Elektroauto-Verkäufe: Fraunhofer-Experten glauben an die Million

Elektroautos: Diese Stromer gibt es zu kaufen Fotos
BMW

Viele Experten geben dem Elektroauto auf absehbare Zeit keine Chance. Doch es gibt Optimisten, die unerschütterlich an den Erfolg glauben. Die Forscher vom Fraunhofer Institut in Karlsruhe zum Beispiel. Sie halten eine Million verkaufte E-Autos bis 2020 für möglich - sogar ohne Kaufanreize.

Karlsruhe/Frankfurt am Main - Auch ohne milliardenschwere Kaufsubventionen muss die Bundesregierung ihr Ziel von einer Million Elektroautos im Jahr 2020 einer Studie zufolge noch nicht abschreiben. "Unter optimistischen Annahmen kann das gemeinsame Ziel der Bundesregierung und der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) von einer Million Elektrofahrzeugen bis 2020 ohne Kaufförderung erreicht werden", erklärte Martin Wietschel vom Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI am Dienstag bei der Vorlage seiner Studie "Markthochlaufszenarien für Elektrofahrzeuge" in Karlsruhe.

Um die Chancen der Stromer besser ausloten zu können, haben die ISI-Forscher verschiedene Fahrprofile entworfen und darauf basierend das günstigste Fahrzeug ermittelt. Das Ergebnis fällt allerdings wenig überraschend aus: "Damit Elektrofahrzeuge wirtschaftlicher als konventionelle Fahrzeuge sind, müssen sie viel gefahren werden, um die höheren Anschaffungskosten über die günstigeren Verbrauchs- und Wartungskosten zu amortisieren", erklärte Wietschel. Bei jährlichen Fahrleistungen unter 15.000 Kilometern dominiere auch künftig der Benzinmotor, bei extremen Vielfahrern der Dieselmotor.

Ebenso groß ist die Rolle, die die regelmäßig gefahrene Strecke bei den Modellrechnungen spielt. Im Idealfall entspricht sie ungefähr der Reichweite, die der Akku im E-Mobil auch unter widrigen Bedingungen garantieren kann. Dann nämlich wird das Gefährt optimal genutzt.

Pendler aus den Vororten

Wirtschaftlich am sinnvollsten seien Elektroautos für Menschen, die ihren Wagen relativ gleichmäßig täglich einsetzten. Dies sind etwa Berufspendler, die jeden Tag beispielsweise aus Vororten zum Arbeiten in die Städte fahren. Anders als oft angenommen, trauen die Experten Elektroautos in den Großstädten weniger zu: "Nutzer mit Garagen oder Stellplätzen (...) sind aufgrund der geringen Ladeinfrastrukturkosten - das Aufladen kann über Nacht am Hausanschluss erfolgen - unter ökonomischen Gesichtspunkten nochmals eher zum Kauf geneigt als die sogenannten Laternenparker, die auf eine öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen sind."

Doch sachliche Gründe sind es nicht allein, die den Durchbruch der neuen Antriebstechnologie ermöglichen. Der Erfolg von Elektrofahrzeugen hänge unter anderem von der Entwicklung der Rohöl- oder Strompreise ab, sagte Wietschel. Zudem seien das Fahrzeugangebot und die Akzeptanz der Kundschaft entscheidend. Selbst unter schwierigen Rahmenbedingungen aber seien in sieben Jahren 150.000 bis 200.000 Stromer und Plug-in-Hybride auf Deutschlands Straßen möglich. Die Studie haben die ISI-Forscher im Auftrag der Nationalen Plattform Elektromobilität und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) erarbeitet.

16 neue Elektroautos aus deutscher Produktion

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte vergangene Woche bei der Eröffnung der IAA in Frankfurt bekräftigt, dass sie an einen Siegeszug von Elektroautos in Deutschland glaube: "Wir alle sind überzeugt, dass die Elektromobilität eine immer größere Rolle spielen wird. Das Ziel ist und bleibt, wir wollen bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße bringen."

Auf der bis 22. September laufenden Automobilausstellung sind Hybrid- und Elektroautos sehr präsent. Unter anderem zeigen BMW und Branchenriese VW eigene Stromer, bis Ende 2014 sollen 16 neue Elektromodelle aus deutscher Produktion bei den Händlern stehen. Noch ist der Absatz aber gering: Im August wurden in Deutschland rund 214.000 Neuwagen zugelassen, darunter 435 Elektroautos.

mik/dpa

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insgesamt 246 Beiträge
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1. tolle Erkenntnisse
erfuhrford 17.09.2013
E-Fahrzeuge lohnen sich also, wenn man die Akkukapazität möglichst voll ausnutzt, am besten täglich. Wow. Und Laternenparker werden sich wohl auch nicht für ein E-Fahrzeug entscheiden. Das ist ja ein Ding. Hätt ich nicht gedacht.
2. Wenn
shark 17.09.2013
mal die Autos für unter 10000 € bekommt, lohnt sich das vielleicht. Aber was ist mit den hohen Unterhaltungskosten (neue Akkus usw.). Ich gebe den Elektroautos keine Chance. Warum wird nicht mehr unternommen um mit Wasserstoff betriebene Autos für jeden kaüflich zu machen. Wasser haben wir in der Welt jede Menge, durch Elektrolyse mit Strom wird daraus Wasserstoff.
3. Das sind...
patrick6 17.09.2013
...rund 143000 E-Autos pro Jahr, wenn mich mein Taschenrechner nicht täuscht. Das bei völlig überzogenen Preisen für diese Autos (was die Transportleistung angeht). Und bei einer nicht wirklich vorhandenen Lade-Infrastruktur. Die Kanzlerin wartet natürlich ab - ohne etwas zu tun, wie immer - und hofft, dass das alles durch private Initiative anläuft. Tja, ich finde E-Autos per se gut, aber warum sollte ich so viel Geld in die Hand nehmen und mir damit auch noch deutliche Nachteile einhandeln? Um das Kanzlerpostulat der Million E-Autos zu erfüllen? Mitnichten, werte Dame, ich entziehe Ihnen sogar meine Stimme.
4. H2-Glaube
Skarrin 17.09.2013
Zitat von sharkAber was ist mit den hohen Unterhaltungskosten (neue Akkus usw.).
Ja, was ist denn mit diesen angeblichen hohen Kosten? Weil E-Autos im Vergleich zu GeldverBrennstoffzellen-Karren zu Schnäppchenpreisen zu kaufen sind und das heute und nicht erst "in 5 Jahren". Weil es kein Tankstellennetz gibt und der Bau von H2-Tankstellen Milliarden kosten würde (zur Info: ein Stromnetz haben wir bereits). Weil wir zwar eine Menge Wasser, aber nicht eine Menge Strom haben.
5. Gesundbeten
Dr.Knock 17.09.2013
Das Phänomen der Kollektiven Verblödung greift beim Thema Elektroauto. Da stampft "Mutti" mit dem Fuss und dann rollen die E-Autos vom Band. Kein Hersteller bietet eine Akkuentwiklung die befriedigend ist und hat auch keine zukünftig lösbare Technik anzubieten. Aber alle rennen wie die Leminge auf den Abgrund zu. Man braucht doch nur einmal auf den Bereich Lager und Logistik schauen. Dort findet man alle Antriebe bei den Flurförderzeugen und das schon seit vielen Jahren. Wenn man sich dann die Defizitte eines E-Antriebs anschaut, weiss man das das nichts wird bei Pkw.
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