Irreführende Fahrzeugstatistik Fast jedes zweite Elektroauto in Deutschland verschwindet spurlos

Eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen bis 2020, von diesem Ziel der Bundesregierung ist die Realität weit entfernt. Auch die neue Zulassungsstatistik gibt wenig Anlass zur Hoffnung - im Gegenteil.

Volkswagen E-Golf: Auch die Stromer aus Wolfsburg verschwinden teilweise aus der Statistik
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Volkswagen E-Golf: Auch die Stromer aus Wolfsburg verschwinden teilweise aus der Statistik

Von manager-magazin.de-Redakteur


Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätten Elektroautos in Deutschland 2015 die Kurve bekommen. Wenn auch auf niedrigem Niveau, ließen die Behörden doch immerhin 45 Prozent mehr reine Batteriefahrzeuge zu als im Vorjahr. Die Zahl stieg laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) auf 12.363.

Wer die KBA-Statistik jedoch etwas genauer untersucht, stößt auf Ungereimtheiten. Denn im Vergleich zum 1.1.2015 erhöhte sich die Zahl der in Deutschland zugelassenen Stromer zum 1.1.2016 lediglich um 6554 Autos. Denn bei einem Zuwachs um die erwähnten 12.363 E-Autos hätte der Gesamtbestand Ende 2015 eigentlich bei 31.311 Fahrzeugen liegen müssen. Tatsächlich aber waren es nur 25.502. Fast jedem zweiten neu zugelassenem Elektroauto steht also ein anderes gegenüber, das aus der Statistik verschwindet - und zwar nahezu spurlos.

Damit gerät das offizielle Elektroauto-Ziel der Bundesregierung noch mehr zur Lachnummer als ohnehin. Die große Koalition möchte erreichen, dass bis zum Jahr 2020 eine Million Stromer auf deutschen Straßen fahren. In diesem Tempo würde es bis zum Jahr 2031 dauern, bis sich der Bestand an reinen Batterieautos auch nur auf 100.000 erhöhte. Eine Million wäre dann 2168 erreicht.

An Altersschwäche der Fahrzeuge sollte der Schwund nicht liegen

Außer reinen Batteriefahrzeugen fließen in die Eine-Million-Rechnung allerdings auch Plugin-Hybride ein, deren Bestand das KBA nicht gesondert ausweist. Sie wurden 2015 in ähnlicher Größenordnung zugelassen wie reine Batteriefahrzeuge.

Dennoch stellt sich die Frage: Wie kommt es dazu, dass jedes zweite Batterie-Elektroauto in Deutschland auf mysteriöse Weise aus der Statistik wieder herausfällt? Immerhin werden moderne Batteriewagen in Deutschland erst seit etwa 2009 verkauft - an Altersschwäche sollte es also nicht liegen. "Stilllegungen und Verschrotten dürften keine Rolle spielen", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer gegenüber manager-magazin.de.

Eine offizielle Antwort auf die Frage gibt es nicht. Das KBA wollte sich gegenüber manager-magazin zum Thema nicht äußern. Es sei nicht die Aufgabe der Behörde, die Statistik zu interpretieren, sagte eine Sprecherin des Amtes.

Jedoch liegt der Verdacht nahe, dass es sich bei den verschwundenen Wagen um Fahrzeuge handelt, die nur für kurze Zeit in Deutschland zugelassen und dann ins europäische Ausland exportiert werden.

Darauf deutet etwa hin, dass diese Praxis beim offiziell beliebtesten Elektroauto der Deutschen, dem Kia Soul EV, gang und gäbe ist. Der koreanische Hersteller leitet viele Autos ins Nicht-EU-Land Norwegen weiter. Die Kurzzeit-Zulassung in Deutschland hilft Kia dabei, die CO2-Flottenbilanz seiner Autos in der EU zu schönen.

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Statistik täuscht Interesse der Deutschen an E-Autos nur vor

Anders als in Deutschland gibt es in vielen europäischen Ländern finanzielle Kaufanreize für Autofahrer, die sich für Elektrofahrzeuge entscheiden. Und solche Anreize gelten - so in Norwegen - oft auch für junge Gebrauchte.

Die Statistik täuscht ein Interesse der deutschen Kundschaft an E-Autos gewissermaßen vor. Doch für manche Wagen, die bei Händlern stehen, finden die Hersteller nur im Ausland Interessenten. "Export" nennt denn auch Dudenhöffer branchenübergreifend eine der wahrscheinlichsten Ursachen für den nur schleppend steigenden E-Auto-Bestand in Deutschland.

