Elektroauto Model 3 Teslas Schicksalswagen

Der Elektroautohersteller Tesla überflügelt gerade sämtliche US-Konkurrenten an der Börse. Der Grund dafür: das Model 3. Von einem Erfolg des Autos könnten sogar andere Hersteller profitieren.

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Es sind gute Wochen für Elon Musk. Vor ein paar Tagen hat der US-Milliardär mit seinem Raumfahrtunternehmen erfolgreich eine wiederverwendbare Antriebsrakete ins Weltall geschickt. Kurz darauf schaffte er mit seinem Autounternehmen Tesla eine noch größere Sensation: An der Börse überholte er die Traditionsfirmen GM und Ford. Tesla ist nun der wertvollste Autobauer der USA - ohne jemals einen Jahresgewinn gemacht zu haben.

Wie geht das?

Tesla hat ein Rekordquartal hinter sich. In den ersten drei Monaten des Jahres lieferte der Elektroautohersteller so viele Fahrzeuge aus wie nie zuvor in seiner Geschichte - insgesamt 25.000 Stück, weltweit. VW hat im gleichen Zeitraum zwar allein in den USA soviele Neuwagen verkauft, aber immerhin bedeutete das für Tesla eine Absatzsteigerung um 69 Prozent im Vergleich zu den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres.

Eine viel wichtigere Rolle für den Höhenflug an der Börse spielten jedoch einige unscharfe Bilder und ein verwackeltes Video, die in den vergangenen Tagen im Internet auftauchten. Darauf zu sehen waren Prototypen des Model 3. Dieses Elektroauto, das noch nicht mal auf dem Markt ist, stellt die hunderttausendfach verkauften Modelle von Ford oder GM in den Schatten.

"Von den aktuellen Zahlen her ist der Börsenwert von Tesla kaum zu rechtfertigen", sagt Peter Fintl, Director Technology and Innovation bei der Technologie- und Innovationsberatung Altran. "Der Kurs spiegelt absolut die hohen Erwartungen auf den zukünftigen Erfolg von Tesla wider. Die Hoffnungen ruhen auf dem Model 3".

Das Model 3 könnte aus Tesla nicht nur einen Liebling der Börse, sondern ein profitables Unternehmen machen - und nebenbei der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen. Es könnte für Elon Musk aber auch zum Pannenwagen werden, an dem die Zukunft von Tesla scheitert.

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Elektroauto Model 3: Den muss Tesla jetzt liefern

Der Wagen wurde der Öffentlichkeit vor einem Jahr zum ersten Mal präsentiert. Gegen eine Anzahlung von 1000 Dollar konnte man sich seitdem auf eine Warteliste eintragen und ein Model 3 vorbestellen. Mehr als 373.000 Menschen habe das laut Angaben von Tesla bereits getan. "Das Model 3 hat mehr Begeisterung als jedes andere Elektroauto entfacht", sagt Peter Fintl.

Zusammen mit den Prototypen-Fotos und dem Video gibt es jetzt ein paar weitere Details zu Teslas Hoffnungsträger.

Das ist bislang über das Model 3 bekannt:

  • Bei der ersten Präsentation vor einem Jahr kündigte Tesla-Chef Elon Musk einen Preis von umgerechnet 31.000 Euro an. Daran hat er bis jetzt festgehalten. Es gibt einige preiswertere E-Mobile auf dem Markt, zum Beispiel kosten der Renault Zoe und Nissan Leaf rund 10.000 Euro weniger - aber diese Modelle sind kleiner und haben momentan noch weniger Reichweite.
  • Zum Start wird das Model 3 mit einem 60 Kilowattstunden großen Akku ausgeliefert. Die Reichweite wird laut einem offiziellen Blog-Eintrag von Tesla mindestens 346 Kilometer betragen. Das entspricht in etwa der Reichweite des Opel Ampera-E, der ebenfalls einen 60-kWh-Akku hat. Nach Angaben von Elon Musk werde der größte Akku im Model 3 über 75 kWh Speicherkapazität verfügen - eine 100-kWh-Batterie wie im Model S habe wegen des kürzeren Radstands keinen Platz.
  • Im Innenraum gibt es eine Design-Revolution. Es soll nur einen einzigen, mittig platzierten Bildschirm geben, ansonsten bleibt das Cockpit frei von Screens und Anzeigen. Auch auf ein Head-up-Display will Musk nach eigenen Angaben verzichten.
  • Die Autos sollen mit der modernsten Version von Teslas Autopilot ausgerüstet sein. Wie teuer es für Kunden wird, dieses Extra freizuschalten, steht noch nicht fest. Beim Model S kostet es 8000 Dollar.

