Elektrorikscha: Schluss mit Tuk-Tuk
Tuk-Tuks sind bunt, praktisch - und nerven gehörig. In asiatischen Städten verbreiten die Dreiradrikschas nämlich einen extremen Krach. Ein Hersteller will das Geknatter jetzt beenden und massenhaft Tuk-Tuks mit E-Motoren produzieren. Eine Frage sollte dabei aber dringend geklärt werden.
"Sir, do you need Tuk-Tuk?" Asien-Reisende kennen diese Frage. Die dreirädrigen Motorradrikschas mit dem charakteristischen Motorgeräusch gehören ins fernöstliche Großstadtbild wie das Yellow Cab zu New York. Sie sind aber wesentlich farbenfroher als normale Taxis - und lauter. Aber das mit dem Lärm soll sich jetzt legen. Denn das japanische Start-up-Unternehmen Terra Motors hat ein Elektro-Tuk-Tuk entwickelt, das schon bald über die Straßen Manilas surren soll.
"Wir haben das Gefährt speziell für Taxifahrer in den Entwicklungs- und Schwellenländern entwickelt, um die Armut zu bekämpfen und einen sinnvollen Beitrag zur Umwelt zu leisten", sagt Koshi Kuwahara, Mitarbeiter von Terra Motors. Das E-Tuk-Tuk soll nicht nur die Luftqualität verbessern, sondern auch die Lärmemissionen dämpfen. Variabel einsetzbar sind die Gefährte ohnehin, etwa als Kleinsttransporter oder sogar Streifenwagen.
Das von Terra Motors entwickelte E-Tricycle ist knapp 3,40 Meter lang und wird von einem Sieben-PS-Motor angetrieben. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 50 km/h. Eine Akkuladung reicht für eine Fahrstrecke von rund hundert Kilometern, danach muss das Dreirad für acht Stunden an die Steckdose. Die Standardversion bietet dem Fahrer sowie zwei bis drei Kunden im Fond Platz.
Auf lange Sicht günstiger
Kosten soll das Gefährt umgerechnet etwa 4800 Euro. Klingt eigentlich preiswert - ist es aber nicht. Und genau da liegt das Problem: Herkömmliche, gasbetriebene Tuk-Tuks kosten auf den Philippinen, wo Terra Motors in den nächsten drei Jahren 100.000 E-Tricycles verkaufen möchte, lediglich zwischen 800 bis 1200 Euro. Zudem kommen sie ohne das häufige und zeitaufwendige Nachladen aus.
Terra Motors ist dennoch zuversichtlich und macht folgende Rechnung auf: Ein Tuk-Tuk-Fahrer in Manila verdient im Schnitt umgerechnet knapp 8 Euro pro Tag. Die Elektrorikscha wiederum soll im Vergleich zu den Modellen mit Verbrennungsmotor täglich umgerechnet 3,80 Euro an Spritkosten sparen. Anders gesagt: Sie sollen den Verdienst des Fahrers um 50 Prozent steigern. Nach drei bis vier Jahren Nutzungszeit hätte sich die Anschaffung eines E-Tricycles amortisiert - und der CO2-Ausstoß, zumindest in den Städten, würde ebenfalls vermindert.
Durch deutsche Städte surren schon Rikschas
So exotisch wie es vielleicht klingen mag, ist das Elektro-Tuk-Tuk übrigens nicht. Sogar in Deutschland kann man die Dinger fahren. Es gibt Firmen in mehreren deutschen Großstädten wie Hamburg, Berlin, Köln oder München, die elektrisch betriebene Tuk-Tuks zum Selberfahren vermieten.
Meist stammen die Dreiräder von dem niederländischen Anbieter Tuk-Tuk-Factory, der sich auf die Elektrowägelchen spezialisiert hat. Rund 17.000 Euro kostet ein neues Gefährt. Ein happiger Preis, weshalb das Mietgeschäft in Deutschland Vorrang hat; für etwa 35 Euro pro Person kann man zwei Stunden Elektrorikscha fahren.
Bleibt eine wichtige Frage zu klären: Was passiert mit dem hübschen Namen Tuk-Tuk, wenn in Zukunft gar kein Tuktuk mehr zu hören sein wird?
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