Geländewagen von Rolls-Royce "Es ist einfach, ein hässliches SUV zu bauen"

Jetzt also auch Rolls-Royce: Die britische Traditionsmarke und BMW-Tochter, bisher auf Luxuslimousinen spezialisiert, will einen Geländewagen entwickeln. Sakrileg? Ein Anruf beim ältesten Rolls-Royce-Klub.

Ein Interview von

Rolls-Royce

Peter Schwarzenbauer und Torsten Müller-Ötvös sind die Chefs des Autoherstellers Rolls-Royce und außerordentlich begabt darin, drei Großbuchstaben zwischen ganz vielen anderen Buchstaben zu verstecken. In einem offenen Brief kündigten die beiden in dieser Woche an, Rolls-Royce werde ein Auto entwickeln, "dem der Pioniergeist und die Abenteuerlust eines Charles Rolls sowie die Innovationskraft und Ingenieurskunst eines Sir Henry Royce innewohnt (…), das eine hochliegende Karosserie hat, (…) und das den Luxus eines Rolls-Royce in jedem Terrain zu bieten hat."

Kurz gesagt: Rolls-Royce baut ein SUV.

Tim Forrest ist Vizepräsident des 20-Ghost Club und damit einer der Vorsitzenden des ältesten Rolls-Royce-Klubs der Welt. Der Verein wurde 1949 gegründet. Mitglied kann nur werden, wer einen Vorkriegs-Rolls-Royce besitzt. "Bentleys sind nicht erlaubt", heißt es in den Statuten. Der Brite Forrest ist der Ansicht, dass die Qualität der Nachkriegs-Rolls-Royce jahrzehntelang "beschämend" war.

Jetzt also Geländewagen.

SPIEGEL ONLINE: Herr Forrest, wie viele Rolls-Royce stehen in ihrer Garage?

Forrest: Zwei, ein Silver Ghost von 1912 und einer von 1924.

SPIEGEL ONLINE: Was halten Sie von den jüngeren Modellen des Herstellers?

Forrest: Nun, sie sind groß, sie sind teuer - und seit BMW Roll-Royce übernommen hat, erfüllen sie auch wieder die hohen Ansprüche von einst: Die Motorleistung ist außerordentlich, das Handling ist hervorragend, und die Autos sehen imposant aus. BMW pflegt das Erbe.

SPIEGEL ONLINE: Was war Ihr erster Gedanke, als Sie von Rolls-Royce SUV-Plänen hörten?

Forrest: Ich war etwas überrascht.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Forrest: Die vergangenen 50 Jahre hat Rolls-Royce solche Autos nicht gebaut. Aber vor hundert Jahren, zu Beginn der Unternehmensgeschichte, schon. Man fertigte die Autos damals den Wünschen der reichen Kundschaft entsprechend. In Indien kaufte man Rolls-Royce, um damit auf Tigerjagd zu gehen. Hinter den Autos stand die Philosophie, dass sie sowohl widerstandsfähig als auch luxuriös sein müssen. Dass man damit problemlos zu seiner Ranch im Australischen Outback gelangt, gleichzeitig aber auch vor der Oper parken kann. Mit diesem Traditionsverständnis macht es also Sinn, dass Rolls-Royce ein SUV baut.

SPIEGEL ONLINE: Mit vielen modernen SUV kommt man heute nur mühsam über einen Feldweg.

Forrest: Genau hier liegt die Herausforderung. Ein SUV von Rolls-Royce muss zunächst mal Stil haben. Das ist nicht einfach, die meisten großen SUV sind ziemlich hässlich. Gleichzeitig muss der Wagen aber robust genug sein, um damit durchs Gelände zu kommen. Er muss also die Standards erfüllen, die man beispielsweise von einem Range Rover gewohnt ist. Der SUV von Rolls-Royce darf aber nicht zu sehr zum Chelsea Tractor verkommen.

SPIEGEL ONLINE: Wie bitte, zum was?

Forrest: Zum Chelsea Tractor. So nennen wir in Großbritannien Geländewagen, die nur in der Stadt genutzt werden - in Anlehnung an das noble Londoner Viertel Chelsea.

SPIEGEL ONLINE: Verstehe.