Und so stellt sich Elon Musk den Zeitplan vor:

  • Im Juli soll die Produktion des Model 3 anlaufen, im September soll der Mittelklassestromer in die Serienfertigung gehen.
  • Die ersten Exemplare sollen in den USA noch in diesem Jahr auf den Markt kommen, 2018 soll das Model 3 dann auch in Europa erhältlich sein.
  • Bis 2018 soll die Jahresproduktion aller Modelle auf 500.000 und bis 2020 auf eine Million Wagen steigen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr fertigte das Unternehmen knapp 84.000 Fahrzeuge.

Die Spannung der 337.000 Vorbesteller lässt sich nachvollziehen: Das Model 3 sieht gut aus, so wie es auf den jüngsten Fotos scheint, hat sich am Design kaum etwas verändert. Experten wie Peter Fintl trauen dem Auto aber eine historische Rolle zu: "Das Tesla Model 3 könnte den Durchbruch für die E-Mobilität bedeuten", sagt er. "Die versprochene Reichweite von mehr als 340 Kilometern nimmt dem Kunden die Angst, liegenzubleiben. Außerdem ist der Basispreis attraktiv. Das Model 3 könnte also den Massenmarkt für E-Autos öffnen."

Tesla Model 3
Tesla

Tesla Model 3

In der Automobilbranche herrscht gerade eine Aufbruchstimmung, was die Elektromobilität betrifft. Fast alle Hersteller haben für die kommenden Jahre neue E-Mobile angekündigt, Erzrivalen schließen sich zusammen und bauen gemeinsam eine Ladeinfrastruktur auf. Gleichzeitig sind die Käufer verunsichert, wie lange sie mit ihren herkömmlichen Autos mit Verbrennungsmotoren noch in die Städte fahren dürfen. Ein Auto wie der Opel Ampera-E bringt eigentlich schon alles mit, um vom Dieselauto ins E-Mobil umzusteigen - nur weckt die Marke nicht so richtig die Begehrlichkeiten.

Genau das könnte bei Tesla anders sein: Mit dem Model S hat Musk die Mercedes-S-Klasse-Fahrer zur Elektromobilität missioniert. Mit dem Model 3 könnte er die Golf-Fahrer drankriegen.

Alles andere als ein Selbstläufer

So seltsam es klingt - aber die Konkurrenz von Tesla könnte sogar von einem Erfolg des Model 3 profitieren. "Das Thema E-Mobilität würde stärker auf die Agenda der Kunden rücken," sagt Marktexperte Fintl. "Das Model 3 könnte den endgültigen Beweis liefern, dass E-Autos alltagstauglich und bezahlbar sind - und wenn andere Hersteller mit ähnlichen Modellen nachziehen, steigen dann auch für sie die Verkaufschancen."

Eigentlich sieht es also ganz gut aus - für Tesla im Speziellen und die Elektromobilität im Gesamten. Das Problem ist nur: Das Model 3 ist alles andere als ein Selbstläufer.

Peter Fintl zweifelt zwar nicht daran, dass das Auto an sich gut wird - den Zeitplan für den Produktionsanlauf des Model 3 hält er jedoch für sehr ambitioniert: "Da darf sowohl bei der Produktion als auch in der Zuliefererkette nichts schiefgehen". Genau dafür ist Tesla aber berüchtigt. Sowohl das Model S als auch das Model X kamen viel später als angekündigt auf den Markt. Kommt es beim Model 3 ebenfalls zu monate- oder jahrelangen Verzögerungen, ist Tesla nicht länger der wertvollste US-Autobauer, sondern ein Übernahmekandidat.

Beim Model S war die verspätete Markteinführung nach Ansicht von Fintl nicht weiter schlimm, "weil dieses Auto damals konkurrenzlos war und weniger im Fokus der Öffentlichkeit stand". Beim Model 3 stehen die Vorzeichen jedoch anders: "Für Tesla ist es extrem wichtig, ihren Vorsprung bei der E-Mobilität mit dem Model 3 zu zementieren. Die anderen Hersteller sind längst aufgewacht, spätestens ab 2020 werden viele neue E-Autos auf den Markt kommen. Jetzt hat die Marke noch eine besondere Aura durch die Vorreiterrolle, das Design und den charismatischen CEO. Aber wenn Tesla nicht wie angekündigt liefern kann, wird dieser Vorsprung wegschmelzen und die Leute könnten das Interesse an dem Hersteller verlieren."

