Spektakulärer Scheunenfund Porsche entdeckt die Langsamkeit

Holzräder, nur drei PS und eine Kanzel als Cockpit: Diese lahme Kutsche ist das P1, das erste Auto des Konstrukteurs Ferdinand Porsche. Die vier Modelle des Wagens galten als verschollen - nach mehr als 100 Jahren ist eines davon wieder aufgetaucht.

Porsche

Aus Stuttgart berichtet Fabian Hoberg


Das letzte Mal, als das Egger-Lohner-Elektromobil Modell C.2 richtig bewegt wurde, waren Pferdekutschen das übliche Transportmittel. Konstruiert hatte es ein junger Ingenieur namens Ferdinand Porsche - der ein paar Jahrzehnte später eine der berühmtesten Automarken gründen sollte. Im Jahr 1902 war er aber noch einer der wenigen motorisierten Exoten. Den Elektrowagen, der auch unter der Bezeichnung P1 bekannt wurde, parkte er damals in einem Abstellschuppen bei Wien. So ist es in einer Notiz von damals dokumentiert. Jetzt, 112 Jahre später, ist dieser P1 in einer Scheune in Österreich wieder aufgetaucht - und er befindet sich in einem erstaunlich guten Zustand.

Für den Sportwagenbauer aus Stuttgart ist das eine Sensation, denn bisher galten die vier gebauten Modelle des P1 als verschollen. Die E-Kutsche gilt nun als das älteste und zudem noch originale Fahrzeug des Firmengründers.

Ferdinand Porsche war 23, als er den P1 im Jahre 1898 baute. Er arbeitete als Entwickler beim Wiener Kutschenfabrikant Lohner, der bei seinen Nobel-Kutschen die Pferde durch einen moderneren Antrieb ersetzen wollte. Der junge Porsche war experimentierfreudig, fleißig und traute keinem. Jedes wichtige Bauteil am Fahrzeug markierte er mit P1 - Porsche Nummer 1.

Die Technik des Mobils war ihrer Zeit voraus. Als Antrieb kam ein Oktagon-Elektromotor mit Ausgleichsgetriebe zum Einsatz, der je nach Spannung zwischen drei und fünf PS leistet. Von den zwölf Fahrstufen dienten zwei als Rückwärtsgänge. Der Motor saß hinten, gelenkt wurde über die Vorderachse - wie rund 40 Jahre später beim VW Käfer. Die Energie stammte aus dem Batteriesystem Tudor, ein 44-Zellen-Akku mit 120 Amperestunden. Damit waren drei bis fünf Stunden Fahrt oder eine Strecke von bis zu 80 Kilometer drin. Entsprechend groß ist die Batterie - und mit rund 500 Kilogramm auch sehr schwer.

Wolfgang Porsche kauft den P1 privat

Selbst Porsche-Archivar Dieter Landenberger kann sich das lange Verschwinden des Oldtimers nicht ganz erklären. Sicher ist laut der erhaltenen Notiz, dass Ferdinand Porsche das Fahrzeug persönlich in einer Arsenal-Remise abstellte. Nach einem Umzug in eine andere Halle verlor sich dann die Spur des P1. Wind und Wetter, Mäuse oder Würmer konnten dem Fahrzeug in mehr als 100 Jahren aber offensichtlich nichts anhaben, auch zwei Weltkriege überstand es unbeschadet.

Wiederentdeckt und gekauft hatte den Wagen ein österreichischer Restaurator. Über dessen Namen und die genauen Umstände des Fundes schweigt sich Porsche aus. In den Besitz des Autoherstellers kam der P1, weil der Finder sich an Wolfgang Porsche, den Aufsichtsratschef des Sportwagenherstellers, wandte. Dieser erstand den automobilen Schatz seines Großvaters für eine geheime Summe.

