Studie des Umweltbundesamts Krachmacher Elektroauto

Der leise Antrieb galt bisher als einer der großen Vorteile von Elektroautos. Doch die Hoffnung auf weniger Lärm auf den Straßen wird nun von einer Studie des Umweltbundesamts enttäuscht. Demnach sind E-Mobile meistens genauso laut wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

E-Mobil mit Ladestecker: "Elektroautos können nicht pauschal als leise bezeichnet werden"
REUTERS

E-Mobil mit Ladestecker: "Elektroautos können nicht pauschal als leise bezeichnet werden"


Wer zum ersten Mal in seinem Leben ein Elektroauto fährt, ist meistens gleich beim Start überrascht. Denn wenn bei Fahrzeugen mit herkömmlichem Antrieb der Motor deutlich zu hören ist, gleitet das E-Mobil mit einem leisen Surren davon. Befürworter der Elektromobilität träumen deshalb nicht nur von einer sinkenden Umweltbelastung durch die Stromer, sondern auch von weniger Verkehrslärm.

Tatsächlich verursachen E-Mobile aber viel mehr Krach als bisher angenommen, behauptet das Umweltbundesamt in einer aktuellen Studie. "Elektroautos können nicht pauschal als leise bezeichnet werden", lautet das Fazit der Untersuchung.

Dass die Stromer beim Antriebsgeräusch weniger lärmintensiv sind, wollen die Macher der Studie nicht bestreiten. Im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor seien sie bei Geschwindigkeiten bis zu 25 km/h "deutlich leiser". Weil mit steigendem Tempo jedoch das Abrollgeräusch der Reifen auf der Fahrbahn zunehme, würden sie bei höheren Geschwindigkeiten vergleichbar laut wie herkömmliche Pkw.

Das Potential der Elektroautos, den Verkehrslärm zu senken, betrachtet das Umweltbundesamt deshalb als gering. Selbst wenn bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs wären - diese Zahl wird von der Bundesregierung angestrebt, viele Experten halten sie jedoch für völlig illusorisch - würde der Lärm am Straßenrand nach Schätzungen der Behörde im Schnitt um mickrige 0,1 Dezibel sinken. "Das ist ein völlig unbedeutender Effekt", heißt es in der Studie.

Mopeds, so leise wie Fahrräder

Die Untersuchung ist trotzdem alles andere als ein Abgesang auf die Vorteile der Elektromobilität. Denn während die Hoffnungen des Umweltbundesamts auf leisere Elektroautos nur gering sind, setzt sie umso mehr Erwartungen in elektronisch angetriebene öffentliche Busse - und vor allem auf Mopeds und Motorräder.

Bei schweren Nutzfahrzeugen sei das Antriebsgeräusch im Vergleich zum Abrollgeräusch bis zu einer Geschwindigkeit von etwa 50 km/h die dominierende Lärmquelle. ÖPNV-Busse und andere Nutzfahrzeuge, die ausschließlich innerorts bewegt werden und sehr häufig anfahren und wieder abbremsen, wären deshalb mit einem Elektroantrieb deutlich leiser unterwegs.

Elektrisch angetriebene Mopeds und Motorräder könnten laut der Studie sogar "prinzipiell fast so leise wie Fahrräder" sein. Kein Wunder, dass die Behörde hier das größte Einsparpotential für die Lärmbelastung sieht, zumal bei diesen Fahrzeugen das Antriebsgeräusch unabhängig von der Geschwindigkeit immer die dominante Lärmquelle sei. Die Macher kommen zu dem Schluss, dass "wegen der großen Störwirkung schon einzelner motorisierter Zweiräder eine Elektrifizierung dieser Fahrzeuge aus Lärmschutzsicht sinnvoll" wäre.

