach Angaben der EU-Kommission soll der Einbau von eCall etwa 100 Euro pro Fahrzeug kosten.

Jetzt muss darüber mit den Regierungen der EU-Staaten verhandelt werden. "Wir hoffen, dass der Rat sich noch kurzfristig zu Verhandlungen mit dem Parlament bewegen lässt", sagten die CDU-Europaabgeordneten Andreas Schwab und Dieter-Lebrecht Koch. Dann könne die neue EU-Verordnung noch vor der Europawahl im kommenden Mai verabschiedet werden.

"Daten werden nur zur Rettung übermittelt"

Das Straßburger Parlament stimmte mit großer Mehrheit für die Verordnung. Es gibt jedoch auch starke Kritik an eCall: Datenschützer bemängeln, dass Informationen auch unabhängig von einem Notruf übermittelt werden können und so das Erstellen von Bewegungsprofilen möglich ist. Die Liberalen fürchten den "gläsernen Autofahrer", ähnliche Bedenken haben die Grünen. Der Vorschlag, eCall manuell ausschalten zu können, wurde jedoch abgewiesen.

Um den Schutz persönlicher Daten zu garantieren, "haben wir sichergestellt, dass übermittelte Daten nur zur Rettung verwendet werden", betonte die SPD-Abgeordnete Evelyne Gebhardt.

Die EU-Kommission geht davon aus, dass eCall die Zeit bis zum Eintreffen von Rettungsdiensten deutlich verkürzen könnte - so sollen zahlreiche Menschenleben gerettet werden. In der EU kamen 2012 nach Angaben des Parlaments 28.000 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben.

cst/dpa/Reuters



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insgesamt 132 Beiträge
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SilverTi 26.02.2014
1. Super!
Man, die Überwacher der DDR würden sich heute lachend die Hände reiben. So einfach ging Ausspähen, Spionieren und Überwachen noch nie. Ist doch super! Herzlich willkommen in Überwachistan 2.0! Und dass die Daten nur für die Rettung übermittelt werden - haha! Wer's glaubt.
klarafall 26.02.2014
2. sicher, sicher!
Zitat: "Um den Schutz persönlicher Daten zu garantieren, haben wir sichergestellt, dass übermittelte Daten nur zur Rettung verwendet werden", betonte die SPD-Abgeordnete Evelyne Gebhardt. Na klar, was auch sonst. Vielleicht sollte man der Dame mal erklären, daß man so etwas nicht "sicherstellen" kann. Erhobene Daten sind erhobene Daten - da kann Herr und Frau Politiker im Gesetz festlegen was er will. Die Erfahrung zeigt, daß ALLE erhobenen Daten irgendwann missbraucht oder zumindest öffentlich zugänglich werden. Es ist keine Frage OB, sondern nur WANN.
Mitschwätzer 26.02.2014
3. Da bin ich aber froh ...
... dass eine SPD-Abgeordnete sicherstellt, dass die Daten nur zur Rettung genutzt werden. Kanzlerhandys sind ja auch nur für die vertrauliche Kommunikation zwischen Regierungsmitgliedern gemacht. Ein weiteres Erfolgsmodell der Entmündigungsunion. Danke, liebe Volksvertreter.
nofan 26.02.2014
4. Supi
Habt ihr alle toll gemacht, damit wir in Zukunft wissen wo sich wer aufhält und wohin er doch fährt. Naja das kann man bestimmt auch irgendwie ausschalten mit irgend einem Hack. Ich werds machen, mich überwacht ihr nicht!
andere Hobbys 26.02.2014
5. Na wie hat die Evelyne
das denn sichergestellt ? Wenn ich heute meinen Computer mit dem Internet verbinde, dann sendet und empfängt dieser, ohne das ich auch nur eine Taste gedrückt habe. Und keiner weiss, was da gesendet und empfangen wird. Und das wird diese eCallbox auch tun. Und irgendwann ist mein Auto ja bei 180 km/h ja dann auch ferngesteuert. Wir steuern in den absoluten Überwachungswahn.
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