Elektroauto TW4XP: Ufo im Zielanflug

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Ein rätselhafter Name und eine noch seltsamere Optik - und das Fahrzeug TW4XP gibt einen Ausblick in die Mobilität der Zukunft. Das Elektromobil bietet zwei Plätze, schafft Tempo 130, macht ziemlich viel Spaß und soll wenig kosten. SPIEGEL ONLINE saß bereits am Steuer.

Elektroauto TW4XP: Utopie als Geschäftsmodell Fotos

Die erste Fahrt durch New York wird Wolfgang Möscheid wohl nie vergessen. "Schon am Flughafen wollten sie mich aus dem Verkehr ziehen, wahrscheinlich, weil ich wie ein Außerirdischer daherkam." Der Mann aus Kassel fuhr auf einem Twike, einer Art elektrifiziertes Liegefahrrad. Inzwischen sind manchen Amerikanern solche Gefährte vertraut. Auch, weil Wolfgang Möscheid gemeinsam mit seinem Bruder Martin auf Basis des Twikes ein Fahrzeug konstruiert haben, mit dem sie am Automotive X-Prize teilnahmen; der Zukunfts-Wettbewerb erstaunte in diesem Sommer die US-Erfinder- und Auto-Szene. Mehr als hundert Teams nahmen Teil, es ging um ein Preisgeld von zehn Millionen Dollar - und der von den Gebrüdern Möscheid entwickelte TW4XP war dabei.

Im Gegensatz zu vielen andere Sparwettbewerben ging es bei den Rallyes, Rennen und Sonderprüfungen im US-Staat Michigan nicht allein um minimalen Verbrauch. Sondern grundsätzlich war auch ein gewisses Maß an Alltagstauglichkeit gefragt. Zwei Sitze, 160 Kilometer Reichweite, Tempo 130 und ein plausibles Geschäftsmodell für die Produktion von 10.000 Autos pro Jahr - so lauteten in Kürze die Zulassungskriterien zum Automotive X-Prize.

Der TW4XP aus Kassel schlug sich in seiner Kategorie gegen 40 Konkurrenten beachtlich und gelangte gar bis ins Finale. Dort wurde der Sieg knapp verpasst. "Wir sind Dritter geworden", sagt Martin Möscheid, und dafür gab's ein Preisgeld von 400.000 Dollar. "Das deckt zumindest die Hälfte der bisherigen Investitionen." Fast noch wichtiger als der finanzielle Aspekt ist dem Auto-Konstrukteur jedoch eine andere Botschaft. "Wir haben die Phase der Powerpoint-Präsentationen verlassen und mit der Teilnahme am X-Prize bewiesen, dass unser Dreirad tatsächlich funktioniert."

Inzwischen ist das TW4XP wieder aus den USA zurück und SPIEGEL ONLINE unternahm bereits einen Ausflug mit dem elektrischen Ufo. "Der TW4XP ist kein Auto und will kein Auto sein", sagt Möscheid vor der ersten Sitzprobe in dem winzigen Wagen, gegen den selbst ein Smart klobig aussieht. Auf den eng geschnittenen Recaro-Sitzen liegt man eher als das man sitzt, doch es ist vergleichsweise bequem. Man hat überraschend viel Platz an Bord und blickt von weit unten auf das Verkehrsgeschehen - man sitzt im TW4XP fast wie unter der Kanzel eines Segelfliegers.

Steuerknüppel und eine Schaltwippe für die Bedienung

Dazu passt auch das Instrumentarium. Statt eines Lenkrads ergreift man mit beiden Händen einen Steuerknüppel, die unterm Wagenboden mit einer Querstange verbunden sind und das Vehikel so ähnlich lenken wie ein Fahrrad: Wer eine Rechtskurve fahren will, muss links drücken und rechts ziehen. Nach links geht es umgekehrt. Das klingt komplizierter als es ist, kostet aber bis zum Einbau einer Servolenkung noch ziemlich viel Kraft.

