Elektromobil Hummer HX: Golfplatz statt Golfkrieg

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Hummer HX: Zu grün hinter den Ecken Fotos
Tom Grünweg

Er war das Sinnbild des Unsinns: Kein anderer Geländewagen war so groß, so durstig und so überflüssig wie der Hummer. Drei Jahre nach dem Produktionsschluss kehrt der Gigant jetzt geschrumpft nach Europa zurück - als Mini-Mobil mit politisch korrektem Elektroantrieb.

Eckig, martialisch, brutal - der überdimensionierte, fast drei Tonnen schwere Geländewagen Hummer war ein Sinnbild der Maßlosigkeit. Als Hummer in Tarnlackierung durch die Bilder des Irak-Kriegs fuhren, wurde der Allradler berühmt und zum Szene-Mobil der Börsenzocker an der Wall Street. Dann platzte die Finanzblase, und die folgenden Erschütterungen fegten auch den Hummer hinweg.

2010 stoppte General Motors die Produktion und verkaufte die Lizenz nach China. Jetzt jedoch gibt es ein Déjà-vu: Die englische Firma MEV fertigt das kantige Teil ebenfalls in Lizenz - allerdings politisch korrekt auf Kleinwagenformat geschrumpft und mit Elektroantrieb ausgestattet.

Doch der grüne Vollwaschgang fürs ehemalige Bäh-Mobil nutzt offenbar nichts: Bislang wird das kleine Auto nur in Mini-Stückzahlen verkauft. Dabei hat der Knirps durchaus seinen Reiz. Verchromter Kühlergrill, stechende LED-Beleuchtung, grobstollige Reifen, kantige Kunststoffkarosserie - wie der echte Hummer wirkt auch der kleine, auf zwei Sitzplätze und drei Meter Länge geschrumpfte HX fast furchteinflößend.

Der Scheinriese

Allerdings auch nur dann, wenn einem das Wägelchen auf einem einsamen Feldwegen entgegen kommt; steht das Elektromobil zwischen ein paar anderen Autos, sieht es fast schon mitleiderregend aus.

Doch von der Optik sollte man sich nicht täuschen lassen. Der kleine HX bietet nämlich rundum flotte Fahrleistungen. Die Elektromaschine an der Hinterachse kommt auf eine Dauerleistung von knapp sieben PS (Maximalleistung 20 PS), und weil das maximale Drehmoment sofort abrufbar ist, kommt der Nachbau besser vom Fleck als das Original. Außerdem ist der Hummer HX sehr leise, erheblich wendiger und passt in fast jede Parklücke.

Bei Vollgas jedoch ist der Spaß schnell vorbei. Erstens, weil der HX nicht die maximal möglichen 80 km/h schafft, sondern wegen des Versicherungskennzeichens lediglich 45 km/h schnell sein darf. Und zweitens, weil die Blei-Akkus dann rapide abbauen. Die angeblich 80 Kilometer Reichweite jedenfalls hat auch Importeur Jörg Braun vom Bamberger Unternehmen Quadix noch nicht geschafft. "Realistisch sind 30 bis 50 Kilometer", sagt Braun.

Die Technik stammt aus der elektrischen Frühzeit

Bei etwas mehr Beanspruchung sei der Akku auch schon mal nach 20 Kilometern entladen. Dann muss der HX erst einmal sechs bis acht Stunden an die Steckdose. Zudem sollte man, wie bei einer alten Autobatterie, regelmäßig den Flüssigkeitspegel der Batteriezellen prüfen und destilliertes Wasser nachgießen. "Komfortabel geht anders", räumt Braun ein.

Glaubt man dem englischen Hersteller, ist der Hummer HX vor allem auf Golfplätzen und in weitläufigen Wohnanlagen in Florida und Kalifornien ein Renner. In Deutschland gibt es für den geschrumpften Riesen nur wenige Einsatzmöglichkeiten. Vielleicht als Stadtauto für Besitzer eines großen SUV, im Idealfall eines ausgewachsenen Hummers?

Wer ein alltagstaugliches Kurzstreckenmobil sucht, ist mit einem Fiat 500 oder VW Up besser bedient. Vor allem, weil der HX 17.950 Euro kostet. Fragt man Quadix-Entwickler Peter Breitfelder nach der Zielgruppe, antwortet er Folgendes: "Eltern, die auch ihren großen Kindern noch ein Spielzeug kaufen wollen."

Neuer Anlauf mit einem Elektro-SUV im Kleinformat

Anders ausgedrückt: Das Wägelchen ist überflüssig. Zehn Hummer HX hat die Firma Quadix bestellt - und wohl demnächst auch verkauft. "Allerdings keinen einzigen davon in Deutschland", sagt Importeur Braun. "Die Fahrzeuge gingen nach Österreich, Abu Dhabi, Norwegen, in die Schweiz und gerade erst einer nach Moskau." Auch in Frankreich, Holland und auf Ibiza sei jeweils rund ein Dutzend Fahrzeuge unterwegs.