"Für das Unternehmen und im Besonderen für Wolfgang Porsche hat der P1 einen unschätzbaren ideellen Wert", sagt Landenberger. Deshalb verschwand der Prototyp auch nicht in einer Privatsammlung, sondern bekommt im Firmenmuseum in Stuttgart einen Ehrenplatz.

Ein echtes Sieger-Auto

Der Leinöllack für das Holz blättert bei dem Wagen an manchen Stellen ab und die Achsgummis werfen Falten. "Das soll auch so bleiben", sagt der Firmenhistoriker, "wir wollen den Originalzustand erhalten". Eine Restauratorin durfte lediglich mit Wattestäbchen und feinen Tüchern den jahrzehntelang abgesetzten Schmier- und Staubfilm entfernen. Außerdem wurde das Holz mit einem Spezialharz konserviert, damit den Würmern der Appetit vergeht.

Schon vor mehr als 100 Jahren zeigte der P1, was einen Porsche ausmacht. Bei der internationalen Motorwagen-Ausstellung in Berlin 1899 fuhr der Prototyp auf einer 40 Kilometer langen Strecke die übrigen 19 Teilnehmer mit 18 Minuten Vorsprung in Grund und Boden. Heute wäre das Auto allerdings ein Verkehrshindernis - die Höchstgeschwindigkeit liegt bei maximal 35 km/h.



