Elektroauto Lampo Überraschung aus dem Tessin

Er sieht gut aus, tritt mit 268 PS an, produziert keinerlei CO2 - und wird wohl niemals zu kaufen sein. Der Lampo ist ein Prototyp, der auf dem Autosalon in Genf erstmals gezeigt wird. Entwickelt wurde der Elektro-Roadster von der Schweizer Firma Protoscar.


Die Mission des Lampo ist schnell erklärt. "Das Auto soll selbst Skeptiker vom Elektroantrieb überzeugen", heißt es Pressetext zu dem Wagen, der in gut sechs Wochen auf dem Autosalon in Genf (5. bis 15. März) offiziell enthüllt werden wird. Nach der Papierform dürften die Chancen dazu nicht schlecht stehen. Angetrieben wird der offene Sportwagen von zwei Elektromotoren - je einem an Vorder- und Hinterachse -, die zusammen 268 PS leisten und ein konstantes Drehmoment von 440 Nm zur Verfügung stellen.

Elektroauto Lampo: Ein offener Sportwagen der lautlosen und sauberen Fahrspaß verheißt.
Protoscar

Elektroauto Lampo: Ein offener Sportwagen der lautlosen und sauberen Fahrspaß verheißt.

Gespeist werden die Elektromotoren aus einem Paket Lithium-Ionen-Batterien, mit 35 Kilowattstunden Speicherkapazität; zudem wird bei jeder Verzögerung des Wagens die Bremsenergie zurückgewonnen, indem die Motoren dann als Generatoren fungieren und die Batterie laden. Als Mindestradius geben die Lampo-Entwickler 200 Kilometer an, was schon eine ordentliche Ansage ist.

Der Clou des Projekts ist jedoch die Tatsache, dass diesmal weiter gedacht wurde als nur bis zur nächsten Steckdose, an der die Akkus des Autos wieder aufgeladen werden können. Zum Wagen wurde nämlich auch eine Photovoltaik-Anlage entwickelt, die pro Jahr 18.000 Kilowattstunden Strom produzieren soll - was wiederum genug Energie wäre, um den Lampo 50.000 Kilometer weit zu bewegen, ohne ein Gramm CO2 auszustoßen. "80 Prozent der Energie aus der Photovoltaik-Anlage", teilt das Unternehmen Protoscar mit, "werden für den Vortrieb des Autos genutzt." So effizient sei kein anderes Antriebssystem bislang.

Grüne Auto-Ideen aus einem Dorf im Tessin

Wer ist eigentlich Protoscar? Die Firma wurde 1987 vom damals 22 Jahre alten Marco Pifarelli während seines Designstudiums gegründet. Seit 1992 residiert das Unternehmen im kleinen Ort Rovio oberhalb des Luganer Sees im Schweizerischen Tessin. Anfangs designte Protoscar spezielle Rennwagen mit Solar- oder Elektroantrieb. In den neunziger Jahren war Pifarelli mit seiner Firma am sogenannten VEL1-Projekt in Mendrisio beteiligt, dem bis dahin größten Elektroauto-Feldversuch mit mehr als 400 Elektromobilen.

Seither kümmert sich die Firma mit derzeit 14 Mitarbeitern um das Thema saubere Mobiliät und stellt Entwicklungs- und Designkapazitäten für Firmen wie zum Beispiel Daimler, General Motors, Nissan oder Rinspeed zur Verfügung. Der Lampo, der demnächst in Genf für Furore sorgen soll, ist als Expertise für die große Erfahrung in Sachen Elektrofahrzeug von Protoscar gedacht. Ziel ist es, dass einige der Entwicklungen aus dem Lampo demnächst von einem Großserienhersteller für ein eigenes Elektroauto genutzt werden. Interessant dürfte in diesem Zusammenhang auch ein Auftritt des Lampo im Mai sein: dann soll der Roadster erstmals öffentlich in Aktion treten, und zwar bei einer Elektroauto-Rallye zwischen Oslo und Stavanger.

jüp



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