Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Induktionstechnik im Test: Ständig unter Strom

Von Markus Bruhn

Induktionstechnik im Test: Stromlinienbus Fotos
KAIST

In Südkorea wurde unter einer 24 Kilometer langen Buslinie der Großstadt Gumi ein Induktionssystem installiert. Jetzt hat der Test mit Elektrobussen begonnen, die während der Fahrt permanent Strom tanken - und so ein großes Problem der Elektromobilität umgehen.

Wie groß ist die Reichweite? Wo gibt es Ladestationen? Wie lange dauert es, bis die Akkus wieder voll sind? Elektromobilität setzt eine ausgeklügelte Logistik voraus - oder Induktionstechnik. Ob die verlässlich funktioniert und dem Stromantrieb zum Durchbruch verhelfen kann, wird seit wenigen Tagen in der südkoreanischen Großstadt Gumi erprobt. Dort fahren zwei Elektrobusse, deren Akkus auch während der Fahrt permanent geladen werden - ganz ohne Kabel.

Die Nahverkehrsbusse mit Elektromotor und Akku fahren auf einer 24 Kilometer langen Teststrecke, die für rund 3,3 Millionen Euro zu diesem Zweck umgebaut wurde. Abschnittsweise wurden in die Fahrbahn Induktionsanlagen eingelassen. Nach Angaben der Entwickler vom Korea Advanced Institute of Science and Technology (KAIST) ist es für den verlässlichen Betrieb der Busse bereits ausreichend, wenn zwischen fünf und fünfzehn Prozent der Strecke mit Induktionsstreifen versehen sind. Passiert ein Bus diese Abschnitte, werden die Akkus berührungslos mit elektrischer Energie aufgeladen.

Das Prinzip der Induktion ist beispielsweise von Elektrozahnbürsten bekannt, es geht um die Übertragung von elektrischer Energie ohne Stecker, Kabel und Buchse. Im Fall der E-Busse wird elektrische Energie über ein Magnetfeld, das in der Straße verlegte Kabel erzeugen, in die Akkus der Busse übertragen, ohne dass dafür ein direkter Kontakt nötig ist. Die Energie überbrückt dabei einen Freiraum von 17 Zentimetern zwischen der Straße und dem Fahrzeugunterboden. Für Fußgänger oder andere Fahrzeuge soll dabei keine Gefahr entstehen.

Kleinere Akkus - die sparen Gewicht und Kosten

Rein theoretisch böte das Konzept allerlei Vorteile - die sich auch für Elektro-Pkw umsetzen ließen: Aufgrund der regelmäßigen Stromversorgung aus dem Boden benötigen die Busse nur sehr kleine Akkus an Bord. Dies spart Gewicht und senkt den Preis. Zudem entfällt bei einer Strecke mit Induktionssystem das zeitaufwendige Laden per Kabel an speziellen Stationen. Für den Individualverkehr jedoch kämen diese Vorteile nur bei einer flächendeckenden Installation von Induktionsanlagen zur Geltung.

Die Stadtverwaltung von Gumi möchte das Konzept im öffentlichen Nahverkehr bis 2015 mit zehn weiteren Bussen testen. Im Prinzip ist die Sache allerdings ein alter Hut, wenn man an die gute alte Straßenbahn mit einer Stromversorgung per Oberleitungen denkt. Nur stecken die Kabel jetzt verborgen im Untergrund.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 84 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ja da schau her
condor99 12.08.2013
und wieder liest man so was nicht aus D sondern Fernost. Nehmen wir die Induktionstechnik für alle A und B Straßen dann kommt man für den Rest mit Batterien hin. Ob man bei Induktionsfahrten die Batterie gleich mit laden kann ist noch die Frage. So könnte das mit dem Elektroauto was werden. Bleibt noch der Preis.
2. Klasse
frank@franmedia.de 12.08.2013
Die Idee ist ja wirklich nicht neu. Dass es aber so billig umgesetzt werden kann, überrascht mich dann aber doch. Schade nur, dass D sich von der Zukunft des Verkehrs so komplett abkoppelt. Ist uns vielleicht nicht teuer genug...
3. Toll
comment@spiegel 12.08.2013
Kostenloses Aufladen, wenn man sein Auto (heimlich) etwas umruestet.
4. Ja, die Akkus werden geladen
menschzweiterklasse 12.08.2013
Zitat von condor99und wieder liest man so was nicht aus D sondern Fernost. Nehmen wir die Induktionstechnik für alle A und B Straßen dann kommt man für den Rest mit Batterien hin. Ob man bei Induktionsfahrten die Batterie gleich mit laden kann ist noch die Frage. So könnte das mit dem Elektroauto was werden. Bleibt noch der Preis.
Aus dem Artikel geht hervor, dass die Akkus während der Fahrt geladen werden. Dazu reicht es 5 - 15 % der Strecke mit Induktionskabeln zu versehen... Wenn man mitbekommen hat, dass die einst in einigen deutschen Städten eingesetzten O-Busse (Oberleitungs-Elektro-Bus) durch laute und stinkende Diesel-Busse ersetzt wurden, kann man sich diese neue Technik gut als flexible und umweltfreundliche Alternative vorstellen.
5. @Condor99 - Stimmt so nicht!
StefanWagner 12.08.2013
Die Firma Bomardier befindet sich ebenfalls im Pilottest. Allerdings auf abgesperrten Teststrecken. Aber immerhin schade, dass die Asiaten wohl leicht die Nase vorne haben. In all diesen Bereichen von Techonlogie werden uns die Japaner, Koreaner und Chinesen überholen und stehenlassen. Die Chinesen selbst haben gesagt, dass sie die letzten industriellen Revolutionen verschlafen haben. Diese (elektrische Mobilität) wollen sie nicht verschlafen - und deutsche Autobauer dümpeln mit ihren Konzepten weiter in der Alibi-Zone ohne ernst gemeinte Visionen - klasse, im Land der Dichter und Denker da keine Visionen zu haben.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Facebook

Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera (baugleich mit Chevrolet Volt), BMW i3 (optional mit Benzinmotor)
Fotostrecke
Elektroautos im Aufwind: Modelle und Meilensteine


Aktuelles zu