"Auf zahlreichen Messen", berichtet Braun, "kam der Elektro-Hummer immer sehr gut an. Doch als es ums Kaufen ging, machten die Leute einen Rückzieher." Diese Erfahrung lehrte die Quadix-Leute zweierlei: Im Prinzip hat ein ultrakompakter Elektro-SUV gute Verkaufschancen; aber der Hummer HX ist offenbar zu teuer und seine Technik veraltet.

Daher konstruierte das Team um Quadix-Entwickler Breitfelder ein eigener Elektro-SUV, das noch in diesem Sommer unter dem Namen e-Buggy an den Start gehen soll. "Für einen ähnlichen Preis gibt es dann Lithium-Polymer-Akkus, eine Spitzengeschwindigkeit von 100 km/h und eine Reichweite von mindestens 100 Kilometern", sagt Breitfelder.

Das sei dann auch kein Spielzeug mehr, sondern zum Beispiel für Förster, Landwirte oder Winzer tatsächlich eine grüne Alternative zum Geländewagen. Eines hat der e-Buggy dann doch mit dem Hummer HX gemein: Auch das neue E-Mobil kopiert das Styling einen US-Klassikers: des Jeep Willys.

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Dieser Wagen ist süss, wird aber kauf den
bombenstimmung 10.06.2013
typischen "Hummer"-Käufer erreichen. Wichtigstes Kriterium/Motiv für den Kauf des "Szene-Mobils der Börsenzocker" ist der "Schwanzersatz", den es seinem Besitzer bietet. Niemals sonst wirkt eine graue Büromaus so männlich und sexy wie am Lenkrad eines Hummer.
2. Elektrokarren
derbochumerjunge 10.06.2013
Danke für den Artikel, liebe SpOn-Leute, selten so beim Anblick eines Autofotos gelacht. Sieht aus wie Elektrokarren vom Golfplatz, um den man eine Hummer-ähnliche Karosserie getackert hat.
3. Panzerspähwagen
derbochumerjunge 10.06.2013
Zitat von bombenstimmungtypischen "Hummer"-Käufer erreichen. Wichtigstes Kriterium/Motiv für den Kauf des "Szene-Mobils der Börsenzocker" ist der "Schwanzersatz", den es seinem Besitzer bietet. Niemals sonst wirkt eine graue Büromaus so männlich und sexy wie am Lenkrad eines Hummer.
Ich fand die Bezeichnung "Panzerspähwagen im Disco-Look" irgendwie gelungener.
4. In Teilen Deutschlands ...
mborevi 10.06.2013
Zitat von sysop<div class="spClearfix"><span class="sysopImage"><img src="http://cdn1.spiegel.de/images/image-499148-thumb-lsmq.jpg" /><span class="spCredit">Tom Grünweg</span></span><span id="sysopText">Er war das Sinnbild des Unsinns: Kein anderer Geländewagen war so groß, so durstig und so überflüssig wie der Hummer. Drei Jahre nach dem Produktionsschluss kehrt der Gigant jetzt geschrumpft nach Europa zurück - als Mini-Mobil mit politisch korrektem Elektroantrieb. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/elektromobil-hummer-hx-sauberer-antrieb-fuer-das-symbol-des-boesen-suv-a-902494.html</span></div>
... und benachbarter Länder kämpfen gerade Zigtausende um ihre Existenz und Ihr sprecht von einem "politisch korrekten" Elektroantrieb? Ich frage mich, wie man so begriffsstutzig, ignorant und realitätsblind sein kann.
5.
üpoiu 10.06.2013
Zitat von bombenstimmungtypischen "Hummer"-Käufer erreichen. Wichtigstes Kriterium/Motiv für den Kauf des "Szene-Mobils der Börsenzocker" ist der "Schwanzersatz", den es seinem Besitzer bietet. Niemals sonst wirkt eine graue Büromaus so männlich und sexy wie am Lenkrad eines Hummer.
Sie sind es doch, der das Lineal herausholt um sich gegenüber vermeintlichen typischen "Hummer"-Käufern profilieren zu können. Wer hat hier den "Schwanzersatz" nötig? Wer einen Hummer fahren will, soll in fahren. Und wenn er damit Frauen abschleppt, dann gönne ich ihm diese Frauen. Und wer Fahrad fahren will und Bäume umarmt soll auch das tun. Und wahrscheinlich findet er andere Frauen, die auf genau das stehen. Zum Thema Fahradsattel und Potenz wollen wir aber lieber mal nichts sagen....
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Fahrzeugschein
Hersteller: MEV
Typ: Kleinwagen
Motor: Elektromotor
Getriebe: Eingang-Getriebe
Antrieb: Front
Leistung: 20 PS (15 kW)
Höchstgeschw.: 45 km/h
Gewicht: 120 kg
Maße: 3000 / 1450 / 1460
Preis: 17.950 EUR
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General Motors: Die zehn schönsten Modelle

Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Roadster, Chevy Volt/Opel Ampera, Think City
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Honda Civic, Honda Insight
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz)
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera
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