Das Umweltbundesamt fordert in der Studie grundsätzlich mehr Anstrengungen, den Verkehrslärm einzudämmen. Denn mehr als die Hälfte aller Deutschen fühlt sich laut der Untersuchung durch den Krach auf der Straße belästigt.

cst

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insgesamt 89 Beiträge
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Seite 1
soulbrother 23.04.2013
1.
Zitat von sysopREUTERSDer leise Antrieb galt bisher als einer der großen Vorteile von Elektroautos. Doch die Hoffnung auf weniger Lärm auf den Straßen wird nun von einer Studie des Umweltbundesamts enttäuscht. Demnach sind E-Mobile meistens genau so laut wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/elektroautos-sind-laut-einer-umweltbundesamt-studie-lauter-als-gedacht-a-896082.html
Im "normalen" Stadtverkehr ist somit mit einer reduzierten Lärmbelästigung zu rechnen, wenn entsprechend viele E-Autos unterwegs sind. Da zusätzlich keine Abgase ausgestoßen werden, bleibt nur zu hoffen, dass baldmöglichst alltagstaugliche(!) E-Autos auf den Markt kommen, anstatt dieser absurden 500 PS Prototypen mit 100 km Reichweite. Das würde die Wohn-/Lebensqualität deutlich verbessern und gleichzteitig dem Trend vorbeugen, dass sich nur noch Besserverdienende Auto + Tanken leisten können.
salmo 23.04.2013
2.
Zitat von sysopREUTERSDer leise Antrieb galt bisher als einer der großen Vorteile von Elektroautos. Doch die Hoffnung auf weniger Lärm auf den Straßen wird nun von einer Studie des Umweltbundesamts enttäuscht. Demnach sind E-Mobile meistens genau so laut wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/elektroautos-sind-laut-einer-umweltbundesamt-studie-lauter-als-gedacht-a-896082.html
[QUOTE=sysop;12568453] Demnach sind E-Mobile meistens genau so laut wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. In der Theorie. Praktisch sieht das aber ganz anders aus: 1. E-autos fahren immer im korrekten Drehzahlbereich. 2. Bei Voll"gas" wird es nicht lauter. 3. Keine kaputten Auspuffrohre.
caligus 23.04.2013
3. Reifen und Geschwindigkeit
Das Ergebnis der Studie wundert mich nicht. Viele Autos hört man heutzutage kaum noch, wenn sie stehen, und nur der Motor läuft. Problematischer sind schon Start-Stopp-Automatiken, denn das Starten des Motors ist deutlich hörbar. Ansonsten weiß jeder Anwohner in der Nähe einer Straße, dass Reifen und Geschwindigkeit über den Lärmpegel entscheiden. Besonders schlimm ist es bei Regen. Fast kein Lärm gibt es, wenn Schnee liegt. Wenn also das Umweltbundesamt etwas tun möchte, müssen Lärmgrenzen für Reifen her und innerort über ein echtes Tempo-30-Limit überall und über noch weniger Geschwindigkeit in Seitenstraßen nachgedacht werden.
kuschl 23.04.2013
4. Ersteuphorie !
Zitat von sysopREUTERSDer leise Antrieb galt bisher als einer der großen Vorteile von Elektroautos. Doch die Hoffnung auf weniger Lärm auf den Straßen wird nun von einer Studie des Umweltbundesamts enttäuscht. Demnach sind E-Mobile meistens genau so laut wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/elektroautos-sind-laut-einer-umweltbundesamt-studie-lauter-als-gedacht-a-896082.html
So war es bei den Energiesparlampen auch, hinterher kam das böse Erwachen, teurer Bauaufwand, Quecksilberverseucht, Gesundheitsschädlich, Entsorgungsproblem und alles abgesegnet durch die Grünen, die jetzt schlauerweise dazu die Klappe halten und die sich immer so selbst beweihräuchernden EU Verwaltungsbüokraten. Hier wird es bei näherer Betrachtung genauso laufen. Teuer, ineffizient,teure Akkuentsorgung,Strom aus der Steckdose.
Gert B. Büttgenbach 23.04.2013
5. E-Auto Bashing 2.0
Und immer auf das E-Auto. Es gibt ja sonst nichts Neues zu schreiben. Ironie beiseite: Der Titel des Artikels ist diffamierend. Man fragt sich, wem nützt diese Art Journalismus? Den Kunden, die ganzseitige Anzeigen für Rennreisewagen schalten? Wenn Sie schon einmal ein Panamera oder ein Quattroporte mit brüllendem Lärm auf der Autobahn überholt hat, dann wissen Sie, dass die Autoren der Studie Unsinn von sich geben.
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