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Förderung von E-Autos: Völlig neben der Spur

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Porsche

Nicht wirklich emissionsfrei: Ein Porsche Panamera

Ein Porsche Panamera, der so sparsam ist wie ein Elektro-Smart? Gibt es noch nicht. Doch ein Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Förderung der E-Mobilität behandelt beide Wagen gleich. Das Vorhaben droht zur Farce zu werden.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will Deutschlands Autofahrer ins Elektroauto locken. Doch sein Gesetz zur Förderung der E-Mobilität droht zur Farce zu werden. Wie aus einem gemeinsamen Gesetzentwurf mit dem Umweltministerium hervorgeht, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, sollen nicht nur emissionsfreie E-Autos Privilegien erhalten. Auch Plug-in-Hybride mit einer geringen elektrischen Reichweite von 30 Kilometern fielen demnach unter die staatliche Förderung.

Das hätte absurde Folgen: Modelle wie der Porsche Panamera, ein Bolide mit 416 PS, erhielten dann ebenso ein "E-Kennzeichen" wie ein rein elektrischer Smart. Das E-Kennzeichen soll strombetriebene Fahrzeuge dazu berechtigen, Busspuren und Parkplätze kostenlos zu nutzen. Damit will die Bundesregierung den schleppenden Absatz von E-Fahrzeugen fördern und die Belastung der Städte durch Auspuff-Abgase reduzieren.

Kritiker des Gesetzentwurfes befürchten jedoch, dass das Gesetz genau das Gegenteil bewirken könnte. Es motiviere die Autohersteller zusätzlich, große und schwere Autos zu bauen und diese mit einer Batterie auszustatten, die gerade mal für 30 Kilometer ausreicht. "Die Batterie wird zur eingebauten Vorfahrt", kritisiert Otmar Lell vom Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin.

"Verlierer des E-Mobilitätsgesetzes wären sparsame Kleinwagen"

Ab 2017 müssen die Fahrzeuge dann mindestens 40 Kilometer rein elektrisch zurücklegen können. Doch wer einmal das E-Kennzeichen erhalten hat, darf es ein Autoleben lang behalten, heißt es im Gesetzesentwurf.

"Verlierer des E-Mobilitätsgesetzes wären sparsame Kleinwagen mit Benzin- oder Dieselantrieb", sagt Otmar Lell. Gerade bei Kleinwagen würde der Einbau einer Batterie zwangsläufig zu einem Anstieg des Verkaufspreises führen, der von den Verbrauchern nicht mehr mitgetragen wird. Käufern von ohnehin teuren Geländewagen oder Limousinen störe ein Preisaufschlag hingegen nicht. Während Porsche-, BMW- oder Mercedes-Besitzer in den Städten nahezu freie Fahrt genössen, ständen deutlich umweltfreundlichere Autos im Stau.

Das Gesetz zur Förderung der E-Mobilität soll am 1. Februar in Kraft treten. Es bildet nur den gesetzlichen Rahmen, die Umsetzung obliegt den Kommunen.

Die Bundesregierung verfolgt das Ziel von einer Million E-Autos auf deutschen Straßen bis 2020 - dazu zählt sie auch Hybridautos. Experten halten diese Zahl für utopisch, sollte der Preis für die Fahrzeuge mit alternativen Antrieben nicht deutlich sinken. Laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) waren im Januar 2013 insgesamt 12.156 Autos mit Elektro- und 85.575 mit Hybridantrieb registriert.

mhu

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1. Das passt
georg69 15.08.2014
zu seinen PKW-Maut Plänen: was teuer, "unvernünftig", vielfahrend und "spritschluckend" ist wird begünstigt. Sparsamkeit wird generell benachteiligt.
2. Politik und Technik
Luna-lucia 15.08.2014
Zitat von sysopPorscheEin Porsche Panamera, der so sparsam ist wie ein Elektro-Smart? Gibt es noch nicht. Doch ein Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Förderung der E-Mobilität behandelt beide Wagen gleich. Das Vorhaben droht zur Farce zu werden. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/elektromobilitaet-auch-plug-in-hybride-sollen-busspuren-nutzen-koennen-a-986348.html
wie Feuer und Wasser!
3.
frutsch 15.08.2014
Durch die Inflation stehen dann allerdings in kürzester Zeit auch Busse und Taxen im Stau, weil dann auch die Busspur voll ist.
4. ja
townsville 15.08.2014
ganz genau so dürfte das Gesetz gedacht sein. Eingebaute Vorfahrt für die wohlahbenden Käufer großer (meist deutscher) Karossen. So funktioniert Lobbyarbeit und Absatzförderung der Automobilindustrie.
5.
TS_Alien 15.08.2014
Man sollte nicht das E-Auto fördern, sondern die Entwicklung von Akkus, E-Motoren und Antriebssträngen. Sonst kommt am Ende heraus, dass die meisten E-Autos als Firmenwagen laufen und für satte Steuerersparnisse und Subventionen herangezogen werden. Mit dem E-Auto für alle hat das nichts zu tun. Dabei sollte genau das das Ziel sein. Die Politik denkt wieder völlig falsch. Nicht das Endprodukt darf subventioniert und gefördert werden, sondern nur die neuen Komponenten, die mit dem E-Antrieb etwas zu tun haben.
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