E-Golf für die Polizei auf Helgoland Mit der Lizenz zum Laden

Die Polizei auf Helgoland bekommt erstmals einen Elektro-Golf. Die Insel ist für den Einsatz prädestiniert: Während die Beamten bei Verfolgungsjagden künftig losstromern, gehen die Verbrecher garantiert zu Fuß.

Von Markus Bruhn

Volkswagen

Noch steht der nigelnagelneue VW E-Golf auf dem Parkplatz des Landespolizeiamts in Kiel. In einigen Tagen soll das silber-blaue Auto als erster E-Golf auf Helgoland in den Polizeidienst gestellt werden. Es fehlt nur noch die Sondergenehmigung für den Betrieb auf der Hochseeinsel, denn dort sind Autos eigentlich verboten. Doch für die Ordnungshüter wird mit Sicherheit eine Ausnahme gemacht, denn der Neue ersetzt nur das bisherige Polizeiauto, einen ebenfalls elektrisch angetriebenen Piaggio Porter, der sechs Dienstjahre auf dem Buckel hat.

Dass ausgerechnet auf dem abgelegenen Helgoland die Polizei elektrisch fährt, passt perfekt. Die kleine Insel bietet ideale Voraussetzungen für E-Mobilität. "Mit den 150 Kilometern Reichweite werden wir keine Probleme haben", sagt Lothar Gahrmann vom Landespolizeiamt in Kiel. Die Hauptinsel ist nur einen Quadratkilometer groß, es gibt lediglich dreißig Straßen und nur eine lange Gerade, die "Kartoffelallee".

Genug Zeit zum Aufladen des Akkus an der Ladestation am Polizeirevier dürfte auch vorhanden sein. Die fünf Polizeibeamten auf Helgoland würden auch weiterhin ihre Dienstfahrräder benutzen, heißt es aus Kiel. Nur wenn Ausrüstung gebraucht werde oder mal ein Betrunkener befördert werden müsse, würde man den Elektro-Peterwagen nutzen.

Motorisiert ist die Insel-Polizei erst seit 2007. Damals rollte als erster Polizeiwagen eine benzinbetriebene Mercedes A-Klasse von der Fähre. Die Empörung der Insulaner war groß, manche fürchteten gar um die Reinheit der Seeluft. Schon bald wurde der Benziner gegen den elektrischen Piaggio-Mini-Transporter ausgetauscht.

Waffenhalter und Öko-Blaulicht

Der neue E-Golf "entspricht allen einsatztaktischen Anforderungen an ein Polizeifahrzeug", heißt es von Volkswagen, unter anderem gibt es einen Waffenhalter in der Beifahrertür. Zudem wurde die Sonderausstattung auf besondere Energieeffizienz getrimmt. So verfügt der 115 PS starke VW über ein gegenüber konventionellen Systemen sparsameres Digitalfunkgerät sowie eine effizientere Blaulichtanlage - im Polizeideutsch "Sondersignalanlage" genannt.

Erstmals präsentiert wurde das Einsatzfahrzeug vor einigen Wochen auf der Internationalen Fachmesse für Polizeiausrüstung in Leipzig. Und laut VW sei eine klare Nachfrage nach elektrischen Einsatz- und sonstigen Dienstfahrzeugen zu spüren. Dabei verweisen die Wolfsburger auf den Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel: "Gemeinden, Länder und der Bund haben eine besondere Verantwortung, bei der Elektromobilität mit gutem Beispiel voranzugehen", sagte der stellvertretende Bundeskanzler. Helgoland fährt jetzt vorneweg.

In diesem Sinne kann sich die Helgoländer Polizei nun also als Vorreiter fühlen. Zur Verbrecherjagd wäre der E-Golf mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 10,4 Sekunden jedenfalls geeignet. Ob es derartige Verfolgungsszenen zwischen Mole und "langer Anna" tatsächlich gibt? Dazu gibt die Polizei leider keine weiteren Auskünfte.



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sponner_hoch2 10.11.2014
1.
---Zitat--- Motorisiert ist die Insel-Polizei erst seit 2007. Damals rollte als erster Polizeiwagen eine benzinbetriebene Mercedes A-Klasse von der Fähre. Die Empörung der Insulaner war groß, manche fürchteten gar um die Reinheit der Seeluft. ---Zitatende--- Also wenn die Helgoländer sich jetzt noch über Witze bezüglich gehäuft vorkommende und die Größe des Genpools dezimierende Partnerwahlmethoden auf Ihrer Insel aufregen... dann beweisen sie nur noch mehr, dass da was dran ist :-). Oder für Helgoländer in einfach Worten: Nicht mehr alle Teetassen im Schrank?!? Wegen einem Auto auf 1,7 km², dass jetzt auch nicht in Le Mans Manier 24h Stunden täglich um die Insel brettert, habt ihr Angst um Eure Seeluft? Und das auch noch auf einer Hochseeinsel, wo besagte recht kräftige Seeluft dafür sorgt, dass selbst bei merkbaren Abgasmengen die schnell weg sind? Oh man, ihr habt wohl echt zu viel Strohrum getrunken.
fischersfritzchen 10.11.2014
2. Reinheit der Seeluft?
.... die Fähren, Schiffe und Boote, die vor Helgoland herumschippern haben doch auch nicht alle Elektroantrieb oder Rußpartikelfilter, oder? So ist die Seeluft vielleicht rein, aber nicht uneingeschränkt sauber. Ansonsten finde ich gut, dass auf Helgoland keine (lauten) Autos und auch keine Fahrräder - abgesehen von den wenigen offiziellen herumfahren. Nicht wegen der sauberen Luft - vielmehr wegen der Ruhe und Entspanntheit, die ein Verkehr in Fußgängergeschwindigkeit mit sich bringt.
SirWolfALot 10.11.2014
3. Xtra3
Hat sich nicht Xtra3 und die Bevölkerung darüber lustig gemacht, dass ein Polizeiauto keinen Sinn macht auf einer Insel wo 1. keine Autos fahren dürfen 2. Die Kriminalitätsrate verschwindend gering ist. In meinen Augen ist das rausgeworfenes Geld.
kenterziege 10.11.2014
4. Ein Fall für den Landesrechnungshof ...
.....für den Fall, dass das Auto nicht von VW geschenkt wurde. Für mich ist das ein typischer Fall von Marketing-Gag. Helgoland - reine Seeluft - Elektroauto. Da soll eine Assizoation hergestellt werden. Ich sehe schon das Bild vom E-Golf an der Steckdose, die mit ökologischem Windstrom geladen wird. Aber wo ist denn das Windrad auf Helgoland? Ach ja - bei Windstille kommt der Kohlestrom von Land! Auf dieser kleinen Insel reicht ein E-Scooter aus China!
jokoenen 10.11.2014
5. Bundespolizei in Stuttgart hat auch Elektroauto
Leider ist die Rechweite nicht ausreichend für eine Fahrt von Böblingen in die Stadt und wieder zurück. Es muss eine längere Ladepause eingelegt werden.
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