E-Mobilität Ladenotstand in Deutschland

Die Bundesregierung will mehr E-Autos auf den Straßen. Doch der ambitionierte Plan von einer Million Fahrzeuge bis 2020 ist zum Scheitern verurteilt. Denn der Ausbau der Ladestationen kommt nicht voran.

Alexander Dobrindt bei der Inbetriebnahme einer Ladesäule
BMVI

Alexander Dobrindt bei der Inbetriebnahme einer Ladesäule


Wenn ein Minister zu einer Tankstelleneröffnung kommt, dann muss das ein besonderes Ereignis sein. Im Falle der von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eröffneten Elektro-Ladestation trifft das zu: Von den 7000 öffentlichen Schnellladepunkten, die bis 2020 in Betrieb gehen sollen, sind gerade einmal 153 realisiert, wie aus einer internen Präsentation seines Ministeriums von Mitte Juni hervorgeht. Eine Tankstelle kann dabei mehrere Ladepunkte haben - wir reden hier also mitnichten von 153 Tankstellen.

Kein Wunder also, dass gefühlt fast jede Ladesäule dem Minister einen Fototermin wert ist - so wie im vergangenen September, als Dobrindt an der A9 gleich drei davon eröffnete: "Künftig ist es möglich, mit einem Elektrofahrzeug von der Nordsee bis an die Zugspitze zu fahren", sagte der Minister stolz.

Nur wann? Bleibt es beim derzeitigen Ausbautempo, kann es noch Jahre dauern, bis so eine Reise ohne Komplikationen möglich sein wird. Denn auch bei den für 2020 angekündigten 36.000 Normalladepunkten (mit längerer Ladezeit) droht der Zeitplan zu scheitern - bis dato sind gerade einmal knapp 5900 in Betrieb, heißt es in dem Dokument, das SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Zu wenige Ladesäulen bremsen die E-Mobilität aus

Damit bleibt nicht nur die Entwicklung von E-Autos, sondern auch der Bau der Infrastruktur weit hinter den Erwartungen und vor allem den Ankündigungen zurück. Für die Bundesregierung bedeutet das weiteren Druck. Hatte diese sich doch zum Ziel gesetzt, der E-Mobilität in wenigen Jahren zum Durchbruch zu verhelfen. An den Kosten für die Infrastruktur liegt der Ladenotstand nicht. Diese gelten unter Experten als überschaubar. So kostet eine Normalladestation zwischen 800 und 2000 Euro, Schnellladesäulen sind jedoch mit ab etwa 200.000 Euro deutlich teurer.

An Schnellladepunkten können E-Fahrzeuge in der Regel in weniger als 30 Minuten ihre Batterie zu 100 Prozent laden, während es an normalen Ladepunkten mehrere Stunden dauern kann, an der heimischen Steckdose sogar mehr als einen halben Tag.

Investitionsprogramm statt Sonntagsreden

"Damit ist schon heute klar: Die Bundesregierung bewegt sich beim Zukunftsmarkt Elektromobilität im Schneckentempo. Ihre gesamten Ziele im Bereich der Elektromobilität werden damit krachend verfehlt", sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen, Oliver Krischer. Sowohl die vergleichsweise langen Ladezeiten als auch das dünne Tankstellennetz gelten nach wie vor als Hindernis für die E-Mobilität.

"Wer Elektromobilität will, der darf das nicht nur in Sonntagsreden erwähnen, sondern muss sie auch tatsächlich fördern. Was wir brauchen, ist ein richtiges Investitionsprogramm, das den Aufbau von Ladepunkten zügig und flächendeckend aufbaut", so Krischer. Er schlägt vor, den Ausbau der Ladeinfrastruktur planmäßig als Teil des Stromnetzes voranzutreiben und über die Stromnetzentgelte zu finanzieren.

Erst kürzlich hat die Regierung ein umstrittenes Förderprogramm für die E-Mobilität gestartet, das auch die Anschaffung von E-Autos finanziell unterstützt. In diesem Rahmen sollen 300 Millionen Euro in den Ausbau der Ladeinfrastruktur fließen und für mindestens 15.000 neue Ladestationen sorgen. "Aufgrund der noch relativ geringen Anzahl an E-Fahrzeugen ist der Aufbau der Ladeinfrastruktur noch nicht flächendeckend wirtschaftlich", heißt es dazu aus dem Verkehrsministerium.