"In dieser Hinsicht sind die etablierten Marken besser aufgestellt"

Tesla hat die Konkurrenz in den vergangenen Jahren vor sich hergetrieben: Hätte es Musk und seine manchmal größenwahnsinnigen Pläne nicht gegeben - wer weiß, ob Porsche jetzt am Mission E, Mercedes am EQ und VW am ID tüfteln würde. "Aber für den schnellen Hochlauf einer Produktion zu sorgen, wird für Tesla eine große Herausforderung", sagt Fintl. "Hier könnten sie Probleme bekommen, weil ihnen einfach die Erfahrung als Massenhersteller fehlt. In dieser Hinsicht sind die etablierten Marken viel besser aufgestellt".

Tesla war für die Autobranche eine der größten Bereicherungen der vergangenen Jahrzehnte und der aktuelle Börsenwert ist in der Geschichte des Unternehmens der vorläufige Höhepunkt. Ob es 2017 noch weiter aufwärts geht, hängt vom Model 3 ab. "Tesla wird sich dieses Jahr hier wirklich beweisen müssen", sagt Fintl.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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arrogist 11.04.2017
1. 31.00 Euro? Den Rest zahlt der Spiegel?
Das ist dann doch etwas wenig - und es gibt schon längst aktuellere und qualitativ hochwertige Bilder...
cindy2009 11.04.2017
2. nicht schon wieder
"----Darauf zu sehen waren Prototypen des Model 3.----" Das Ding muss man kaufen können, dann lohnt es sich über die Konsequenzen nachzudenken.
nz7521137 11.04.2017
3. Abzocken des Aktienmarktes
Für Elon Musk geht es doch nur darum, Träume zu verkaufen. Ob diese E-Mobile nun wirklich massenhaft produziert werden ist komplett egal. Er arbeitet schon an Raumfahrtmissionen. Ein neuer Traum wird an Dumme verkauft. Oder nicht so dumm? Vielleicht will wie ja ein stark geschwächtes Unternehmen wie Volkswagen kaufen?
schwaebischehausfrau 11.04.2017
4. Welcome to the bubble...
Dass jemand, der mit 100.000 Euro teuren Luxus-Autos nur gigantische Verluste produziert (über 10.000 Euro pro Auto) mit einem 35.000 € Auto jemals Gewinne einfahren wird, darf man getrost bezweifeln. Bisher verkauft Tesla nur Luxus-Autos mit einem Durchschnitts-Preis von über 100.000 Euro - und macht trotz einem Jahres-Absatz von ca. 80.000 Autos über 10.000 Euro VERLUST pro verkauftem Auto. Und das in dem Luxus-Segment, in dem alle anderen Hersteller die dicksten Gewinne einfahren: Porsche z.B. über 16.000 Euro pro verkauftem Auto. Jetzt könnte man natürlich behaupten, dass die Verluste von Tesla nur an den "geringen Stückzahlen" liegen, aber auch das ist Humbug. Ferrari hat 2016 nur ca. 8.000 Autos produziert (also gerade mal 10% von Tesla's Absatz) und trotzdem über 70.000 Euro Gewinn eingefahren pro Auto. Sobald in einigen Ländern die Subventionen für Elektro-Autos wegfallen (die man sich nur als Anschub-Finanzierung für kleine Stückzahlen leisten kann), wird die Ausgangs-Situation noch schlechter. Ganz abgesehen davon, dass Toyota, GM, BMW , Daimler ihre Elektro-Autos ganz bewusst mit Kampfpreisen anbieten werden , da sie diese Verluste mit den Milliarden-Gewinnen aus ihren Verbrenner-Modellen quer-subventionieren können. Tesla kann das nicht - sie haben kein einziges Produkt, das profitabel ist. Weder ihre Autos noch ihre marode Solar-Sparte. Und auch die "gigantischen Synergie-Effekte durch ihre "Gigafacotry-Batteriefabrik" sind reine Illusion. Die Firma wird exakt so lange überleben, wie die Anleger jedes Jahr bereit sind, über Kapitalerhöhungen immer wieder frisches Geld nachzuschiessen. Ponzi Scheme nennt man das im anglo-amerikanischen Raum
zbv10 11.04.2017
5. Frage an Mercedes, Audi, BMW:
Kennen Sie noch Kodak?
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