Volkswagen bestätigt das Phänomen und verweist auf die großen Elektroauto-Vorführflotten des Unternehmens. Diese Autos würden nach sechs Monaten wieder abgemeldet und als Gebrauchtwagen vermarktet, teilte ein Konzernsprecher gegenüber manager-magazin.de mit. "Aus Rückmeldungen unserer Händler wissen wir, dass ein Teil dieser Fahrzeuge auch ins Ausland verkauft werden, da es in ausgewählten internationalen Märkten spezielle Förderungen für E-Fahrzeuge gibt."

"Die gehen alle in benachbarte Länder", erklärt auch der Präsident des Bundesverbandes Elektromobilität, Kurt Sigl, mit Blick auf die "verschwundenen" Autos. Er nennt auch die Niederlande als Zielland. Echtes Interesse an Elektroautos fehle in Deutschland nach wie vor - das gelte auch für die Modelle der deutschen Hersteller.

Der Elektroauto-Exodus bringt auch die regierungsnahe Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) in Erklärungsnot. Dieses Gremium - geleitet von Ex-SAP-Chef Henning Kagermann - taxiert die Zahl der Batterie- und Plugin-Hybride in Deutschland auf etwa 53.000 (per Januar 2016).

Hersteller sind "am Verzweifeln"

Dabei handelt es sich laut NPE aber um die Zahl der akkumulierten Neuzulassungen. Und genau diese Rechenmethode ist angesichts des Schwunds ins Ausland kaum haltbar. Die tatsächliche Zahl der Elektroautos in Deutschland dürfte deutlich niedriger liegen. "Wir können uns das noch nicht endgültig erklären", sagte ein NPE-Sprecher gegenüber manager-magazin.de.

Elektroauto-Lobbyist Sigl klingt inzwischen reichlich ernüchtert, wenn er über den Absatz von Stromautos in Deutschland redet. Dieser sei mittlerweile faktisch rückläufig. Die Bundesregierung müsse endlich Klarheit schaffen, ob eine Kaufprämie komme oder nicht. Die Hersteller seien angesichts der Unsicherheit "am Verzweifeln".



insgesamt 330 Beiträge
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Seite 1
ulfD 12.04.2016
1.
naja nüchtern gesehen, ein Golf für ü30.000 der voll ist wenn ich bei meinem Benziner denke "oh ich muss tanken" dann (neulich hier bei SPON der i3) brauchen die Dinger deutlich mehr Strom das ich bei den Kosten unterm strich teurer fahre als mit nem Golf Diesel, Wiederverkauf ist auch so ein Ding denn ein Batteriewechsel dürfte richtig ins Geld gehen, Anhängerkupplung gibts nicht (zugelassen) also Gartenabfälle zur Deponie? im Kofferraum.....Fazit: unbrauchbar im Alltag.
grommeck 12.04.2016
2. Lug und Trug wo man hinschaut...
...und Herr Sigl - die Fahrzeuge sind einfach zu teuer. So einfach ist das. Ganz neue Verkehrskonzepte sind gefragt und keine Verlagerung der Profite.
bissig 12.04.2016
3.
Wenn ich mir einen leisten könnte, würde ich mir einen anschaffen. Aaaaaber: die Kosten sind zu hoch, und wie man letztens beim i3 hier lesen konnte, ist ein Diesel eventuell sogar günstiger beim Verbrauch. Wozu sollte sich ein kühler Rechner sowas also anschaffen, vor allem, wenn es noch keine Erfahrungswerte bzgl. der Haltbarkeit der Stromspeicher gibt? Für weniger Geld in der Anschaffung gibt es was praktischeres mit mehr Reichweite und ähnlichen Kilometerkosten. Und daran werden auch die angeblichen Vorteile wie Nutzung von Busspuren (so die Gemeinde es gestattet), kostenloses Parken und was weiss ich noch nicht alles ändern. Um die Quote zu erreichen, muss entweder der Kauf eines E-Fahrzeugs wird vom Gesetzgeber vorgeschrieben werden (z.B. per Quote), oder die Benzin-/Dieselfahrzeuge werden finanziell (Steuern&Abgaben) bzw in der Nutzung (Fahrverbote) unattraktiv gemacht. Bei beiden Punkten sehe ich keinen Willen in Politik/Industrie und auch keine Akzeptanz der Bevölkerung. Finden wir uns also damit ab, dass unsere Regierung ein weiteres Ziel verfehlt.
crocodil 12.04.2016
4. Ganz
einfach, so wie die Arbeitslosenzahlen gefälscht werden so auch diese Daten. Fazit: Glaube nur der Staistik, die du selbst angefertigt hast!
calinda.b 12.04.2016
5. Kein Wunder
Solange die deutschen Autofirmen nur Autos mit Betrugssoftware und heimliches Abschalten der Abgasbehandlung bei Normaltemperaturen verkaufen, wird das nie was. Da müssen ein paar Dutzend Manager in den Knast, die Innenstädte für Verbrennungsmotoren gesperrt, dann geht das wie geschmiert.
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