Elektroauto-Rallye Wave Trophy 2017 Diese Ente fährt mit Strom

Die Wave Trophy ist eine der größten Elektroauto-Rallyes der Welt. Am Start in Zürich stehen neben Serienmodellen auch recht eigenwillige Kreationen.

Hans Sommerauer

Von Christian Frahm


Von Monat zu Monat werden Elektroautos mehr und mehr Teil des Straßenbilds: Die schicken Limousinen von Tesla, der hochgeschossene BMW i3, der kugelige Renault Zoe - sie prägen unsere Vorstellung vom E-Mobil. Der Wagen von Hans Sommerauer sprengt allerdings die gängigen Vorstellungen davon, wie ein Stromer aussehen muss: Es ist ein Citroën 2CV, Baujahr 1984, den der Schweizer zum Elektroauto umgewandelt hat.

Zwei Jahre bastelte er an dem Projekt, jetzt will er mit dem 2CV, besser bekannt als "Ente", durch die Schweizer Alpen fahren. 1400 Kilometer ist die Strecke lang, inklusive ihrer fünf Alpenpässe. Die Wahl der Strecke hat Sommerauer allerdings nicht zufällig getroffen. Sie ist Teil der sogenannten "Wave Trophy", einer der größten Elektroauto-Rallyes der Welt, an der auch der Schweizer teilnimmt.

Die Wahl des Fahrzeugs klingt aus Sommerauers Munde logisch: "Der 2CV ist ein sehr leichtes Fahrzeug", sagt der Tüftler. Es seien keine großen strukturellen Änderungen an der Karosserie oder dem Chassis notwendig gewesen, um den E-Motor einbauen zu können. "Außerdem macht das Auto was her und hat einen Sympathiebonus - jeder mag die Ente", sagt er.

Ausgerüstet mit einem Akku mit einer Kapazität von 23 Kilowattstunden hat sein Gefährt eine Reichweite von rund 230 Kilometern. Danach muss es fünf Stunden geladen werden. Rund 15.000 Euro hat Sommerauer in den Umbau investiert.

Auch ein Elektro-Bulli fährt mit

Die Idee zur Rallye stammt ursprünglich vom Schweizer Umweltaktivisten Louis Palmer. 2007 umrundete er als erster Mensch die Erde in einem selbst gebauten Solarauto. Auf der 54.000 Kilometer langen Fahrt durchquerte er Europa, den Mittleren Osten, Indien, Australien, Fernost und Nordamerika. In seinem "Solartaxi" beförderte er dabei mehr als tausend Passagiere, einfache Passanten ebenso wie Staatsmänner oder Friedensnobelpreisträger. Palmers Mission: der Welt die Möglichkeiten der Elektromobilität zu zeigen. Dieser globale Taxi-Trip war der Auftakt zur inzwischen jährlich stattfindenden Wave Trophy.

In diesem Jahr findet die E-Rallye zum siebten Mal statt, vom 9. bis zum 17. Juni in der Schweiz. Die elektrische Wettfahrt ist unter E-Auto-Fans längst eine feste Größe; und ein ideales Schaufenster, um das Publikum von den Vorzügen umweltfreundlicher Mobilität zu überzeugen. 115 E-Autos aus der ganzen Welt sind in diesem Jahr dabei, neben Elektro-Serienfahrzeugen und E-Zweirädern finden sich aber auch viele verblüffende Eigenbauten wie die von Sommerauer.

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Elektroauto-Rallye Wave Trophy 2017: Elektrisch durch die Alpen

Ähnlich viel Aufsehen dürfte auch der Elektro-Bulli eines Fahrer-Teams aus Dorsten in Nordrhein-Westfalen erregen. Interessanter als der elektrisch angetriebene VW T3, Baujahr 1980, ist allerdings dessen Entstehungsgeschichte. Denn der Bulli der dritten Generation ist das Resultat eines Gemeinschaftsprojekts der gemeinnützigen Organisation "Dorstener Arbeit". Der Verein kümmert sich um die Berufsqualifizierung von Langzeitarbeitslosen und Jugendlichen. Mehr als ein Jahr lang tüftelten und schraubten die 14 Teilnehmer an dem E-Bulli, der erst vor wenigen Wochen fertig wurde. Gerade noch rechtzeitig für die Wave-Trophy.

