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Elektro-Porsche von Ruf: Emotion ohne Emission

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Was Tesla kann, das können wir auch. Nach diesem Motto stellt Sportwagenbauer Ruf jetzt ebenfalls einen Stromsprinter auf die Räder. Noch ist der umgebaute Porsche ein Einzelstück, und unterm Blech sieht es aus wie in einem Physikbaukasten. Doch die Entwicklung läuft.

Wer in der Autowelt den Namen Ruf hört, der denkt an brüllende Sechszylindermotoren und Leistung im Überfluss. Denn der Allgäuer Porsche-Tuner, der seit zwei Jahren vom Branchenverband VDA offiziell als Automobilhersteller geführt wird und als einziger westlicher Unternehmer eine Autofabrik in Arabien unterhält, hat schon so ziemlich jeden Sportwagen aus Zuffenhausen noch schneller gemacht. Mit dem 700 PS starken Typ CTR3 aus dem Werk in Bahrain hat die Firma sogar einen eigenen Spitzensportler auf die Räder gestellt.

Auch wenn die rund 300 pro Jahr produzierten Ruf-Modelle zumeist mit Vollgas bewegt werden und so viel Durst haben wie ein Kamel nach drei Tagen in der Wüste, hat Firmenchef Alois Ruf ein grünes Gewissen. Unter anderem betreibt er im Allgäu gleich drei Wasserkraftwerke, mit denen er jedes Jahr 35 Millionen Kilowattstunden (kWh) sauberen Strom ins öffentliche Netz speist. Diese Energie will er künftig auch zum Autofahren nutzen - und hat deshalb den ersten Wagen mit Elektromotor seines Unternehmens entwickelt. Bei dieser Firmengeschichte kann das natürlich kein Kleinwagen sein. Sondern wie es sich für eine Sportwagenschmiede gehört, schnurrte in Pfaffenhausen eine flotte Flunder im Porsche-Gewand aus der Werkstatt.

Das Auto basiert, wie jedes Modell der Marke, "auf dem jeweils besten Serienauto der Welt", wie Ruf den Haus- und Hoflieferanten Porsche lobt. Nur steckt bei diesem im Heck statt eines aufgebohrten Boxermotors ein fast schon winziger Elektromotor, der kaum größer ist als eine Wäschetrommel und lediglich 91 Kilogramm wiegt. Dennoch entwickelt der Stromer eine gehörige Kraft: 150 kW oder umgerechnet auf die alte Welt der Verbrenner 205 PS und 650 Nm direkt ab dem Leerlauf sorgen für eine Beschleunigung, die Ruf mit seinen heißesten Turbo-Modellen vergleicht.

Allerdings entsteht der Katapult-Effekt angesichts des hohen Gewichts und des noch nicht optimierten Getriebes nur am Anfang der Beschleunigungsphase. Je schneller der E-Ruf wird, desto zäher geht es voran. Deshalb klappt der Standardsprint in eher durchschnittlichen sieben Sekunden, und Schluss ist bereits bei 225 km/h. Anderen Elektroautos wie dem Chevrolet Volt und normalen Mittelklasselimousinen wie einem 3er BMW würde der Elektro-Ruf zwar munter davon fahren. Doch der Entwickler ist noch nicht zufrieden. "Daran wird noch gearbeitet", sagt Ruf .

96 Lithium-Ionen-Batterien liefern Energie

Den Strom zapft der Elektromotor aus speziellen Lithium-Ionen-Akkus, die in ihrer Kastenform an konventionelle Autobatterien erinnern. Allerdings braucht der E-Ruf nicht einen, sondern gleich 96 dieser 5,6 Kilo schweren Kästen, die jeden freien Kubikzentimeter im Motorraum und vorne unter der Gepäckklappe füllen. Trotzdem entsprechen die 51 kWh gerade einmal dem Energiegehalt von fünf Litern Benzin, erläutert Ruf die Herausforderung bei der Speicherung der elektrischer Energie. Während ein konventioneller Porsche mit fünf Litern Super allerdings keine 50 Kilometer weit kommen würde, hat der Elektro-Ruf je nach Fahrweise eine Reichweite von 250 bis 320 Kilometern, verspricht der Entwickler. Und weiterer Fortschritt zeichne sich ab: "Bereits heute steht eine modernere Batteriegeneration zur Verfügung, die bei 15 Prozent geringerem Gewicht rund 30 Prozent mehr Energie speichern kann."

Noch hat der Testwagen den Status eines handgestrickten Prototypen, den andere Hersteller lieber verstecken. Denn wirklich vertrauenerweckend und alltagstauglich sieht die Elektrokonstruktion unter den Hauben noch nicht aus. "Doch wir wollen möglichst früh die Reaktion der Öffentlichkeit testen", begründet ein Unternehmenssprecher die Offenheit. Und ähnlich wie beim Tesla Roadster sei das Ergebnis bislang überwältigend. Die Beschleunigung des vermeintlichen Öko-Renners hinterlasse einen nachhaltigen Eindruck bei Testfahrern. Emissionen während der Fahrt gibt es keine, wohl aber Emotionen im Überfluss.

Neugierige Blicke aus Zuffen- nach Pfaffenhausen

Entsprechend optimistisch sieht man bei Ruf die Zukunft des Strom-Sportlers. "Der E-Ruf wird weiter entwickelt", heißt es. Mehr Details will das Unternehmen jedoch nicht verraten. "Über Serienanlauf und Preis reden wir, wenn es so weit ist." Doch zumindest auf Nachfrage werden die Bayern etwas konkreter: "In einem Jahr wissen wir mehr." Ach was.

Porsche selbst beobachtet die Entwicklung in Pfaffenhausen mit Neugier und Interesse. "Wir begrüßen Engagements wie jenes von Alois Ruf", sagt Porsche-Sprecher Eckhard Eybl. "Denn es zeigt ja, dass zukünftig auch alternative Antriebstechnologien für Sportwagen in begrenztem Umfeld vorstellbar sind." Doch bei den Schwaben sind die Prioritäten erst einmal anders gesetzt. Dort steht zunächst die vorsichtige Elektrifizierung der Modelle Cayenne und Panamera ins Haus, die bis zum Ende des Jahrzehnts mit einem Hybridmodul zu Teilzeitstromern werden sollen. Dabei mangelt es Porsche beim Elektroauto nicht an Erfahrung. Für neue Konstruktionen genügt ein Blick ins Werksarchiv, wo die Ingenieure allerdings ein bisschen blättern müssten. Denn der erste Stromer der Marke war der Lohner-Porsche aus dem Jahr 1900.

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