Beschleunigen und Bremsen funktioniert sehr viel einfacher. Als ob man einen Rennwagen im Computerspiel startet, wird einfach eine Schaltwippe gedrückt und die elektrische Sause beginnt. Um zu bremsen drückt man die Schaltwippe in die Gegenrichtung, der Motor wird dann zum Generator und das Mobil verzögert mit überraschend viel Kraft. Spätestens jetzt begreift man, weshalb das Dreirad Hosenträgergurte hat wie ein Rennwagen.

Rasantes Anfahren, danach wird es etwas gemütlicher

Eine Dauerleistung von 23 und eine Spitzenleistung von 41 PS reichen aus, um den knapp 700 Kilo leichten TW4XP rasanter zu beschleunigen als manchen Sportwagen. Wie vom Katapult geschossen schnellt der Wagen nach vorn und ist dabei gespenstisch still. Zu hören ist nur das Pfeifen des Windes, das Surren der Reifen und die Kühlung des Elektromotors.

Ganz so rasant wie der Start ist die weitere Fahrt allerdings nicht. Wie bei fast jedem Elektrofahrzeug lässt der Elan mit zunehmender Geschwindigkeit deutlich nach. Beim Sprint auf Tempo 100 brauchten das Team beim X-Prize mehrere Anläufe, bis er in weniger als den geforderten 18 Sekunden geschafft war. Und mit Rücksicht auf die Reichweite wurde die Höchstgeschwindigkeit auf 130 km/h limitiert

Knapp 4000 Lithium-Nickel-Mangan-Akkus speichern Energie

Die Energie wird im TW4XP in knapp 4000 Akkus gespeichert, die Möscheid nach dem Tesla-Prinzip als Laptop-Zubehör kaufte und zu einem Batterieblock im Mitteltunnel zusammenfügte. Es handelt sich um Lithium-Nickel-Mangan-Zellen von Sony, die temperaturunempfindlich sind und eine Klimatisierung überflüssig machen. An der Starkstrombuchse sind die Akkus nach einer Stunde geladen, an der Haushaltssteckdose dauert es sechs Stunden. Danach hat der Zweisitzer wieder Saft für 160 Kilometer. "Und zwar im Alltagsbetrieb unter realen Bedingungen", sagt Möscheid. Umgerechnet auf den Energiegehalt von Benzin war der TW4XP damit in Michigan mit einem Durchschnittsverbrauch von 1,7 Litern auf 100 Kilometern unterwegs.

Der Beweis, dass die Technik im TW4XP funktioniert, ist erbracht. Jetzt folgt die größere Herausforderung. In nicht einmal zwei Jahren will Möscheid mit der Serienfertigung beginnen. Bis dahin soll das Fahrzeug noch einmal um 150 Kilo leichter werden, außerdem sicherer und billiger. Möscheid: "Unser Zielpreis für die ersten tausend Exemplare ist 20.000 Euro."