Bis 2020 sollen - so die ursprünglichen Pläne der Regierung - eine Million elektrisch betriebener Fahrzeuge in Deutschland auf den Straßen sein. Doch davon ist man weit entfernt. Am 1. Januar 2016 gab es laut Kraftfahrt-Bundesamt in Deutschland gerade einmal gut 25.500 ausschließlich elektrisch angetriebene Fahrzeuge und knapp 130.400 Hybride (einschließlich Plug-in) - bei einem Gesamtbestand von 45,1 Millionen Pkw.

mhu



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rkinfo 08.07.2016
1. 40 kWh nachladen bedeutet 1h Ladezeit
Beim Tesla haben wir 60-80 kWh Akkus, was ca. 200-300 km Reichweite bei ca. 40 kWh bedeutet. Das lässt sich auf andere Fahrzeuge mit Normstecker übertragen, die dann mit 400V / 3×32A geladen werden. Wir benötigen also ca. 100 Ladestationen je Autobahnraststätte. Für Autofahrer aber noch ein Zeitbedarf, der nicht überzeugt. Die Elektromobilität hat also noch Probleme.
Yorch 08.07.2016
2. Ergänzung/ Richtigstellung
Bitte korrekte Zahlen: Ein Tripplelader kostet ca. 20 000 Euro, nicht 200 000! Wobei natürlich auch die 20 000 noch sehr viel sind, wenn man bedenkt, dass Renault/Continental es auch zum Preis eines "Normalladers" hinbekommen. Jetzt zu den Schnelladern: Die Hälfte davon steht wahrscheinlich bei irgendwelchen Autohäusern auf dem Hof und ist am Wochenende oder Nachts abgeschlossen oder zugeparkt. Oder VW darf nicht bei BMW laden etc. Zu dem Bild von Herrn Dobrind am Köschinger Forst: Reinste Propaganda: An diesem Rastplatz stehen vorbildlicher Weise 3 Ladesäulen, so dass man nicht strandet, wenn mal eine blockiert oder schon besetzt ist. An den anderen Tank&Rast Stationen gibt es leider nur 1!! Ladesäule. Noch nichtmals eine langsamere für den Notfall oder die Übernachtung im B&B Hotel. Auf der Gegenrichtung zum Köschinger Forst gibt es übrigends bis heute noch keine Ladesäule. Wie auch bei weiteren Rastplätzen. Wie bitte soll man wieder zurück kommen? Und Warum werden 50% der Säulen in Bayern aufgebaut? Dann gibt es noch zahlreiche zwar seit langem aufgestellte Ladesäulen, die aber mit einem Blauen Sack verhüllt auf irgendwas warten. Tip an die Redaktion: Lesen sie hier mal mit: http://www.goingelectric.de/forum/off-topic-stammtisch/psychische-betreuung-fuer-abenteuer-tank-rast-geschaedigte-t17519.html http://www.goingelectric.de/forum/oeffentliche-ladeinfrastruktur/abenteuer-tank-rast-baustellensuche-t17729.html PS: Was die Elektromobilität einfach fördern würde: -Dienstagwagenregelung: 1% bei Elektroautos auf 0.5% reduzieren -Gesetzlich festlegen, dass jeder auf eigene Kosten einen Stromanschluss zu seinem Tiefgarangenstellplatz/Garage legen darf, auch wenn die Eigentümergemeinschaft dagegen ist. -Bei neuen Parkplätzen müssen 3% opder Mindestens einer mit einer Ladestation ausgerüstet sein. -Neue Tankstellen an Autobahnen und Schnellstrassen werden nur genehmigt, wenn sie mindestens eine 22kW Ladestation bauen.
Yorch 08.07.2016
3. Pps
...und wenn man noch was gutes für die Umwelt und den kleinen Mann tun will: Nicht 40000 Euro Autos fördern, sondern Elektrofahrräder, Roller und Leichtelektromobile. Spart Ressourcen und nutzt Leuten, die wenig Geld haben.
janos71 08.07.2016
4. Mittelalter
Wie bei vielen anderen neuen Technologien krebst D auch bei der E-Mobilität nur umher. Das sieht man wenn man einfach mal die Niederlande oder Skandinavien besucht. Da sind Ladestationen längst keine Seltenheit. Auch der Ausbau des Mobilfunknetzes in D ist eher ein Witz. Auf dem Land ist man froh wenn man mit 2 MBit umherdaddeln kann. Ich meine dass der technologiefreundliche Ruf Deutschlands eher von unseren Medien verbreitet wird. Die Wahrheit ist eher düster.
rgw_ch 08.07.2016
5. Und Steckerstandards
Gut wäre auch, wenn staatliche Stellen einheitliche Stecker durchsetzen würden. Nichts ist so lästig, wie wenn es zwar Ladestationen gibt, aber keine, die den passenden Stecker hat. Bei Haushaltsgeräten hat das doch auch geklappt, wieso muss es beim Auto mehrere verschiedene Systeme geben?
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