Dabei sein ist alles

"Die ersten 1000 Kilometer hat der VW T3 ohne Probleme hinter sich gebracht", sagt Jürgen Erhardt, Geschäftsführer der Organisation. "Jetzt wollen wir mal sehen, wie wir bei der Wave Trophy abschneiden." Dabei kann das Dorstener Team auf eine Menge Erfahrung zurückgreifen. 2014 baute es bereits einen Karmann Ghia, Baujahr 1973, zu einem E-Auto um. Ein Jahr später erreichten die Elektro-Experten aus dem Münsterland bei der Wave-Trophy mit einem umgebauten VW T2 von 1979 sogar den dritten Platz in der Prototypen-Klasse. Letzterer wird auch dieses Jahr als zweites Fahrzeug der Dorstener wieder an den Start gehen. Egal wie die Rallye diesmal ausgeht, Geschäftsführer Erhardt ist jetzt schon stolz auf die Leistung seiner Schützlinge: "Die Jungs und Mädels haben da etwas Großartiges geschafft, und das ist doch, was zählt."

Ähnlich sieht es auch Elektro-Enten-Pilot Sommerauer. Er ist das erste Mal als Fahrer dabei. Welche Platzierung er erwartet? "Schau mer mal", sagt er diplomatisch. Tatsächlich geht es den Veranstaltern der Wave Trophy nicht um Geschwindigkeit und den Teilnehmern nicht in erster Linie um einen Podiumsplatz. Im Vordergrund stehen Spaß und Geselligkeit. Dieser Gedanke findet sich auch während der Etappen der Rallye immer wieder. So müssen die Teilnehmer entlang der Strecke - und manchmal auch auf abseits gelegenen Pfaden - Posten finden und dort Fragen zur Region oder den Bereichen Energie, Kultur oder Umwelt beantworten. Zusätzliche Punkte können die Teams außerdem für die Gestaltung ihres Fahrzeuges sammeln. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt.

Ideengeber Louis Palmer will seine Mission fortsetzen. In einem Interview mit SPIEGEL ONLINE sagte er einmal: "Ich unterteile mein Leben in drei Phasen: zwischen 20 und 30 Jahren die Welt kennen lernen, zwischen 30 und 40 die Welt aufmerksam machen, zwischen 40 und 50 die Welt verändern." Er steckt jetzt mitten in Phase drei. Mal sehen, was danach kommt.

Weitere außergewöhnliche Fahrzeuge und Eindrücke der Wave-Trophy gibt es in der Bildergalerie von SPIEGEL ONLINE.

insgesamt 23 Beiträge
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biermannfreund 10.06.2017
1. Um das Publikum zu überzeugen
"Ausgerüstet mit einem Akku mit einer Kapazität von 23 Kilowattstunden hat sein Gefährt eine Reichweite von rund 230 Kilometern. Danach muss es fünf Stunden geladen werden" Bin voll überzeugt XD Natur, ist halt Bastelei. Dennoch braucht die elektrische individuelle Mobilität noch viele Jahre...
moorkind 10.06.2017
2. Ich will
eine Ente wiederhaben, auch als Benziner.
tatsache2011 10.06.2017
3. Wie viel Jahre?
Zitat von biermannfreund"Ausgerüstet mit einem Akku mit einer Kapazität von 23 Kilowattstunden hat sein Gefährt eine Reichweite von rund 230 Kilometern. Danach muss es fünf Stunden geladen werden" Bin voll überzeugt XD Natur, ist halt Bastelei. Dennoch braucht die elektrische individuelle Mobilität noch viele Jahre...
Wenn ein Bastler so viel geschafft hat, kann die Industrie noch viel mehr schaffen. Sicherlich dauert die Massenfertigung noch Jahre, aber nicht solange wie von Benz Auto-Bastelei bis zur Serienfertigung.
Wolfvon Drebnitz 10.06.2017
4. Opelbild falsch beschriftet
auf Bild 12 ist kein Opel Rekord E, sondern ein Opel Rekord C abgebildet....sonst schöner Artikel, bitte mehr davon und weniger Klatsch...Danke
tatsache2011 10.06.2017
5. Wirklich?
Zitat von moorkindeine Ente wiederhaben, auch als Benziner.
Bei Fahrverbot von Benzinern in der Innenstadt entscheiden Sie sich sicherlich für den Elektroantrieb. Außerdem werden E-Autos preiswerter als Benziner und Diesel, weil weniger Mechanik notwendig ist. Gegebenenfalls nutzen Sie den preiswerten Strom der eigenen PV-Anlage von Frühjahr bis Herbst.
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