Forrest: Natürlich würde ein Rolls-Royce-SUV wohl hin und wieder auch in Chelsea gesichtet werden. Der größte Absatzmarkt aber hätte so ein Auto wohl im Mittleren Osten und in Russland. Und dort muss es in vielen Gegenden was aushalten können.

SPIEGEL ONLINE: Worauf sollte Rolls-Royce noch achten?

Forrest: Bei SUV ist das Ein- und Aussteigen oft schwierig, weil sie so hoch sind. Das Fahrwerk sollte sich also in der Höhe verstellen lassen. Dann muss das Auto mit abgesenkter Karosserie aber genauso gut aussehen wie mit erhöhter. Sie merken schon, es ist wirklich einfach, ein hässliches SUV zu bauen. Die Herausforderung für Rolls-Royce ist riesig.

SPIEGEL ONLINE: Rolls-Royce will bei der Entwicklung des Wagens Kenner der Marke um ihre Meinung fragen. Ist ihr Klub schon kontaktiert worden?

Forrest: Nein. Aber ich kann mir vorstellen, dass sie uns um Rat fragen, auf welche früheren Modelle man sich beziehen könnte.

SPIEGEL ONLINE: Und?

Forrest: Wir würden ihnen das SUV von Edward VIII. empfehlen. Er besaß einen schönen Rolls-Royce Silver Ghost, der zu einem Shooting Brake umgebaut wurde. Es gibt noch weitere solcher Beispiele von Rolls-Royce, die zwischen 1910 und 1920 entstanden. Natürlich unterscheiden sie sich im Design völlig von den modernen Geländewagen. Aber es waren eben die SUV der damaligen Zeit.

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insgesamt 61 Beiträge
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Seite 1
RGFG 22.02.2015
1. ...kommt man heute nur mühsam über einen Feldweg.
Ähhh - könnte der Autor vielleicht mal ein Beispiel für die 'vielen SUV' liefern, bei denen das zutrifft?! Ich gehe mal davon aus, er redet nicht von aufgebretzelten Normalautos wie ein Polo Country oder so, sondern von so Dingern wie einem BMW X3 oder X5 oder einem Porsche Cayenne oder einem VW Tiguan. Die Dinger können im Gelände mehr, als man ihnen zutrauen würde...
bernd.stromberg 22.02.2015
2.
Nun, einen normalen deutschen Feldweg kommt man i.d.R. sogar mit einem recht tiefen Sportwagen entlang (eigene Erfahrung *g*). Und nein, viele der von Ihnen genannten SUV kommen ja z.T. sogar mit nur einer angetriebenen Achse daher. Und selbst mit Allradantrieb benötigt es schon gewisser Sperren- und Kraftübertragungakonzepte um im Gelände wirklich mit den großen mitspielen zu können. Aber selbst wenn X5 und Co. "echten" Geländewagen wie Landcrui ser, Patrol usw. auch nur annähernd das Wasser reichen könnten: solange man sie zu 90% als Stadtauto in den Stadtteilen Hamburgs, Londons usw. sieht, kann man sie getrost als "Fashion SUV" bezeichnen. Ein Cayenne ist übrigens genauso wenig Geländewagen wie Sportwagen. Es ist ein hässlicher, fetter Klotz mit hohem Schwerpunkt. Der Porsche Turbo S Motor gehört in den 911er, dort fährt er Kreise um den Cayenne Turbo S. Siehe Datenblatt, siehe Rennstreckenwerte.
tumut 22.02.2015
3. SUV im 'Gelände'
Was SUV Fahrer halt so als 'Gelände' definieren. Da hakt es schon an der Standardbereifung.
Eduschu 22.02.2015
4.
Egal, nach 1966 hat Rolls Royce eh kein schönes Auto mehr gebaut.
LapOfGods 22.02.2015
5. Unmöglich
Es ist nicht nur einfach ein hässliches SUV zu bauen, es ist sogar vöölig unmöglich ein hübsches SUV zu bauen. Das ist bisher keinem gelungen und wird auch niemandem gelingen. Diese rollenden Kleiderschränke im Stil Gelsenkirchener Barocks sind einfach per Definition hässlich.
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