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rmuekno 30.01.2014
1. Und heute tut man als wäre ein Elektroauto
Zitat von sysopPorscheHolzräder, nur drei PS und eine Kanzel als Cockpit: Diese lahme Kutsche ist das P1, das erste Auto des Konstrukteurs Ferdinand Porsche. Die vier Modelle des Wagens galten als verschollen - nach mehr als 100 Jahren ist eines davon wieder aufgetaucht. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/egger-lohner-mobil-erstes-elektroauto-von-porsche-ist-wieder-da-a-945961.html
das tollste der Welt. Daß es Zeiten gab, als mehr E-Autos als Kraftstoff betriebene gab weiß heute kaum mehr jemand. Damals wie heute waren schwere Batterien und geringe Reichweite das das Problem. So lange die Wissenschaft keine ökonomische Methode findet, leichte, leine leistungsfähige Batterien zu bauen wird es weder mit dem Elektroauto noch mit der Energiewende etwas
felisconcolor 30.01.2014
2. ein wunderschönes
Stück alte Technik und trotzdem so modern. Ich freue mich für Porsche das dieser Wagen so gut erhalten wieder aufgetaucht ist. Und wer weiss, vielleicht ist es ja eine Inspiration für zukünftige Modelle. Gibt es eigentlich schon einen rein elektrischen 911er?
xireney 30.01.2014
3. kein Titel
Anderer Ansatz als mein Vorredner: Hätte man seit 1902 konsequent die Forschungsbudgets der Automobilkonzerne in elektrische Antriebe, insbesondere die Batterietechnik gesteckt wer weiss wo wir heute wären... Dagegen ist alles in die Verbrennung fossiler Rohstoffe gegangen deren Fortschritt sooo ungeheur war (erstes Auto meiner Erinnerung (1990) 10-12l/100 km, mein Skoda Diesel Bj 2001 5,5l/100 km.. ganz neue Autos 3,5-4,5l/100 km ?? Beeindruckend... 112 Jahre Forschung im Elektroantrieb (dann Wasserstoffzelle uswusw) hätte uns bestimmt weitergebracht.... Tja, war die Lobby der Mineralölindustrie stärker als die Batterieindustrie damals...
geo_48 30.01.2014
4. Die Macht der Physik
Zitat von xireneyAnderer Ansatz als mein Vorredner: Hätte man seit 1902 konsequent die Forschungsbudgets der Automobilkonzerne in elektrische Antriebe, insbesondere die Batterietechnik gesteckt wer weiss wo wir heute wären... Dagegen ist alles in die Verbrennung fossiler Rohstoffe gegangen deren Fortschritt sooo ungeheur war (erstes Auto meiner Erinnerung (1990) 10-12l/100 km, mein Skoda Diesel Bj 2001 5,5l/100 km.. ganz neue Autos 3,5-4,5l/100 km ?? Beeindruckend... 112 Jahre Forschung im Elektroantrieb (dann Wasserstoffzelle uswusw) hätte uns bestimmt weitergebracht.... Tja, war die Lobby der Mineralölindustrie stärker als die Batterieindustrie damals...
[QUOTE=xireney;14775704]Anderer Ansatz als mein Vorredner: Hätte man seit 1902 konsequent die Forschungsbudgets der Automobilkonzerne in elektrische Antriebe, insbesondere die Batterietechnik gesteckt wer weiss wo wir heute wären... QUOTE] Auch mit noch so viel Geld lassen sich physikalische Gesetze umgehen. Ein jedes Fahrzeug bracht zum Fahren Energie. Diese Energie muss das Auto mitführen. Die höchste Energiedichte hat Diesel, den anderen Reaktionspartner ist die Umgebungsluft. Wenn ich eine Batterie habe, dann muss ich beide Realtionspartner mitnehmen. Mir bleiben wenige Elemente übrig, die ich reagieren lassen kann, wo ich die Energie zierhen kann. Bleibt die Brennstoffzelle, das ist aber eine ziemliche, gelinde gesagt, Sauerei. Prima für Raumschiffe und Uboote... aber das Harntieren mit Wasserstoff ist nichts für Laien. Deswegen: Elektroautos baut man nur aus Verzweifelung :), das war von hundert Jahren so, und das ist auch heute so.
MDen 30.01.2014
5. Fragwürdige Interpretation der Geschichte
Zitat von xireneyAnderer Ansatz als mein Vorredner: Hätte man seit 1902 konsequent die Forschungsbudgets der Automobilkonzerne in elektrische Antriebe, insbesondere die Batterietechnik gesteckt wer weiss wo wir heute wären... Dagegen ist alles in die Verbrennung fossiler Rohstoffe gegangen deren Fortschritt sooo ungeheur war (erstes Auto meiner Erinnerung (1990) 10-12l/100 km, mein Skoda Diesel Bj 2001 5,5l/100 km.. ganz neue Autos 3,5-4,5l/100 km ?? Beeindruckend... 112 Jahre Forschung im Elektroantrieb (dann Wasserstoffzelle uswusw) hätte uns bestimmt weitergebracht.... Tja, war die Lobby der Mineralölindustrie stärker als die Batterieindustrie damals...
Dieser weltverschwörungstheoretische Annahme, die Ölindustrie habe den Elektroantrieb verhindert, widerspricht die Tatsache, dass es auch jenseits der Automobiltechnik immer ein Interesse am Einsatz mobiler elektischer Energie gegeben hat, die immer mit den Schwierigkeit, der speicherbaren Energie, dem Gewicht und der Gefärhrlichkeit der verwendeten Substanzen zu kämpfen hatte. Wieso sollten sich also die Batteriehersteller von der Ölindustrie bei der Forschung und Entwicklung haben ausbremsen lassen? - Es ist nun einmal eine physikalische Tatsache, dass eine energiedichte Flüssigkeit für den mobilen Einsatz wesentlich besser geeeignet ist, als ein elektischer Energiespeicher. Beim stationären Einsatz wie z.B. bei Bahnen (wo die Energie nicht im Fahrzeug mittransportiert, sondern über die stationären Kabel fließt) oder in Häusern ist Elektrizität aus guten Gründen sehr effektiv einsetzbar. - Außerdem ist es natürlich eine Preisfrage. Solange Erdöl und Kohle unbegrenzt und preisgünstig gefördert werden konnten, haben sich bestimmte Investitionen nicht gelohnt. Fracking rechnet sich auch nur heute bei den relativ hohen Ölpreisen. Und die Nachfrage in D zeigt eindrücklich, dass auch die Kunden die Nachteile in Bezug auf Reichweite und Kosten nicht akzeptieren wollen.
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