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insgesamt 78 Beiträge
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zaphod1965 22.10.2010
Jetzt wäre es doch zu schön, wenn der Artikel auch lesbar wäre und der Link nicht zu einer 404-Fehlermeldung führte.
2. Schönes Projekt, aber....
sikasuu 22.10.2010
...wenn man dem Teil noch die n-KG Totgewicht für die Akku-Zellen wegrechnet und einem kleinen Benzinmotor mit Tank einbaut, das ganze auf 60-70Km/h drosselt wäre das eine optimale alternative zum Auto in der Stadt, Berufsverkehr, Pendler! . Schade das solche guten Ideen immer wieder an Totgeburten wie dem "Akku-Auto" verschwendet werden :-(( Ein akzeptabeles Leistungsgewicht wir es dort nie geben. Da steht die Physik vor:-)) . Gute Fahrt Sikasuu .
3. Toll! Wie sich Seifenkisten...
bundespiepmatz 22.10.2010
...entwickelt haben. Aber 20.000 Euro sind viel Geld für eine Seifenkiste. Führen aber alle diese Kisten, dann blieben die Autobahnstaus den Brummies überlassen.
4. Endlich
Nightfly_S 22.10.2010
Ein Auto mit akzeptablen Fahrleistungen zu akzeptablem Preis. Irgendwann gibts das schliesslich auhc als Gebrauchtauto und wird somit in greifbarer Nähe sein für Normalverdiener. Die Idee einen Benzinmotor in ein so leichtes Auto einzubauen halte ich ebenfalls für gut.
5. Kein Anstrengung in Richtung Akkus
TheBear 22.10.2010
Zitat von sikasuuSchade das solche guten Ideen immer wieder an Totgeburten wie dem "Akku-Auto" verschwendet werden :-(( Ein akzeptabeles Leistungsgewicht wir es dort nie geben. Da steht die Physik vor:-))
Ich stimme Ihnen zwar zu, dass es recht idiotisch ist zur Zeit zuviel Gedanken an E-Autos zu verschwenden, weil es eben noch keine akzeptablen Akkus gibt. Woher aber, bitte, haben Sie die Idee, dass es unmöglich ist vernünftige Akkus herzustellen? Schon eine Steigerung um den Faktor 5 (auf 0.5 kWh/kg) würde E-Autos sinnvoll machen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist ja noch keine wirkliche Anstrengung unternommen werden, das Problem der Speicherung wissenschaftlich intensiv zu erforschen. Es gibt immer noch kein internationales Forschungs- und Entwicklungszentrum (Grösse CERN, ITER), man überlässt diese Aufgabe, den Autofirmen, obwohl ordentliche Akkus auf wesentlich mehr Gebieten als dem Autoverkehr nützlich wären.
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Weltweit subventionieren etliche Länder saubere Autos. In China winken umgerechnet 6500 Euro, in den USA zwischen 1800 und 5300 Euro und in Japan sogar bis zu 11.500 Euro. In Deutschland gibt es bislang keine Förderung. Wie und wo in Europa Autos mit besonders geringem CO2-Ausstoß bezuschusst werden, zeigt die Zusammenstellung von SPIEGEL ONLINE. Als Referenzmodell bei Steuervergleichen diente ein Mercedes B 180 mit einem CO2-Ausstoß von 152 g/km.

Österreich
Österreich: Befreiung von der einmaligen Verbrauchsabgabe (1602 Euro) und der Kfz-Steuer (403 Euro pro Jahr).
Norwegen
Fahrer von Elektroautos dürfen die Bus- und Taxispuren benutzen, und zudem sind alle Parkplätze kostenfrei.
Italien
1500 Euro Zuschuss für ein privat genutztes Elektroauto. Bei gewerblichen Fahrzeugen steigt der Bonus auf 4000 Euro. Stufenweiser Rabatt auf Kfz-Steuer in den ersten fünf Jahren (219 Euro pro Jahr).
Irland
50 Prozent Steuernachlass oder 2500 Euro Zuschuss für Fahrzeuge mit Hybrid- oder Flexfuel-Antrieb.
England
Ab 2011 sollen Käufer von Elektroautos mit einer Summe zwischen umgerechnet 2300 und 5000 Euro unterstützt werden - zunächst ist die Subvention begrenzt bis 2016.
Frankreich
2000 Euro Bonus für Hybrid-, Erd- oder Flüssiggasantrieb mit weniger als 140 g/km CO2-Ausstoß. 5000 Euro für alle Fahrzeuge mit weniger als 60 g/km. Gewerbliche Fahrzeuge werden zudem von der Dienstwagensteuer befreit (1250 Euro pro Jahr).

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Reiner Elektroantrieb
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Beispiele: Tesla Roadster, Chevy Volt/Opel Ampera, Think City
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Honda Civic, Honda Insight
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz)
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

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