Elektroauto-Studie Chreos: Dauerläufer mit Über-Batterie

Elektroauto Chreos: Der Dauerläufer Fotos
Silex Power

Eine Reichweite von tausend Kilometern? Das Leistungsvermögen des E-Mobils Chreos klingt revolutionär, ein Super-Akku soll's möglich machen. Bislang existiert der Wagen nur auf dem Papier - doch es gibt Hinweise, dass die Über-Batterie technisch möglich wäre.

Falls die großen Autohersteller überhaupt jemals einen Glauben an Elektroautos hegten, dann haben sie ihn in den vergangenen Monaten offenkundig wieder verloren. Toyota und Mercedes schwören inzwischen auf die Brennstoffzelle, bei Audi wurde unter anderem die Produktion des R8 e-tron abgeblasen. Nur ein Branchenneuling unterbricht den Abgesang auf die E-Mobilität jetzt mit einer Jubelarie.

Das Unternehmen Silex Power kündigt ein revolutionäres Elektroauto an - den Chreos. Mit dem Fahrzeug will man eines der Hauptprobleme der Stromer, die geringe Reichweite, einfach über den Haufen fahren: Denn ein Super-Akku soll dafür sorgen, dass der Chreos erst nach tausend Kilometern wieder an die Steckdose muss. Zum Vergleich: Der Elektrokompaktwagen Nissan Leaf schafft rund 170 Kilometer, und das Model S von Tesla, derzeitiger Marathonmeister unter den E-Mobilen, bringt es mit ganz viel Disziplin auf etwa 500 Kilometer. Aber wie schafft der Chreos die doppelte Strecke?

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE erklärt Silex-Geschäftsführer Jonathon Grech, im Chreos komme ein Lithium-Ionen-Akku mit einer Speicherkapazität von 400 Wattstunden pro Kilo zum Einsatz. Das entspricht ungefähr der doppelten Leistung herkömmlicher Batterien.

Irre ausdauernd und schnell

Laut Grech hat Silex Power die Technologie in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern entwickelt. Als Zulieferer oder gar Hersteller der Automobilindustrie fiel das Unternehmen bislang nicht auf, aber mit alternativen Energieträgern kennt man sich aus: Grechs Firma produziert Solar- und Windkraftanlagen und hat außer einem Hauptsitz auf Malta weitere Standorte in Frankreich, Großbritannien und China.

Abgesehen von der Ausdauer soll der Super-Akku sogar noch eine weitere rekordverdächtige Verbesserung bieten: Grech sagt, dass die Batterie sich dank einer speziellen Kathode an einer Hochleistungs-Ladestation innerhalb von zehn Minuten mit frischer Energie vollsaugen kann.

Die Ankündigung klingt fast zu gut, um wahr zu sein - und so wundert es kaum, dass der Chreos bislang nur auf dem Papier existiert. Einen Hinweis darauf, dass an dem Konzept vielleicht doch etwas werden könnte, gibt es allerdings: Im vergangenen Jahr hat ein Unternehmen in den USA ebenfalls einen Lithium-Ionen-Akku präsentiert, der 400 Wattstunden pro Kilo leistet. Der Wert wurde nach Tests von einer offiziellen Behörde bestätigt. Die Struktur seiner Batterie ist ähnlich, sagt Grech - bietet aber den zusätzlichen Vorteil einer rasanten Ladezeit.

Zurückhaltung ist gefragt

Um mit dem Chreos die volle Reichweite zu erlangen, ist allerdings Zurückhaltung gefragt: Die Durchschnittsgeschwindigkeit darf dazu nicht mehr als 125 km/h betragen. Das könnte zu einer Herausforderung für den Fahrer werden - denn die Lust auf Vollgas dürfte groß sein, immerhin bringt es der Wagen laut Hersteller auf 300 km/h.

Vier Radnabenmotoren leisten zusammen rund 650 PS und katapultieren das Auto in 2,9 Sekunden von null auf Tempo 100. Außer der Ausdauer eines Dieselautos und der Brachialkraft eines Supersportwagens soll der Chreos auch Platz für vier Personen und eine luxuriöse Ausstattung bieten.

Mit solchen Werten spottet der Chreos natürlich dem Grundprinzip der Elektromobilität. Statt klein, zurückhaltend und spartanisch ist er ein einziger automobiler Superlativ. Dabei musste Grech eher aus der Not heraus klotzen statt kleckern. Denn wie er offen zugibt, ist der Hochleistungsakku im Vergleich zu normalen Lithium-Batterien viel teurer. Die Akku-Technik muss also aufwendig verpackt sein, damit sich der hohe Preis für den Wagen rechtfertigen lässt.

Zwang zur Nobelkarosse

Ein genauer Preis und der Zeitpunkt der Markteinführung stehen laut Grech allerdings noch nicht fest. Er plant, den Super-Akku Ende des Jahres in einem kleineren Elektroauto einem Härtetest zu unterziehen. Läuft alles wie gewünscht, möchte er den Chreos in einer Kleinserie von höchstens 300 Exemplaren produzieren.

Damit bleibt die ganz große Begeisterung beim Chreos und seinem Super-Akku aus. Denn selbst wenn die Probleme der Reichweite und der Ladezeit gelöst sind, den größten Nachteil von E-Mobilen kann er nicht ausmerzen: die im Vergleich zu Autos mit Verbrennungsmotoren immens hohen Kosten. Schließlich zieren sich große Hersteller vor allem deshalb mit der Einführung von Elektromodellen, weil eine rentable Massenproduktion derzeit unmöglich ist.

Silex-Chef Grech lässt sich davon offenbar nicht abschrecken. Den luxuriösen Chreos sieht er als technischen Vorreiter. Mit der Erfahrung aus dem Projekt will er eine Plattform für Elektroautos entwickeln, auf der später auch preiswertere Modelle gebaut werden können. "Unser Ziel", sagt er, "ist der Massenmarkt."

cst

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insgesamt 114 Beiträge
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1. Betrugsmasche
alles_wisser 01.03.2013
Das ist nicht die erste Batterie mit einer ,,Super Leistung". Wenn dann erst mal genügend Investoren aufgesprungen sind, wird sich herausstellen das es doch nicht funktioniert und das Geld ist weg.
2. Luftnummer
al_barka 01.03.2013
von der Firma werden wir in den kommenden Monaten/Jahren nichts Positives mehr hören. Hier lief auch schon mal ein A2 mit einem "Super" Akku über 800 km, - und stand plötzlich nicht mehr zur Kontrolle bereit. Dass Neuentwicklungen teuer sind, bezweifle ich nicht, aber die 4 Radnabenmotoren mit 650 PS weisen aus, dass die Planer keine echte Bodenhaftung haben. Eine Computeranimation einer durchschnittlich schnittigen Karosserie reicht für das Ziel (Super Akku) leider nicht aus.
3. Fortschritt
atemlos9 01.03.2013
Zitat von sysopSilex PowerEine Reichweite von 1000 Kilometern? Das Leistungsvermögen des E-Mobils Chreos klingt revolutionär, ein Super-Akku soll's möglich machen. Bislang existiert der Wagen nur auf dem Papier - doch es gibt Hinweise, dass die Über-Batterie technisch möglich wäre. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/elektroauto-chreos-schafft-dank-super-akku-1000-kilometer-reichweite-a-884998.html
Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Gut, wenn er auch in die richtige Richtung geht.
4. na also...
kolibri73 01.03.2013
Geht nicht gibts nicht oder dem deutschen? ingenieur ist nix zu schoer! : - )
5. 10 Minuten Ladezeit?
edelbastler 01.03.2013
Die Zahlen sind ja gut und schön.... aber die Folgen? In 10 Minuten soll die Riesenbatterie aufgeladen sein. Bei 1000 km Reichweite und einem Verbrauch von angenommenen 20 KWh pro 100 Km ergibt sich eine Kapatität der Batterie von 200 KWh. Wenn man die in 10 Minuten laden will, ergibt sich eine Anschlussleistung von 1200 KW (ohne Berücksichtigung der Ladeverluste von ca. 20%). So ein Anschluss hat nur ganz wenig mit der üblichen, heimischen Steckdose zu tun (die leistet ca. 3 KW). Ich frage mich, wer die notwendige Infrastruktur bauen, bzw. finanzieren wird.
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Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Roadster, Chevy Volt/Opel Ampera, Think City
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Honda Civic, Honda Insight
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz)
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera
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